Segelflugverein Geratshof:

Am Anfang war die "Bier-Idee"

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Der „Traum vom Fliegen“ wird beim Segelflugverein Geratshof zwischen Ellighofen und Unterdießen seit nunmehr 20 Jahren wahr – ganz lautlos.

Landsberg/Ellighofen – Mit einer Schnaps- oder besser mit einer „Bier-Idee“ fing alles an: „Mensch, wir könnten doch uns einen eigenen Segelflugplatz vor den Toren Landsbergs bauen“, kam vor gut 20 Jahren in einer abendlichen Diskussion zwischen einer Handvoll Segelfliegern rund um Sepp Holzapfel auf.

Sie alle flogen zum damaligen Zeitpunkt noch in der Sportfluggruppe am Fliegerhorst in Penzing. Dort war der Nachteil, dass Segelfliegen wegen des militärischen Betriebes unter der Woche nicht möglich und die Integration von Familie und Freunden in das Hobby auf Grund der Sicherheitsmaßnahmen auf dem Gelände schwierig und mit Aufwand verbunden war.

Die Grundidee war also geboren – nun stand die Frage im Raum, wo sich ein solches Segelfluggelände verwirklichen ließe. „Du bist doch Landwirt und hast jede Menge Äcker...“, bekam Sepp Holzapfel zu hören. Der Zündfunke war gesetzt und Holzapfel begann sich tatsächlich genauer zu überlegen, welche seiner Fluren man für einen Segelflugplatz zusammenlegen könnte. Da waren viele Details zu berücksichtigten: Welche Ausrichtung müsste so ein Gelände haben, damit es zu den gängigen Windrichtungen in der Region passt? Stehen zukünftigen Starts und Landungen eventuelle Hindernisse im Wege? Wo findet sich eine Kom­bination von Äckern, die die für Segelflugwindenstarts nötige Platzlänge von einem Kilometer ergibt und ausreichend Abstand von Ortschaften hat? Südlich der Kontrollzone des Flugplatzes Penzing sollte es auf jeden Fall liegen, damit ein Hauptziel der Segelflieger, nämlich viel und weit in den Alpen zu fliegen, ungehindert und leicht möglich wäre.

Viel Klärungsbedarf

All diese Anforderungen erfüllte ein Bereich zwischen Ellighofen und Unterdießen nord­- östlich des Geratshofes – aus der „Bieridee“ wurde 1991 ein konkretes Vorhaben. Lagepläne mussten angefertigt, Anträge gestellt, Genehmigungen eingeholt, Absprachen mit Penzing getroffen und Fragen und Bedenken der Anwohner der Stadt Landsberg und der Gemeinde Unterdießen beantwortet und geklärt werden.

Schnell war auch klar, dass sich ein Plan dieser Größenordnung nur umsetzen und auf Dauer realisieren lassen würde, wenn dafür ein neuer Segelflugverein gegründet würde, der die Sportstätte mit Leben füllen und betreiben würde. Am 23. April 1993 war es dann so weit: nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit fand mit Erteilung der luftrechtlichen Ge­neh­migung durch das Luftamt Süd der erste Start am neuen Segelfluggelände Geratshof statt und der Landsberger Segelflugverein Geratshof wurde von zehn enthusiastischen Individualisten gegründet – seit 20 Jahren mit Sepp Holzapfel als kreativem Vorsitzenden.

Seither hat sich der Club kontinuierlich entwickelt und ist auf über 70 Mitglieder angewachsen, davon sind ein Drittel Jugendliche, da man segelfliegen bereits mit 14 Jahren beginnen kann. 20 Segelflugzeuge, ein Motorsegler und eine Schleppwinde sind am Flugplatz stationiert, 1995 wurde die Flug­- zeug­halle und 1999 das Vereinsblockhaus jeweils in Eigenleistung gebaut, so dass allen Segelflugbegeisterten eine hervorragende Infrastruktur für das lautlose Hobby über den Wolken zur Verfügung steht. Dies ist seit Jahren auch bundesweit bekannt: immer wieder kommen verschiedene Fliegerclubs aus ganz Deutschland zu Besuch an den Geratshof, um dort Gastfliegercamps auszurichten.

Spitzenleistungen

Neben der aktiven Jugendentwicklung und -arbeit ist sportliche Spitzenleistung eines der Hauptziele der Geratshofer Segelflieger: Drei Rekordsegelflüge von jeweils über 1000 Kilometer Strecke durch Günther Siebinger und Sepp Holzapfel, Platzierungen in der 1. und 2. Segelflug-bundesliga sowie die Silbermedaille bei der Team-WM durch Jens Becker sind nur einige der Erfolge, die am Geratshof gefeiert werden konnten: jedes Jahr werden von dort zwischen 50000 und 60000 Segelflugkilometer quer durch Süddeutschland, Österreich, die Schweiz und Italien geflogen – in Summe mehr als einmal um die Erde. Kein Wunder, dass man den „kleinen Verein aus Bayern“ in der Segelflugszene inzwischen gut kennt.

In der Jugendarbeit hat sich der Verein in seinem 20-jährigen Bestehen ebenfalls einen Namen gemacht: bereits zweimal fand das bayerische Landes-Luftsportjugendtreffen mit jeweils über 300 Teilnehmern am Geratshof statt, regelmäßig organisiert die Jugendgruppe Projekttage für Schulen oder steht für Aktionen im Rahmen des Ferienprogramms zur Verfügung. „Nachwuchssorgen haben wir die letzten Jahre deshalb keine, was bei einem Nischensport nicht selbstver­- ständlich ist“, freut sich Janik Eggler, Fluglehrer und Ausbildungsleiter am Geratshof.

Auch bei der Bevölkerung ist der Flugplatz vor den Toren der Stadt am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel direkt an der Via Claudia Augusta – bei schönem Wetter schauen viele Interessierte träumend den star­tenden und landenden Flugzeugen nach. Nicht wenige Besucher hatten schon mal die Gelegenheit, einen freien Platz im Doppelsitzer zu erwischen und sich ihre Heimat aus der Vogelperspektive anzuschauen. „Offen, nett und familiär“ wird das Klima am Geratshof gerne beschrieben, das Verhältnis zu den Anwohnern und der umgebenden Bevölkerung sei gut und das sei allen Clubmitgliedern sehr wichtig.

Kleine Jubiläumsfeier

Mit einer kleinen Feier möchten die Geratshofer Segelflieger ihr Jubiläum „20 Jahre Traum vom Fliegen“ am kommenden Wochenende begehen – Samstag ab Mittag und Sonntag bis zum Abend abends im Hangar am Sportfluggelände, zusammen mit allen Flugplatzinteressierten, Anwohner und Gästen. Am Sonntagvormittag findet mit Pater Thomas und dem Musikverein Unterdießen eine Feldmesse mit anschließendem Mittagessen statt. Darum herum gibt es viele Informationen über das Segelfliegen, verschiedene Segelflugoldtimer können bewundert werden und Flugbetrieb findet auch statt.

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