Ruhezonen statt Autolärm

Kerzengerade führt die Trasse der alten Bundesstraße 17 durch Kaufering und teilt den Ort in zwei Hälften. Geht es nach dem Bürgerforum Kaufering, soll sich das künftig ändern. Die Forumsmitglieder nahmen die Verkehrsentlastung durch die neue Umgehung zum Anlass, um ein neues Verkehrskonzept für die alte Bundesstraße zu entwickeln. Aus einer „öden Ortsdurchfahrt“ soll so ein „lebendiger Straßenraum“ entstehen.

Als Basis diente den Planern dabei ein Konzept namens „Shared Space“, das ein holländischer Ingenieur bereits in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwarf und welches derzeit in mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Anwendung findet. Kennzeichnend für „Shared Space“ ist, dass die herkömmliche Trennung der Verkehrsräume aufgehoben wird und dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer, motorisierter Verkehr – prinzipiell gleichberechtigt sind. Es gibt somit keine Sonderrechte für den Autoverkehr, vielmehr muss sich dieser rücksichtsvoll in das allgemeine Verkehrsgeschehen einfügen. Der unerwünschte Durchgangsverkehr wird durch geeignete Maßnahmen auf die für ihn bestimmten Straßen verwiesen. Auf Verkehrsschilder, Ampeln, Signalanlagen, Fuß-gängerüberwege, Verkehrsinseln und Barrieren kann so weitgehend verzichtet werden. Laut dem Vorschlag des Bürgerforums würde sich der „Shared Space“ auf der alten B 17 von der Bayernstraße im Süden bis zur nördlichen B 17-Auffahrt erstrecken. Er sieht vor, die Verkehrsführung zu verschwenken, um auch vom optischen Eindruck her den Verkehrsfluss zu bremsen. Bushaltestellen sorgen ebenfalls für die Beruhigung des Verkehrs. Als optische Gestaltungselemente dienen Ruhezonen, Kinderspielplätze, Grünflächen, Wasserflächen, Bänke und Kleingastronomie. Auch die Anbindung der angrenzenden Nebenstraßen soll verbessert werden. Während es in Ost-West-Richtung bislang nur eine Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen für den Autoverkehr gibt, sollen künftig angrenzende Querstraßen für Fußgänger und Radfahrer sowie teils für Autofahrer geöffnet werden. Geschäfte wie etwa Edeka, Lidl oder Rewe könnten so ihre eigenen Zufahrten zum „Shared Space“ erhalten. Für andere Geschäfte würden sich auf der dem „Shared Space“ zugewandten Rückseite neue Nutzungsmöglichkeiten bieten (siehe Planskizze). Viele Vorteile Schon vor einigen Wochen hatte das Bürgerforum einen Vorschlag für ein neues Ortszentrum im Kreuzungsbereich B17 alt/Bayernstraße vorgestellt (KREISBOTE berichtete), auf dem das Verkehrskonzept „Shared Space“ nun aufbaut. Für die Initiatoren des Bürgerforums liegen die Vorteile des Projekts auf der Hand: So löse es die „Riegelwirkung“ der alten B 17 auf, wodurch die bisherige Bundesstraße zur „Hauptschlagader“ werde, versorgt durch eine angemessene Zahl von Seitenverzweigungen. Ohne den störenden Durchgangsverkehr sinke die Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner deutlich. Auch Schallschutzmaßnahmen seien nicht mehr nötig, wodurch Raum für die Nutzung der bisher „toten“ Verkehrsflächen gewonnen werde. Verwaltung schweigt Noch sei der Vorschlag nicht fertig, sondern bedürfe einer detaillierten Untersuchung durch Städteplaner und Architekten, betont Peter Vonnahme, einer der Initiatoren des Bürgerforums. Vonnahme und seine Mitstreiter sehen ihr Projekt als Denkanstoß, auch wenn einer „Realisierung keine unüberwindbaren tatsächlichen oder rechtlichen Hindernisse entgegenstehen“ würden. Was man jetzt brauche, sei der politische Wille, doch gerade daran hapere es derzeit noch, stellt Vonnahme fest:. „Das offizielle Kaufering schweigt eisern zu unseren Vorschlägen.“

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