Schützenswerte Zeugen der Geschichte

Bild der Zerstörung: Als der Lech im Jahr 1910 über die Ufer trat, standen große Teile Landsbergs – darunter auch der Roßmarkt (Foto) – komplett unter Wasser. Foto: Stadtarchiv

Der diesjährige August war der regenreichste in Deutschland seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Auch am Lech sorgten die großen Niederschlagsmengen für hohe Pegelstände, über die Ufer trat der Fluss diesmal aber nicht. Anders vor 100 Jahren: Damals traf das Hochwasser Landsberg mit voller Wucht. Am Sonntag zeigt eine Ausstellung mit Fotos aus dem Stadtarchiv die verheerenden Folgen des Jahrhunderthochwassers. Es ist die Landsberger Auftaktveranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“, der in diesem Jahr unter dem Thema „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ steht.

Es waren sintflutartige Regenfälle und eine große Menge Schmelzwasser, die am 15. Juni 1910 zur schlimmsten Hochwasserkatastrophe in der jüngeren Geschichte der Lechstadt führten. Der wilde Fluss riss Flöße, Stege und Baumstämme mit sich, beschädigte Gebäude und Brücken und durchbrach am 7. Juli schließlich sogar das Lechwehr. Dass der Lech damit zum Thema beim Tag des offenen Denkmals wird, bei dem Bürgern eigentlich Zutritt zu sonst verschlossenen historischen Gebäuden gewährt wird, habe mit der wichtigen Rolle zu tun, die der Fluss in der Geschichte Landsbergs spielt, erklärt Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker. So führte die Salzstraße von Reichenhall über Landsberg und den Lech an den Bodensee. Flößer nutzten den Fluss zudem lange Zeit als Transportweg. Mit der Rolle der Lechstadt als Handelszentrum beschäftigen sich auch die anderen Führungen, die Fees-Buchecker sich gemeinsam mit seiner Amtskollegin Elke Kiefer seit der Bekanntgabe des bundesweiten Themas im März überlegt hat. Im historischen Rathaus etwa schildert der Stadtheimatpfleger die Geschichte des Gebäudes, das einst als Brothaus diente, ehe es als kurfürstliches Salzamt zum Zentrum des Salzhandels wurde. Die Führung führt dabei auch in den sonst nicht zugänglichen Keller, in dem Handelsgewölbe und eine ehemalige Arrestzelle von der früheren Nutzung zeugen. Mit dem Salzumschlag beschäftigt sich Gästeführerin Mechthild Huber, die Interessierten einen spannenden Einblick in den Lechstadel (die heutige Stadtbücherei) und den heute als Wohngebäude genutzten Salzstadel ermöglicht. Auch in anderen Gemeinden im Landkreis stehen den Bürgern am Sonntag verschiedenste alte Bauwerke zur Besichtigung offen. Fees-Buchecker hofft auf eine ähnliche Resonanz wie im vergangenen Jahr, als sich pro Führung rund 50 Teilnehmer drängten: „Mir ist der Tag ein großes Anliegen, denn nur was man kennt ist man auch bereit, zu schützen.“ Alle Termine zum „Tag des offenen Denkmals“ auf Seite 8.

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