Mit Chinesisch zum 1,0-Abitur

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Da strahlen die drei Besten der 91 Abiturienten des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums. Von links: Emily Hank (1,0), Julius Michel (1,1) und Marina Schamberger (1,0).

St. Ottilien – Sollten beim Töpfermarkt in Dießen wieder mal Chinesen teilnehmen und Dolmetscher fehlen, das Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien kann helfen! Hier wird die zweitwichtigste Weltsprache erfolgreich gelehrt. Zwei der Absolventen des Jahres 2016 schafften damit sogar das Abitur mit den Traumnoten 1,0 (Marina Schamberger) bzw. 1,1 (Julius Michel). Das und noch mehr Erfreuliches gab es zu berichten bei der feierlichen Überreichung der Abschlusszeugnisse für den sechsten Abiturjahrgang des achtjährigen Gymnasiums im überfüllten Festsaal.

Vorausgegangen waren der Gottesdienst in der Klosterkirche mit Erzabt Wolfgang Öxler und ein von den Schülern organisierter Sektempfang für Eltern und Lehrer auf dem Kirchplatz. Oberstudiendirektor Michael Häußinger begrüßte neben dem Lehrerkollegium die Abiturientinnen und Abiturienten, die sich dem Anlass entsprechend mit Abendkleid und dunklem Anzug fein herausgeputzt hatten. Mit Stolz vernahmen die Eltern, dass von den 91 erfolgreichen Absolventen im Notendurchschnitt 43 Prozent eine Eins und 44 Prozent eine Zwei vor dem Komma haben.

„Im Mittelpunkt unserer Erziehung steht der Mensch als geliebtes Geschöpf und in seiner Würde unantastbares Ebenbild Gottes“, betonte der Schulleiter. „Aus dieser biblisch begründeten Sicht des Menschen resultiert unser Verständnis von Bildung und Erziehung als Dienst am jungen Menschen mit dem Ziel, die ihm von Gott geschenkten Begabungen und individuellen Anlagen zur Entfaltung zu bringen und ihn zu befähigen, an der Gestaltung der Welt in Freiheit und Verantwortung mitzuwirken.“

Besonders erfreut zeigt sich Häußinger, dass er 62 Schülerinnen und Schülern aus dem Abschlussjahrgang ein sogenanntes B-Zeugnis überreichen konnte, eine Beilage zum offiziellen Abiturzeugnis für außerschulisches Engagement. „Diesem B-Zeugnis wird bei späteren Bewerbungen oft mehr Beachtung geschenkt als den Noten“, erklärte Häußinger. Denn hier zeige sich, dass man sich neben dem schulischen Pflichtprogramm auch gesellschaftlich oder sozial engagiere. In St. Ottilien waren dies freiwillige Tätigkeiten als Schulsanitäter, als Redakteure für die Schülerzeitung, als Mitwirkende in Chören und Orchestern, als Tutoren oder Mediatoren, als Schülersprecher oder Mitglieder des Schülersenats. „Allen Unkenrufen zum Trotz haben Sie damit bewiesen, dass so etwas auch im Rahmen des achtjährigen Gymnasiums möglich ist, ja vielleicht mehr denn je als Ausgleich zur innerschulischen Anstrengung notwendig ist“, lobte Häußinger.

Christiane Drexler als Vorsitzende des Elternbeirates verglich die Schüler mit einem Fußballteam bei der EM, wo jeder für sich, aber trotzdem im Team kämpft. Die Lehrer seien die Trainer, der Schulleiter der Präsident und die Eltern die Fans. „Und heute gibt es statt einem Pokal das Abiturzeugnis!“ schloss Drexler unter dem Beifall der „Fans“. Lisa Fischer und Dennis Fischer brachten in ihrer Abiturrede einen humorvollen Rückblick auf „acht Jahre Leben als Klosterschüler im Zölibat“ und erzählten von Erlebnissen und Streichen bei Klassenfahrten. „98,20 Prozent von uns haben das Abitur bestanden – dank Eltern, Lehrern und Wikipedia“ schlossen sie.

Pater Prior Dr. Timotheus Bosch sagte in seinem Grußwort „Ite, missa est“, auf Deutsch „Gehet hin, ihr seid gesendet. Tragt Euer erlerntes Wissen hinaus in die Welt!“ Die Absolventen von St. Ottilien, einem der besten Gymnasien Bayern, können sicher sein, diesbezüglich gefragt und begehrt zu sein. Ihnen eilt ein hervorragender Ruf voraus, was auch die diversen Stipendien beweisen. Gewählte Abiturfächer wie Astrophysik oder Chinesisch geben zur Hoffnung Anlass, dass auch aus diesem Abiturjahrgang Großes werden kann. So sangen denn die Schüler selbstbewusst in ihrem Abschlusslied zum Finale der Abiturfeier: „Die Elite ist am Ziel, aufrecht, weise, stabil. Klosterschüler im Zölibat – Lehrer, da habt ihr den Salat!“

Viele der Absolventen von St. Ottilien bleiben ihrer Schule ein Leben lang freundschaftlich und dankbar verbunden. Dafür sogt die „Confoederatio Ottiliensis“, die Vereinigung der „Ehemaligen“. Hier wurden und werden Netzwerke gesponnen und Weichen für berufliche Karrieren gestellt. Den diesjährigen „Tu-Was-Preis“ der Ehemaligen für besonderes Engagement wurde von Stefanie Merlin an die Abiturienten Sabrina Küspert, Sandra Sondermeier, Paul Klausing und Maximilian Rind verliehen.

Dieter Roettig

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