Schokopraline mit Zukunft

Äußerlich unterscheiden sich die Schüler der Montessori Schule Kaufering nicht von Teenagern ihres Alters. Aber etwas ist anders: Sie treten selbstbewusster, und selbstverständlicher, auch überlegter auf. Während die Jugendlichen von ihren Abschlussarbeiten berichteten, die sie im 9. Schuljahr erarbeitet haben, halten sie Augenkontakt und sind ihrem Gegenüber zugewandt. Sie zupfen nicht an den Haaren oder kichern unsicher, sondern wirken so, als wüssten sie genau, wer sie sind und wohin sie wollen.

„Ich weiß, dass ich etwas mit Schokolade machen will. Nicht in einer Fabrik, sondern in einer Confiserie in einer der großen Städte der Welt. Ich wurde in meinem Wunsch durch mein Praktikum in einer Landsberger Schokolaterie und die Zusammenarbeit mit meinem Mentor noch bestärkt“, sagt Anna Jung. Anna ist 14 Jahre alt, zart und schmal. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrer Abschlussarbeit erzählt. Letzte Woche hat Anna wie ihre 13 Mitschüler der 9. Klasse ihr Projekt „Das Herstellen von Pralinen nach eigenen Rezepten im Motto der vier Jahreszeiten“ vorgestellt. Jeder der Jugendlichen erarbeitet ein anderes Thema. Das ist so gewollt. „Wir durften frei wählen. Nach eigenem Interesse, aber auch nach bestehenden Berufswünschen“, erklärt Emanuel Wiese (16), der erst im letzten Jahr auf die Montessori-Schule Kaufering wechselte. Für ihn liegt der Unterschied zur Regelschule darin: „Die Situation in der Klasse ist eine andere. Ich weiß, dass ich Kritik nicht nur äußern darf, es ist sogar gewünscht, dass ich mich einbringe. Meine Individualität ist kein Hindernis, sondern eine Bereicherung“. Ende der 8. Klasse erhalten die Schüler die Aufgabe, sich ein Thema zu suchen. Zu Schuljahresbeginn haben sie bereits konkrete Vorstellungen und finalisieren in rund sechs Monaten ihr Projekt. Neben dem Austausch mit dem Mentor prä- sentieren sie einmal wöchentlich ihre Fortschritte. „Die Monte-Arbeit, wie sie von uns genannt wird, hilft mir sicher für später“, sagt Anna Schmaus, 14 Jahre alt. Sie hat Oberteile mit Applikationen entworfen und das Thema „Entwerfen, nähen und gestalten einer eigenen T-Shirt-Kollektion“ ausgesucht. Anna möchte Grafikdesignerin werden. „Natürlich war es für mich hilfreich zu lernen, wie ich an ein solches Projekt herangehe. Ich habe viel über Struktur und Prozesse gelernt. Wichtiger aber war zu spüren, dass ich, wenn ich durchhalte, auch erfolgreich bin. Und letztlich etwas schaffe, das einzigartig ist.“ "Ich weiß, was ich kann" Einzigartig sind auch die Objekte von Verena Fuchs. Ihr Projekt heißt: „Künstlerisch-floristische Objekte aus Weide.“ „Ich habe an dieser Schule gelernt, frei zu reden. Ich kann mich gut selbst einschätzen und weiß, was ich kann“, sagt sie. Wer sich die Arbeiten ansieht, versteht, dass die Schüler stolz sind auf das, was sie geschafft haben. Eine Antwort auf die Frage – „Wo siehst du dich in 20 Jahren?“ – erinnert daran, wie jung die Mädchen und Jungen trotz ihrer offensichtlichen Reife sind: „Familie wäre cool. Da bin ich ja schon richtig alt, mit 36.“

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