Ein "Leuchtturm der Sanierung"

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Gleich dürfen sie rein: Bürgermeister Leonhard Stork und die Vorsitzende des Fördervereins Rochlhaus Gabriele Klinger öffnen die Türen des sanierten Denkmals.

Thaining – Gerade noch rechtzeitig: Kurz vor dem feierlichen Durchschneiden des roten Bandes am vergangenen Sonntag hatte Kirchenmalerin Beate Brettschneider noch die Hausnummer 81 an das Rochlhaus in Thaining angebracht. Jetzt erstrahlt es innen und außen im neuen, alten Glanz.

Die Sanierung des ältesten Profangebäudes des Dorfes ist abgeschlossen. Die größere Hälfte des Hauses mit der Nummer 81 soll der Gemeinde und den Vereinen die Möglichkeiten zu Versammlungen und Veranstaltungen bieten. Die kleinere Haushälfte mit der Nummer 81 zeigt, wie die Menschen dort früher lebten: Eine Stube, eine Küche und ein Stall, alles liebevoll vom Heimatverein Thaining eingerichtet. Man kann dort auch im barocken Himmelbett übernachten: Die Vorsitzende des Heimatvereins Gertrude Töpfer verlangt 100 Euro, Butterbreze und Kaffee inbegriffen. An den Wänden sind verschiedene Friese restauriert worden, die die einzelnen Bauperioden zeigen. Im Stall steht eine Holzkuh, persönliche Spende von Landrat Thomas Eichinger. 

Die Kuh wollte man ihm zu Ehren eigentlich Thomasina nennen. Jetzt heißt sie Elsa. „Selten sieht man eine so hohe Konzentration von Politikern und Vorsitzenden an einem Ort wie heute“, eröffnete Eichinger seine Ansprache. „Aber hier haben wir ja auch einen Leuchtturm der Sanierung.“ Passend zum Tag des offenen Denkmals zeige sich am Rochlhaus die Bedeutung alter Handwerkstechniken, denn „wir müssen die Leistungen vergangener Generationen sichtbar machen.“ 

Neben Landrat und Thainings Bürgermeister Leonhard Stork gaben sich unter anderem Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Goppel und Susanne Regehr vom Orstkuratorium München der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Ehre. Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat Markus Söder sandte ein Grußwort. „Das sollte eigentlich hier irgendwo an der Wand hängen“, sagt Stork. Aber in der Hektik habe man das wohl nicht mehr geschafft. Stork erinnerte an die Geschichte der Sanierung: Nach der Ersteigerung des Hofes durch die Gemeinde Thaining ließ man eine erste Sanierungsplanung durch den Architekten Dr. Klaus Pils machen: „Die war aber mit einer Million Euro doch etwas zu teuer“, gibt Stork zu. 

Deshalb hieß es abspecken. Fast per Zufall fand man einen neuen Architekten, Alfred Sunder-Plassmann aus Greifenberg: „Ich hatte das Nachbarhaus saniert, und als dieses einen Preis erhielt, kamen Herr Stork und ich ins Gespräch“, berichtet der Architekt. Danach bewarb sich Sunder-Plassmann für den Auftrag. Dessen Konzept war dann mit 610000 Euro deutlich günstiger. Selbst Goppel hatte ein Einsehen: „Zeitweise habe ich ja gesagt, reißt es ab. Aber jetzt freue ich mich, dass die anderen durchgehalten haben.“ In Zukunft gelte es, den Etat für Zuschüsse dieser Art zu erhöhen. Die Ausgaben insgesamt beziffert Stork mit 760000 Euro. 

Unterstützung kam von vielen Seiten, so vom Heimatverein Thaining, vom Förderverein Rochlhaus und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Jetzt gebe es nur noch eine Deckungslücke von 200000 Euro – die sogleich mit einer weiteren Spende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Höhe von 30000 Euro verringert wurde. Bemerkenswert sei die „vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligter“ gewesen, betont Stork.

Sehen konnte man das an der Spende, für die alle beteiligten Handwerksbetriebe gesammelt hatten und mit der man sich auch für die pünktliche Bezahlung bedanken wolle. Nun endlich ist „das ungeliebte Baudenkmal zum Schmuckstück geworden“, sagte abschließend Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem. Die Bedeutung solcher alter Objekte lasse sich am besten mit den Worten des Schriftstellers André Malraux ausdrücken: „Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.“

Susanne Greiner

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