Kein Abriss der Güterhalle

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Kein optisches Highlight im Schondorfer Ortsbild ist die 1898 erbaute und seit langem unbenutzte Güterhalle am Bahnhof, die aus Denkmalschutzgründen nicht abgerissen werden darf.

Schondorf – Denkmalschutz verfolgt eigentlich das Ziel, kulturhistorische Kulturdenkmäler dauerhaft zu erhalten. Sie sollen Zeugnisse der Geschichte ablegen und ein lebendiges Bild der Baukunst vergangener Tage zeigen. Soweit die Definition. Was aber trifft davon auf die Güterhalle beim Schondorfer Bahnhof zu? Der hässliche und beschmierte Klotz aus dem Jahr 1898 ist wahrlich keine Augenweide im Ortsbild. Dieser Meinung waren im Mai 2014 bereits viele Schondorfer. 769 Abstimmende eines Bürgerentscheid waren für einen Abbruch der seit langem unbenutzten Halle.

Der Antrag der Gemeinde auf Abriss der Halle wurde jetzt vom Landratsamt Landsberg abgelehnt. Im Wesentlichen begründet das Bauordnungsamt das Nein damit, dass „der Güterschuppen ein geschichtlich und künstlerisch wichtiges Denkmal darstellt.“ Außerdem ließe sich die ursprüngliche Absicht der Gemeinde, die Bahnhofstraße mit einer Busspur, mit Parkplätzen und einer Wartezone für Schüler zu überplanen und damit die Verkehrssicherheit zu verbessern, nicht verwirklichen. Es fehle nämlich die Planungshoheit der Gemeinde für dieses Bahngrundstück.

Mit Bürgerbeiteiligung

Dass jetzt Bewegung in die Angelegenheit kam, ist auf einen Vorstoß der CSU-Fraktion im Gemeinderat zurückzuführen. Zweiter Bürgermeister Martin Wagner und Fraktionsvorsitzender Thomas Betz beantragten in einem Brandbrief an Bürgermeister Alexander Herrmann, über zwei Jahre nach dem Votum „endlich die Umsetzung des Bürgerentscheids voranzutreiben.“ Der Abbruch der Güterhalle würde einen echten Gewinn für das Gebiet darstellen: „Es fehlen z. B. Dauerparkplätze in direkter Bahnhofsnähe für Behinderte oder auch erhöhte Einstiegsmöglichkeiten in Busse für Senioren.“ Für weitere Ideen schlug die CSU-Fraktion vor, das Schondorfer Bürgerbeteiligungsprogramm zu nutzen.

Die ablehnende Antwort des Landratsamtes kam rechtzeitig vor der letzten Gemeinderatssitzung mit der Frage, ob der Bebauungsplan „Ortsmitte“ ein weiteres Mal geändert werden solle. Bürgermeister Herrmann betonte in Bezug auf den Bürgerentscheid, dass sich mit dem Votum nicht so einfach die Güterhalle abreißen lasse. Man könne damit lediglich die Behörden um einen Abbruch ersuchen, wenn dies eine signifikante Verbesserung der Verkehrssituation bringe. Da aber die Güterhalle auf Bahngrund stehe, habe die Gemeinde hier keine Planungshoheit.

CSU-Gemeinderat Rainer Jünger wollte die Ablehnung des Landratsamtes nicht so ohne weiteres hinnehmen und stellte im Gremium den Antrag einer Klage-Prüfung. Außerdem beantragte er, zur nächsten Gemeinderatssitzung eine Auswahl von Planern vorzulegen, die man mit der Optimierung der Verkehrssituation in der Bahnhofstraße beauftragen könnte.

So bleibt die Halle zunächst wohl im Verzeichnis der Baudenkmäler des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege unter Nr. D-1-81-139-19: „Bahnhofstraße 45 … Güterschuppen, erdgeschossiger Satteldachbau, Massivbau, 1898“.

Dieter Roettig

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