Ruethenfest-Geschichte in Bildern

Historische Hintergründe und Aufnahmen, hier Ruethenfestkinder im Jahr 1900, präsentiert das Neues Stadtmuseum derzeit in seiner Sonderausstellung. Foto: Stadtarchiv LL

Das diesjährige Ruethenfest (15. bis 24. Juli) wirft seine Schatten voraus: Das Neue Stadtmuseum zeigt noch bis 24. Juli eine Ausstellung, die die historischen Hintergründe zum traditionsreichen Ruethenfest beleuchtet.

Kein anderes Fest genießt den Stellenwert im Bewusstsein der Lechstädter wie das Ruethenfest. Alle vier Jahre präsentieren über 1000 Landsberger Kinder die geschichtlichen Episoden der bewegten Stadtgeschichte. Die Integration aller Bevölkerungsschichten zur Vorbereitung und Durchführung des Kinderkostümfestes ist sicher auch durch die starke emotionale Bindung begründet, die sich in manchen Familien über Generationen in einer bestimmten gespielten Rolle ausdrückt. Welche Ursprünge hat das Landsberger Ruethenfest? Wie hat sich das Fest im Laufe der Zeit verändert? Gehen die gespielten Szenen jeweils auf tatsächliche Ereignisse zurück und welche stadtgeschichtlichen Dokumente verbinden sich mit diesen Szenen? Antworten auf diese Fragen findet der Museumsbesucher in drei Sektionen, die sich im Erdgeschoss auf drei Ausstellungsräume verteilen. Marksteine Der erste Ausstellungsraum befasst sich mit den Ursprüngen und der Entwicklung des Ruethenfestes in den vergangenen zwei Jahrhunderten. Chronologische „Marksteine“ bzw. Jahreszahlen geben dem Besucher Orientierung, um entlang der Jahrzehnte die Veränderungen des Festes „abzulaufen“. Oft sind diese Marksteine indikativ gemeint und beziehen sich auf eine Zeitspanne: die Gründung des Ruethenfestvereines zum Beispiel steht unter der Jahreszahl 1925, die hier gezeigten Objekte beziehen sich jedoch insgesamt auf die Tätigkeit des Vereins. Die erste urkundliche Erwähnung „der abgehaltenen Rietten“ wird bei­- läufig in einem Ratsprotokoll des Jahres 1751 vorgenommen, so dass das Dokument bezeugt, dass das Fest weitaus älter ist. Was dabei jedoch passierte, liegt im Dunkeln. Der zweite Ausstellungsraum weitet die Kernszenen des Festzuges thematisch aus, stellt die Rathausfresken von Ferdinand von Piloty und Eduard Schwoiser in den Mittelpunkt. Den zwischen 1876 und 1878 ausgeführten Bilder gingen vertrag­- lich festgelegte Skizzen und Kartons voraus: zwei dieser Vorarbeiten aus dem Besitz des Stadtmuseums werden gezeigt: Zum einen der Bozzetto des Freskos „Tanz des Herzog Ernst“, der in Beziehung zur Kostümgruppe gesetzt wird und damit, wie auch die Hörstation, das Bemühen verdeutlicht, die Kostüme nach dem Vorbild der Rathausgemälde anzufertigen. Zum anderen die restaurierte Piloty-Zeichnung „Bestätigung der Spitalgründung durch Ludwig den Brandenburger“, der ein besonderer Stellenwert zukommt. Das erstmals der Öffentlichkeit gezeigte Exponat be­eindruckt nicht nur durch seine Größe (3,05 x 4,19 Meter), die die Ausstellungsmacher beim Aufbau vor besondere Anforderungen stellte, sondern auch durch seine detailgenaue Ausführung. Die Restaurierung durch Peter Axere hat nicht nur Bruchstellen und verlustgefährdete Bereiche der Zeichnung konservatorisch gesichert, sondern auch Fehlstellen intarsiert und retuschiert, so dass die Gesamtwirkung ästhetisch aufgewertet wurde. Die dazugehörige Urkunde mit der Bestätigung des Bayern­herzogs kann im Original im dritten Ausstellungsraum, in der „Schatzkammer“ inspiziert werden. So bezieht sich insgesamt das wertvolle Urkundenmaterial, das hier gezeigt wird und das zu den größten Schätzen des Landsberger Stadtarchivs zählt, auf die Themen der Rathausfresken. Eine kleine Sensation ist die kürzlich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv „entdeckte“ und in Reproduktion gezeigte Urkunde aus einem der beiden Auslaufregisterbände, die die Kanzlei der Herzöge Ernst und Wilhelm von 1424 - 38 führte. Im Stadtarchiv gibt es keine zeitgenössische Urkunde zum so genannten Forellentrunk, den Herzog Ernst 1434 stiftete. Bekannt war bislang lediglich ein Druck des 18. Jahrhunderts, der den Wortlaut der Urkunde wiedergab, die an die Hoffischer des Starnberger Sees erging, jährlich den Landsbergern drei Forellen zu stiften. Bei den Recherchen zur Ausstellung stieß die Kuratorin auf zwei Ur­- kun­den­fassungen des besagten Registerbandes. Die kürzere der beiden wird in Reproduktion und mit Umschrift gezeigt. Ein vierter Ausstellungsbereich schließt sich in den oberen Etagen des Neuen Stadtmuseums an: Hier finden sich im Flur des zweiten Stocks die zahlreichen Beiträge, die die Landsberger Bürger dem Museum eingeschickt haben. Bereits im Treppenhaus kann der Besucher erkunden, ob er sich selbst oder Familienmitglieder auf den Fotografien der vergangenen Ruethenfeste wiederfindet. Führungen und mehr Die lebendig gestaltete Ausstellung will dem Charakter des Ruethenfestes Rechnung tragen und natürlich auch den jüngeren Besuchern, die näheres über die von ihnen dargestellten Rollen erfahren wollen. So gibt es eine ergänzende Textebene für Kinder, weiterhin veranschaulichen Hörstationen mit persönlichen Erinnerungen und Filme das Thema. Das Begleitprogramm bietet Vorträge und museumspädagogische Führungen, die sich insbesondere an Familien und Schulklassen richten. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es eine kostenfreie Familienführung.

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