Schule oder Hotel?

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Allein mit der Präsentation dieser „Silhouette mit Konturen des Hotels“ (rechts) auf dem Schlossberg erregten die Architekten und Planer Krause Bohne im Juli dieses Jahres für Aufsehen.

Landsberg – Wird aus der Mittelschule auf dem Schlossberg künftig eine große Grundschule oder ein Luxushotel? Wer diese Entscheidung treffen will, muss zunächst alle Fakten ermitteln. Aber schon das Vorgehen ist strittig: Wie und in welcher Reihenfolge sollen die Optionen geprüft werden? Nur in einem waren sich die Mitglieder des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Stadtrats in ihrer letzten Sitzung einig: Der Vorschlag der Verwaltung, die auf Hotels spezialisierten Architekten und Planer Krause Bohne für 46.000 Euro netto mit einer dreistufigen Vorstudie unter Einschluss einer „architektonischen Konzeption“ zu beauftragen, war nicht akzeptabel.

Es gab eine Grund- und eine Spezialfrage, die in der Sitzung debattiert wurde. Die Spezialfrage war schnell geklärt: Wäre der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, das fünfseitige Angebot von Krause Bohne anzunehmen, dann hätte er der Stadt vergaberechtliche und urheberrechtliche Probleme beschert. Denn Architekten, die nicht nur Grundlagen ermitteln, sondern wie angeboten auch eine „Vorentwurfsplanung mit Grundrissen und Fassaden“ vornehmen, sind weitgehend davor geschützt, dass anschließend jemand anderes ihre Ideen verwirklicht.

Die 46.000 Euro wären daher eine preiswerte Eintrittskarte von Krause Bohne zur Realisierung des Schlosshotels gewesen. Was möglicherweise Absicht war, denn die Architekten hatten zuvor erklärt, an einem Wettbewerb nicht teilnehmen zu wollen.

Freilich gibt es eine Menge Sympathien für den Vorschlag der CSU-Fraktion, auf dem Schlossberg ein Hotel zu errichten. Daher lehnte der Ausschuss den Antrag der Verwaltung nicht ab, sondern delegierte ihn an den Stadtrat hoch – eingeschränkt durch den Hinweis, dass nach der Erarbeitung der städtebaulichen Konzeption durch Krause Bohne Schluss sein müsse. Ob die Planer aus dem rheinischen Eschweiler da noch mitmachen, darf allerdings bezweifelt werden.

Vergabe in Erbpacht

Beobachter der Sitzung stellten sich noch eine zweite Frage: Da beschäftigt die Stadt viele Mitarbeiter, die sich mit Planungswettbewerben sowie Vergabe- und Urheberrecht auskennen – wieso musste erst Christoph Jell (UBV) in der Ausschusssitzung auf die Problematik der Auftragserteilung hinweisen?

Dennoch hatte die Beratung etwas Gutes, denn sie führte zu der Grundsatzfrage, wie und in welcher Reihenfolge die Optionen für den Schlossberg geprüft werden sollen. Dabei spielen viele Parameter eine Rolle. Wer ein Hotel will, muss bereit sein, den Schlossberg aus der Hand zu geben, jedenfalls auf Erbpacht-Basis. Christian Hettmer (CSU) erklärte in der Sitzung, seine Fraktion habe das durchdacht und sei dazu bereit. Andere Fraktionen sind da noch keineswegs entschieden. Außerdem: Parallel wird gerade von den Investoren der Pflugfabrik die Realisierbarkeit eines Hotels am Mutterturm geprüft. Sollte man diese Prüfungen nicht koordinieren?

Schließlich: Inzwischen ist durch das „Planwerk“-Gutachten bekannt, dass Landsberg neue Klassenräume für Grundschüler braucht (der KREISBOTE berichtete); das Institut hält dazu den Schlossberg für geeignet. Aber ist er das wirklich? Bei der Entscheidung, die Mittelschule vom Osten in den Westen zu verlegen, spielte ja nicht nur der abrissbedürftige Anbau eine Rolle – auch für die Sanierung des Hauptgebäudes in Sachen Brandschutz und Fluchtwege wurden horrende Summen genannt. Da die Anforderungen nicht speziell für Mittelschüler gelten, könnte die „Grundschule Schlossberg“ viel zu teuer sein. Außerdem gibt es Probleme mit den Schulsprengeln; viele Grundschüler hätten dann einen sehr weiten und komplizierten Schulweg.

Gleichberechtigt

Mehrere Mitglieder des Ausschusses, vor allem Jost Handtrack (Grüne), forderten daher, die Schulprüfung gleichzeitig und gleichberechtigt mit der Hotelprüfung vorzunehmen. Vor der erneuten Behandlung des Punktes im Stadtrat solle die Verwaltung dazu Vorschläge erarbeiten. Das wurde zwar nicht beschlossen, aber zugesagt. Inzwischen hat Handtrack die Erstellung einer Machbarkeitsstudie „Grundschule am Schlossberg“ namens der Grünen-Fraktion schriftlich beantragt.

Der Tagesordnungspunkt „Schlossberg“ war übrigens nicht der einzige, der in der Sitzung vertagt wurde. Auch das Thema „Pensionsrückstellungen“ konnte nicht abschließend behandelt werden, weil der zuständige Mitarbeiter der Verwaltung den Sachverhalt eigenen Angaben zufolge nicht zu 100 Prozent durchdrungen hatte. Und im nichtöffentlichen Teil der Sitzung scheiterte die Beratung eines forstwirtschaftlichen Themas daran, dass zwei Seiten der vierseitigen Vorlage aus dem Ratsinformationssystem spurlos verschwunden waren. Für die Mitglieder des Finanzausschusses war der vergangene Mittwoch daher definitiv kein guter Tag.

Werner Lauff

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