Eine kostspielige Angelegenheit

Gegen den "Murks"

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Landrat Thomas Eichinger und die Mitglieder des Kreisausschusses machten sich vor Ort ein Bild zur langen Mängelliste im älteren Gebäudebestand der Beruflichen Schulen.

Landsberg – Die Beruflichen Schulen Landsberg sind ein erfolgreicher Lehr- und Lernstandort, doch der Landkreis muss investieren, damit das so bleibt. Das ist der Tenor, den Schulleiter Dietmar Bauer den Mitgliedern des Kreisausschusses bei einer Ortsbesichtigung am Dienstag vergangener Woche mit auf den Weg gegeben hat. Schuld sind die in die Jahre gekommenen Teile des Gebäudebestands, die sowohl pädagogischen, als auch energetischen und vor allem sicherheitsrelevanten Anforderungen nicht mehr genügen. Bei einer vorsichtigen Kosten­annäherung wurde das notwendige Investitions­volumen auf 20 Millionen Euro beziffert.

Die Umsetzung des Schulentwicklungsprogramms könnte sich an den Beruflichen Schulen zum kostspieligen Mammutprojekt entwickeln. Diesen Eindruck dürften die Mitglieder des Kreisausschusses von der dortigen Besichtigung mitgenommen haben. Denn die Mängelliste, die Schulleiter Dietmar Bauer und seine Mitarbeiter vorbrachten, war lang.

Dank der bisherigen Investitionen des Landkreises stelle seine Schule seit Jahren einen wichtigen Standortfaktor für die Region dar, der auch in der Wirtschaft sehr geschätzt werde, betonte Bauer eingangs. Seine Kollegen Lorenz Häckl und Reinhard Selbach bekräftigten, dass der Landkreis hinsichtlich ein- und auspendelnder FOS-Schüler einen positiven Saldo erziele und sich einzelne Sprengel der Berufsschule über bis zu zwölf Landkreise erstrecken.

Steigende Schülerzahlen

Tatsächlich ist der Zulauf beträchtlich, die Zahlen steigen seit Jahren. Im Oktober drückten 1.578 Schüler die Bank der Berufsschule, 662 waren an der FOS und 136 an der BOS eingeschrieben, zeigte Häckl auf. Und Schulleiter Bauer unterstrich die Dimensionen der Einrichtung: „In diesem Jahr haben sich bei uns 457 Absolventen für das Fachabi und Abitur angemeldet, an den staatlichen Gymnasien des Landkreises waren es 311.“

Die zahlreichen Berufsschüler schrieb Häckl dem breiten Spektrum an angebotenen Bereichen zu. So erfreuten sich die neuesten Ausbildungen „Abi & Auto“ und Lagerlogistik großer Beliebtheit. Auch die aktuell 150 zu beschulenden Flüchtlinge seien ein Faktor, genauso wie Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag, deren Zahl mit 100 zuletzt wieder merklich angestiegen sei. Kollege Selbach hob für den Bereich FOS/BOS das seit diesem Schuljahr um Spanisch und Italienisch erweiterte Fremd­sprachenangebot hervor sowie die Einrichtung eines Vorkurses für die BOS. Der allgemeinen Entwicklung folgend rechnet er damit, dass der Trend auch in Landsberg vom „drei- zum vierblättrigen Kleeblatt“ gehe. Und damit künftig vier statt der aktuell drei Ausbildungsrichtungen angeboten werden.

Doch der große Zulauf sprengt zunehmend die Kapazitäten, drückende Platznot ist die Folge. Schon jetzt wird der Unterricht von zwei, künftig von drei Klassen in Räumen des IKG bestritten. Schulleiter Bauer hat als Notlösung bereits ein „Schichtmodell“ ins Auge gefasst, mit dem die einen Schüler vor-, die anderen nachmittags beschult werden könnten. Auslagerungen ins Heilig-Geist-Spital bleiben ebenfalls ein Thema.

Auch die Lagerräume und der Verwaltungstrakt mit Lehrerzimmer platzten aus allen Nähten, klagt Bauer. „Das Lehrerzimmer wurde damals auf 45 Leute ausgelegt, heute sind es 120.“

Nicht mehr zeitgemäß

Überhaupt hätte die Entwicklung seit der Erbauung zu veränderten Anforderungen an eine Schule geführt, dem einzelne Gebäudeteile heutzutage nicht mehr gerecht würden. Eine „Herzensangelegenheit“ sei beispielsweise die Errichtung einer Mensa. Früher hätten Kiosk und behelfsmäßiger Verkaufsstand noch ausgereicht, doch man habe mittlerweile eben nicht nur mehr Schüler im Haus, sondern diese auch den ganzen Tag lang.

Einen ähnlichen Ton schlug Studiendirektor Wolfgang Mann an. Über die Jahre sei ein „ganzheitliches Lernen“ mit anderen Raumanforderungen in den Vordergrund gerückt, auch das Berufsleben habe merkliche Veränderungen vollzogen. Er verdeutlichte die „Geschichte, die hier jeder Raum hat“: Einige Zimmer wurden in der Vergangenheit mehrfach umgenutzt, mitunter verbunden mit Einschränkungen, die sich auf die pädagogische Qualität des Unterrichts auswirkten. Auch die Wege der Schüler kreuz und quer durch das Schulhaus hätten sich deutlich erhöht.

Mängel an der Substanz

Dass die in die Jahre gekommenen Teile des Areals auch energetisch und sicherheitstechnisch eine lange Mängelliste aufweisen, beleuchtete Wolfgang Mayer vom kreiseigenen Hochbau des Landratsamts. Durch die Gebäude zögen sich in den Gängen Fensterreihen und Schächte, die im Brandfall zum Problem würden. „Der Rauch schlägt durch in Bereiche, die eigentlich sicher sein sollten.“ Die verbauten Holzdecken seien ebenfalls problematisch. Direkt unter den Decken sei ein Großteil der Elektrokabel verlegt, die an anderer Stelle wieder flächenhaft freiliegen. Auch energetisch stellte er ein „sehr schlechtes“ Zeugnis aus. Das läge zum einen daran, dass Stahlträger teils von der Außenwand durch die Fenster und durch mehrere Räume hinweg ragten. Und auch die Beleuchtung sei veraltet.

Landrat Thomas Eichinger pflichtete bei: „Ich gehe hier seit 1996 durch, immer regnet es irgendwo rein. Das war von Anfang an ein bisschen Murks.“ Wie diesem „Murks“ nun beizukommen ist, wird den Landkreis in den kommenden Jahren beschäftigen. Denn für die Sanierung der veralteten Gebäudeteile, die in etwa die Größe des Ammersee-Gymnasiums messen, steht bereits eine vorsichtige Kostenannäherung von 20 Millionen Euro im Raum. Dieses Volumen kann zwar über mehrere Jahre gestreckt werden, die Abwicklung der anstehenden Aufgaben „macht aber eigentlich nur in einem Zug Sinn“, schloss Schulleiter Bauer ab.

Rasso Schorer

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