"Schubser" mit dem Frontlader

Seit Jahren schon tobt ein Familienstreit zwischen einem Landwirts-Ehepaar aus dem nördlichen Landkreis und den Geschwistern der Frau. Im Dezember eskalierte die Auseinandersetzung. Der Landwirt und sein Schwager begegneten sich vor einer Maschinenhalle, gerieten erneut aneinander. Wutentbrannt stieg der Bauer daraufhin auf seinen Traktor, fuhr auf den Schwager zu und rammte ihn mit der Frontladerschaufel am Oberschenkel. Anschließend beschädigte er noch einen Mäh­drescher. In der vergangenen Woche stand der 41-Jährige vor dem Schöffengericht.

Seit dem Tag seiner Hochzeit gebe es mit der Familie seiner Frau nichts als Schwierigkeiten, berichtete der Angeklagte. Hintergrund sei, dass die 40-Jährige von ihrem Vater ein Grund­- stück bekommen habe und die Geschwister leer ausgingen. „Sie schikanieren uns und machen uns nur Probleme“, so der Landwirt. Es habe nächtliche Anrufe, Beleidigungen und Verleumdungen gegeben. „Nicht mal, als unser Sohn viel zu früh auf die Welt kam, haben sie Ruhe gegeben.“ Im Mittelpunkt des Streits steht offenbar eine Maschinenhalle, die dem Ehepaar gehört, in der aber ein Mähdrescher der Brüder geparkt ist – eine problematische Konstellation, über die derzeit noch in einem Zivilprozess gestritten wird. Ein schriftlicher Pachtvertrag war Ende November 2011 abgelaufen. Prompt fuhr der Landwirt am 1. Dezember zur Halle, um zu überprüfen, ob der Mähdrescher entfernt worden war. Doch der war noch da – und auch der Schwager tauchte auf. „Ich wollte schauen, dass am Mähdrescher nichts beschädigt wird“, gab der 38-Jährige an. Außerdem habe seine Schwester mündlich zugesagt, dass das Fahrzeug auch weiterhin in der Halle stehen dürfe. Was dann geschah, schilderten der Geschädigte und diverse Zeugen als blanke Aggression. „Mit Schwung“ sei der Angeklagte auf ihn zugefahren und habe ihn mit der Traktorschaufel am Bein getroffen, so der 38-Jährige. „Ich habe mich zur Seite geworfen.“ Er trug einen Bluterguss davon. In der Halle versuchte der Landwirt, mit der Traktorschaufel einen Schwader aufzuheben und beschädigte dabei den Mähdrescher – ob absichtlich oder nicht, das ließ sich im Nachhinein nicht klären. Jedenfalls entstand ein Sachschaden von rund 6000 Euro. „Ich habe mich geärgert“, gab der Angeklagte zu. Der Schwager sei „provozierend vor der Schaufel gestanden“ und habe gelacht. „Aber ich bin maximal Schrittgeschwindigkeit gefahren.“ Staatsanwältin Früchtl bescheinigte dem Angeklagten eine niedrige Hemmschwelle und „zerstörerische Wut“. „Mit einem Traktor kann man einen Menschen überrollen. Es war reines Glück, dass so wenig passiert ist.“ Sie forderte eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren – ohne Bewährung, sowie zwei Jahre Führerscheinentzug, da neben Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung auch ein gefährlicher Eingriff in den Straßen­-. verkehr vorliege. Verteidigerin Alexandra Gutmeyr beurteilte die Vorfälle naturgemäß ganz anders und war empört darüber, dass hauptsächlich Zeugen aus dem gegnerischen Lager gehört worden waren – die Geschwister des Geschädigten, eine Bekannte und ein Nachbar, die den Vorfall beobachtet hatten. „Keine dieser Aussagen kann man ohne Einschränkung glauben.“ Ein Traktor sei kein Porsche, mit dem man schnell beschleunigen könne. Der Landwirt habe seinen Schwager lediglich „angeschubst, mehr nicht“. Mit einer Geldstrafe sei die Tat aus­reichend geahndet. "Die feiern eine Party" Dass die Staatsanwältin ihn hinter Gittern sehen wollte, entsetzte den Angeklagten. „Das ist es ja, was die wollen. Die feiern dann eine Party“, sagte er in seinem Schlusswort über die Familie seiner Frau. „Mein Leben wäre zerstört und das von meiner Frau und meinem Kind auch.“ So schlimm kam es nicht. Der Landwirt wurde wegen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 1200 Euro an die Johanniter Unfallhilfe zahlen. Seinen Führerschein darf der 40-Jährige behalten, weil der Vorfall sich nicht im öffentlichen Straßenverkehr, sondern auf Privatgrund abgespielte. Eine gewisse Wiederholungsgefahr, von der die Staatsanwältin gesprochen hatte, sah das Gericht offenbar auch. „Der Familienstreit ist ja nicht beendet“, so der Vorsitzende Richter Matthias Neumann. Die Haftandrohung sei notwendig, um weitere Vorfälle zu verhindern.

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