Nixen und Feuergeister am Ammersee

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Die Feuergeister lauschen dem Disput von Brennroth, dem Beherrscher des Feuergeisterreiches (Holger Schmidt-Lutz, links) und Folletterl, seinem Kobold-Sohn (Ruben Hagspiel, rechts). Szene aus Nestroys „Der Kobold“ von der Seebühne Utting.

Utting – Nach der Uraufführung von Nestroys Zauberposse 1838 in Wien war die Kritik nicht gerade schmeichelhaft: „Was aber noch befremdener, nahmentlich bey einem Talente wie Nestroy ist, ist die Humorlosigkeit dieses Productes, der Mangel an Witz und satyrischen Blitzen, und die regellose Unverbundenheit der Scenen, die Beyseitesetzung aller Effectökonomie.“ Der Kritiker war vor der Aufführung wohl zulange beim Heurigen oder er war schlicht überfordert bei soviel Spaß. 178 Jahre später wird das Stück immer noch gespielt und bejubelt. Wie jetzt bei der Premiere auf der Uttinger Seebühne, wo sich das Publikum köstlich amüsierte und Inszenierung und Ensemble mit nicht enden wollendem Beifall bedachte.

Regisseur Florian Münzer hat es geschafft, aus der ironischen Posse ein kurzweiliges Stück mit einem Feuerwerk an Pointen zu schmieden, bei dem seine Schauspieler so richtig aufblühen konnten. Allen voran Karl Wilhelm als einfältiger „Parapluiemacher“ Staberl, der stets für die größten Lacher sorgte.

Der Kobold geht um

Herausragend auch Dany Mayland als Wassernixenkönigin Undine und Holger Schmidt-Lutz als Brennroth, der Beherrscher des Feuergeisterreiches. Ihnen zur Seite gestellt wurden professionelle Schauspieler wie Ruben Hagspiel („Tatwort“-Improvisationstheater) als überwitziger Titelheld Kobold Folletterl und Claudia Mabell (Tegernseer Volkstheater oder „Der Kaiser von Schexing“ im TV) als Thekla, das Kind von Undine. Mabell überzeugt nicht nur mit ihrem mimikreichen Spiel, sie brilliert auch mit grandiosen Gesangseinlagen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Zwischen Feuer (Brennroth) und Wasser (Undine) herrscht ein unversöhnlicher Streit. Brennroth will Undines Tochter entführen, die bei der Wirtshauspächterin aufwächst. Thekla hat nämlich das heiratsfähige Alter erreicht und könnte in Liebe zu einem unterirdischen Dämonen entflammen. Dann wäre sie aus Sicht der Wasserkönigin für immer verloren. Hintergrund ist, dass Thekla – halb Fee, halb Mensch – einen richtigen Mann heiraten soll, um die Sterblichkeit zu erlangen. Brennroth will die geplante Hochzeit verhindern und schickt seinen Sohn, den Kobold Folletterl, auf die Erde, um das Herz von Thekla zu erobern.

Klar, dass das schief geht, denn Undine verwandelt den einfältigen Staberl mit einem Zaubertrank in Thekla. Mehr wird nicht verraten. Nur soviel, dass Karl Wilhelm im Dirndl mit Zöpferl­perücke für nicht enden wollende Lacher im Publikum sorgt.

Lachen, Amüsieren, Nachdenken und Staunen können die Seebühne-Besucher zwei unterhaltsame Stunden lang. „Aaahs“ und „Ooohs“ gibt es, wenn Undine und ihre Wassernixen weit in den Ammersee hinaus schwimmen und Brenn­roth mit Feuerfackeln in den See steigt. Oder wenn die Feuergeister plötzlich wimmernd aus dem Bühnenboden auftauchen. Die von Christel Gebhardt entworfenen Kostüme kommen hier im Abendhimmel optimal zur Geltung. Florian Münzer hat das Stück, das Nestroy nach einem Ballett von Jules Perrot geschrieben hat, so kurzweilig inszeniert, dass die Aufführung in der traumhaften Naturkulisse des Sees wie im Flug vorüber geht.

Beim Premierenumtrunk dankte Florian Münzer den über 30 Schauspielern und Komparsen für ihren Einsatz und die schwierige Probenzeit, die durch manchen Regenschauer immer wieder unterbrochen werden musste. Münzer vergaß auch nicht die Musiker Michael Bauer, Birgit Otter, Jeanette Höfer und Bernhard Porsche, die oft mit klammen Fingern im „Orchestergraben“ auf ihren Einsatz gewartet haben. Nicht vergessen wurden die 25 Mitarbeiter hinter den Kulissen, vom Bühnenaufbau über die Requisiten bis hin zur punktgenauen Beleuchtung. Gedankt wurde auch der Gemeinde Utting sowie den Firmen und Institutionen, die mit Zuschüssen, Spenden oder Sachleistungen zum Gelingen beigetragen haben.

Bis zum 6. August wird „Der Kobold“ täglich außer montags um 20 Uhr aufgeführt. Das Freilichttheater im Summerpark befindet sich gleich beim Dampfersteg und ist vom Bahnhof her in fünf Minuten zu erreichen. Ausführliche Informationen findet man im Internet unter www.seebuehne-utting.de.

Dieter Roettig

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