"Scholle"-Maler wieder am See

Nach 100 Jahren sind sämtliche Maler der Künstlervereinigung „Scholle“ mit ihren Meisterwerken am Ammersee zurück. Das BVS Bildungszentrum Holzhausen hat aus Anlass seines 60-jährigen Bestehens die einmalige Ausstellung in seinem Haus initiiert. Sie verdient Superlative: Erstmals sind Werke aller zwölf Mitglieder der Künstlergemeinschaft „Scholle“ in einer Exposition zu sehen, wobei die Hälfte der 36 Bilder aus Privatbesitz stammt.

In der 1899 gegründeten „Scholle“ hatten sich nachfolgende Absolventen der Münchner Kunstakademie zu einer Ausstellungsgemein- schaft ohne Manifest zusammengeschlossen: Gustav Bechler (1870 -1959), Reinhold Max Eichler (1872 -1947), die Brüder Fritz (1868-1940) und Erich Erler (1870-1946), Max Feldbauer (1869-1948), Walter Georgi (1871-1924), Adolf Höfer (1869-1917), Adolf Münzer (1870-1953), Walter Püttner (1872-1953), Leo Putz (1869-1940), Fanz Wilhelm Voigt (1867-1949) und Robert Weise (1870-1923). Die Vorliebe für die Kunststadt München, den ländlichen Ammersee und natürlich für die Freiluftmalerei verband sie. Und so wurde ihre Künstlerkolonie Holzhausen bevorzugter Treffpunkt zum Malen und zum Feiern – bis zur Auflösung der Gruppe 1911. „Es wurde sehr ernsthaft gearbeitet. Mit großen Leinwänden, auf Klapprahmen zogen wir vor die Natur und kamen oft erst spät abends heim, verschwitzt, müde, von Mücken zerstochen“, schrieb Erich Erler in seinen Erinnerungen. Drei „Scholle“-Mitglieder wählten Holzhausen zum lebenslangen Wohnsitz. Bauern bei ihrem mühsamen Tagwerk, üppige Sträuße aus Blumen wie sie in Bauerngärten blühen, daneben blaue Keramikkaffeetassen, und wunderschöne Frauen, Stadtfrauen, in langen Sommerkleidern und -hüten am Bach, im Wald, durch Wiesen spazierend – das waren bevorzugte Motive. Wer da an Kitsch denkt, liegt falsch. Die Bilder, großformatig ebenso wie klein, fast intim wirkend, sind Zeitzeugen fast unbeschwerter Jahre vor dem Ersten großen Krieg im vergangenen Jahrhundert. Letzte große Exposition Wenn Hartfrid Neunzert, der die Ausstellung konzipiert und organisiert hat, sagt: „Es ist meine letzte große Exposition“, so entspricht das nicht ganz der Wahrheit. Kunsthistoriker sind sich einig, dass es die Krönung der Ausstellungstätigkeit des langjährigen Leiters des Neuen Stadtmuseum Landsberg ist. Er hat sich wissenschaftlich mit der Künstlervereinigung „Scholle“ auseinander gesetzt. Seine daraus resultierenden Kontakte zu Sammlern in aller Welt ermöglichte jetzt die Ausstellung in Holzhausen. Neben privaten Leihgebern stellten die Ute-Michaels-Stiftung München, Siegfried Unterberger aus Meran und das Neue Stadtmuseum Landsberg die Werke zur Verfügung. Die Ausstellung im BVS Bildungszentrum Holzhausen ist noch bis zum 20. September zu sehen. Es gibt keinen Schließtag. Montag bis Freitag ist von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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