Polizist auf Abwegen

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Vor Gericht sieht’s dann ganz anders aus…

Eching/Landsberg – Wegen einer Trunkenheitsfahrt, die ihn unter anderem in Schlagenlinien über die A96 führte , muss ein 44-jähriger Polizist 3500 Euro Geldstrafe zahlen und ist für ein Jahr seinen Führerschein los.

Am Ende der Beweisaufnahme, die sich über zwei Verhandlungstage erstreckte, hatte Strafrichterin Simone Zwiener keinen Zweifel daran, dass sich die Vor­fälle so zugetragen hatten wie von zwei Zeugen geschildert.

Bei dem Fortsetzungstermin am gestrigen Dienstag wurde ein Kfz-Sachverständiger am Amtsgericht Lands­berg gehört, der das Auto des Angeklagten am Tag nach den Ereignissen im März begutachtet hatte. Der Oldtimer, ein Opel Kadett Baujahr 1973, habe nicht schneller als 85 Stundenkilometer fahren können, erklärte der Sachverständige. Dies habe er bei einer längeren Probefahrt gemeinsam mit dem Angeklagten festgestellt. Manipuliert worden war an dem Fahrzeug seiner Ansicht nach nicht.

Was damit bewiesen werden sollte, blieb unklar – bei der fraglichen Fahrt auf der A96 war der Angeklagte nicht durch zu hohes, sondern durch zu niedriges Tempo aufgefallen. Teilweise sei er mit 40 Stundenkilometern quer über die beiden Fahrspuren und den Standstreifen gefahren, hatte eine 33-Jährige ausgesagt. Sie hatte gemeinsam mit ihrem 51-jährigen Lebensgefährten den Kadett bemerkt und die Polizei alarmiert.

Ein Mitschnitt des Notrufs wurde vor Gericht abgespielt. Darin schildert die Zeugin minutenlang, wie die riskante Fahrt des Kadett über die A96 und weiter nach Eching führte, wobei der Angeklagte einmal fast einen Unfall mit einem nachfolgenden Fahrzeug verursachte und einmal um ein Haar im Graben landete. Als er seine Verfolger bemerkte, hielt er an und wollte die vermeintlichen Kollegen offenbar bitten, ein Auge zuzudrücken und ihn weiterfahren zu lassen. Der 51-Jährige versuchte in dieser Situa­tion, den Schlüssel des Angeklagten abzuziehen, doch dieser gab Gas, obwohl der Zeuge noch den Arm im Fahrzeug hatte.

Diese Handlung sei ganz klar eine Nötigung, so Richterin Zwiener. Die Trunkenheitsfahrt sah sie durch die Zeugenaussagen als erwiesen an, obwohl kein Alkoholtest vorgenommen worden war – der Angeklagte hatte sich am Ende der Fahrt in die Büsche geschlagen und war bis zum nächsten Tag für die Polizei nicht auffindbar. Und auch dann lehnte er einen freiwilligen Alkoholtest ab. „Wer hat Grund, sich so zu verhalten, wenn er sich keiner Schuld bewusst ist?“, so Zwiener.

Mit dem Urteil – 70 Tagessätze à 50 Euro – ging sie über die von Staatsanwältin Weidemann geforderten 80 Tagessätze à 37 Euro hinaus. Der Führerschein des 44-Jährigen, den er bereits seit zwei Monaten los ist, bleibt für ein weiteres Jahr eingezogen. Verteidiger Sascha Schnarr, der für Freispruch plädierte, hatte vor allem auf Widersprüche in den Zeugenaussagen abgestellt und darauf verwiesen, dass ein Freund und die Lebensgeährtin des Angeklagten kurz vor und nach der fraglichen Fahrt keine Anzeichen für Trunkenheit an ihm bemerkt haben wollten.

Ulrike Osman

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