Ausdauernd trotz Handicap

Einarmige Höchstleistung

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Zeigen Ausdauer – beim Schwimmen genauso wie beim Radeln: Tobias Kettner (links) und Markus Mayer.

Denklingen – Es erfüllt ihn mit Stolz, dass er beim Meilen-Marathon im Schongauer Hallenbad „Plantsch“ – die zurückgelegten Bahnen innerhalb eines Jahres werden gewertet – den 3. Platz belegt hat: Die Rede ist von Markus Mayer aus Denklingen, der nur den linken Arm einsetzen kann, nachdem bei ihm nach einem schweren Unfall seit zehn Jahren die rechte Hand gelähmt ist. Großen Anteil an diesem sportlichen Erfolg hat sein Freund Tobias Kettner, ebenfalls aus Denklingen. Sie stacheln sich gegenseitig an.

Kettner und Mayer fahren seit Sommer 2011 fast jede Woche einmal zum Schwimmen in das Schongauer Hallen- bzw. Freibad. Meistens ist dies am Donnerstagabend der Fall. Abends um halb sieben Uhr gehen sie ins Wasser. Und kommen die nächsten eineinhalb Stunden nicht mehr aus dem Becken heraus. Denn sie haben die Leistung in den vergangenen Jahren zunehmend gesteigert und bringen es an einem Abend auf 1,5 bis zwei Kilometer. Das sind immerhin 60 bis 80 Bahnen im 25-Meter-Becken. Nur selten gibt es eine kurze Pause im Wasser.

Von Oktober 2014 bis September 2015 schwamm Tobias Kettner 87,5 Kilometer. Markus Mayer brachte es auf 60,25 Kilometer. Das reichte für Platz 2 und 3 beim „Schongauer Meilenmarathon“ – so hat Plantsch-Chef Andreas Kosian den Wettbewerb genannt. Die zurückgelegten Bahnen werden – auf der Basis der Ehrlichkeit – beim Schwimmmeister gemeldet.

Ehrgeiziges Ziel

Der 29-jährige Markus Mayer ist davon überzeugt, dass er sogar mehr geschafft hätte, wenn er heuer im Frühjahr nicht über mehrere Wochen „Probleme mit der linken Schulter“ gehabt hätte. Ambitioniert geht er nun den neuen Meilenmarathon an, der nach der Bad-Revision im Oktober begann und sich bis in den September kommenden Jahres erstreckt. Tobias Kettner (36) und Markus Mayer nehmen das ehrgeizige Ziel von 100 Kilometern ins Visier. Schwimmen macht hungrig. Daher kehren die Zwei nachher meistens noch ein – zu einer guten Brotzeit oder zu einem saftigen Steak.

Während Tobias im Wasser zwischen Brust und Rücken wechselt, schwimmt Markus nur Brust. Dass die rechte Hand wegen des seit dem Unfall beeinträchtigen Nervs (Plexus brachialis) gelähmt ist, gleicht er im Wasser mit dem linken Fuß aus. Der intensive Sport ist für ihn eine Prävention. „Mir tut mein Rücken nimmer weh“, bekundet der junge Mann aus Denklingen. Außerdem sei das Wohlbefinden besser.

Zum Gardasee

Die zweite Sportart, der Markus ebenso wie sein Freund frönt, ist das Radeln. Er hat ein Gefährt, das umgebaut worden ist; Gangschaltung und Bremsen befinden sich auf der linken Seite. Das Lenken geht mit der linken Hand. Heuer fuhren Markus und Tobias im Sommer von Denklingen bis zum Gardasee, letztes Jahr an den Königssee.

Nicht nur das Hobby verbindet die Beiden. Auch der Arbeitgeber. Markus Mayer ist bei Hirschvogel technischer Zeichner – dort hat er nach dem schweren Unfall eine Lehre begonnen. Tobias Kettner ist ebenfalls bei Hirschvogel beschäftigt – in der IT-Abteilung. Auch seine Freundin Manuela arbeitet in dem Unternehmen. Sie kommt manchmal mit ins Freizeitbad Plantsch – ohne sich am Meilenmarathon zu beteiligen.

Engagiert sind die beiden jungen Männer in den Vereinen. Markus ist seit drei Jahren Vorstand des Schützenvereins. Tobias Kettner ist Jugendwart bei der Feuerwehr und im Landkreis Landsberg Kreisbrandmeister für den Fachbereich EDV. Und wer glaubt, dass Markus wegen seiner körperlichen Beeinträchtigung nicht bei der Feuerwehr hilft, sieht sich eines Besseren belehrt. Der 29-Jährige unterstützt Tobias in der Jugendarbeit. Auch zu Einsätzen rückt er immer wieder mit aus. Da finden ihn die Kameraden und Einsatzkräfte als routinierten Funker im Fahrzeug vor.

Johannes Jais

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