Rosenkrieg in der Lechstadt

Und dann flog die Zigarrenkiste

+
Symbolfoto Amtsgericht Landsberg

Landsberg – Ein 73-Jähriger aus der Lechstadt soll seiner Frau eine Zigarrenkiste auf den Fuß geworfen und ihr anschließend noch auf den Fuß getreten sein – ein Knochenbruch sei die Folge gewesen, so heißt es in der Anklageschrift gegen den Mann. Die erwachsene Tochter soll er in eine Terrassentür geschubst haben. Auch wurden in seinem Haus zwei Gewehre und Munition gefunden, für die er offenbar keine waffenrechtliche Erlaubnis besaß. Soweit die Ausgangslage in einem Strafbefehlsverfahren vor dem Amtsgericht Landsberg.

Für die Verhandlung hatte Richterin Sabine Grub einen ganzen Vormittag angesetzt. Der, so sollte sich zeigen, reichte jedoch nicht, um die Geschehnisse halbwegs nachvollziehbar zu ermitteln. Der Angeklagte und die Geschädigte, die sich offenbar in einem rosenkriegähnlichen Scheidungsverfahren befinden, trugen höchst unterschiedliche Versionen des Tathergangs vor.

Der Mann, der als forensischer Psychiater in der Schweiz arbeitet, ärgerte sich nach eigenen Angaben darüber, dass Frau und Adoptivtochter offenbar recht sorglos mit seinem Geld umgingen. Immer wieder habe er feststellen müssen, dass sein Konto sich „mit einigen Tausend Euro in den Miesen“ befand. Als er im Juli 2013 zu einem Wochenendbesuch nach Hause kam, geriet man in Streit. Seine Frau habe Bücher aus seinem Bücherregal geworfen, darunter eine wertvolle Goethe-Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert. „Sie wollte auch meinen Laptop und den Monitor vom Schreibtisch fegen“, behauptete der Angeklagte. „Da habe ich sie festgehalten.“ In dem Gerangel sei die Frau rückwärts gegen eine Schranktür getaumelt und und zu Boden gefallen. „Ich wollte sie hochziehen, sie sträubte sich und fiel mit dem Kopf gegen die Kante eines Sideboards.“ Dabei habe sie „ein kirschkerngroßes Hämatom“ davongetragen.

Anschließend hätten Frau und Adoptivtochter ihn darin gehindert, das Haus zu verlassen, weshalb er über das Dach des Müllhäuschens ins Freie geklettert sei. Als er zurückkehrte, sei die Auseinandersetzung erneut aufgeflammt – dabei wurde offenbar das Wohnzimmer verwüstet. Seine Adoptivtochter habe sich innen vor die Terrassentür gesetzt, er habe die Tür aufgezogen – „dabei gingen Scheiben zu Bruch“. Zu einem späteren Zeitpunkt flog offenbar auch die in der Anklageschrift erwähnte Zigarrenkiste durch die Luft. „Meine Frau hat sie nach mir geworfen, ich habe sie zurückgeworfen und zertrampelt. Aber ich habe sie nicht meiner Frau auf den Fuß fallen lassen“, beteuerte der 73-Jährige.

Die 63-jährige Ehefrau, die gemeinsam mit der Adoptivtochter als Nebenklägerin auftrat, konnte mit einer weitschweifigen und widersprüchlichen Aussage wenig zur Klärung beitragen. Ihrer Darstel- lung nach habe der Mann ihr die Zigarrenkiste an den Kopf werfen wollen. Sie habe sich weggeduckt, „sonst hätte ich kein Gesicht mehr“. Das Wurfgeschoss sei dann stattdessen auf ihrem Fuß gelandet. Wie das sein könne, fragte sich nicht nur Staatsanwalt Christian Peikert. „Wenn die Kiste mit solcher Wucht in Richtung Kopf geworfen wurde, hätte sie doch vorbeifliegen müssen, als Sie sich wegduckten.“ Die fraglichen Gewehre wollte die Frau zufällig im Keller entdeckt haben, die Munition in einer Kommode im Wohnzimmer. Der Angeklagte behauptete, die Gewehre nicht zu kennen. Er hatte offenbar bereits zu einem früheren Zeitpunkt einige Jagdwaffen ord- nungsgemäß beim Landratsamt abgegeben.

Nach drei Stunden setzte Richterin Grub das Verfahren aus. Sie will die Akten aus dem Familienrechtsstreit der Eheleute einsehen, auch Verteidiger Joachim Feller und Neben- klägervertreter Hubertus Werner wollen sich diese zu Gemüte führen. Offenbar existie- ren auch weitere Strafakten, die ebenfalls beigezogen werden sollen. Ein neuer Verhandlungstermin wurde noch nicht bestimmt.

Ulrike Osman

Meistgelesene Artikel

Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Landsberg – Wie kann man erreichen, dass die Bürger und Besucher der Lechstadt im Jahr 2035 problemlos, zeitsparend und umweltgerecht mobil sind? Das …
Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Kommentare