Städte feiern Silberhochzeit

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Die Initiatoren der Städtepartnerschaft Jost Handtrack (2. v. rechts) und Dietmar Hack (2. v. links) nach ihrer Unterschrift ins goldene Buch der Stadt. Eingerahmt werden sie von OB Mathias Neuner  und dem amtierenden Bürgermeister Waldheims Steffen Ernst.

Landsberg – Vor 25 Jahren unterzeichnete der damalige Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle den Vertrag zur Städtepartnerschaft mit Waldheim. Anlässlich dieses Jubiläums trugen sich alle sechs seither regierenden Bürgermeister beider Städte ins goldene Buch der Stadt ein. Und natürlich die beiden „Initiatoren“: Die Freundschaft zwischen Stadtrat Jost Handtrack (Grüne) und Dietmar Hack aus Waldheim war der zündende Funke.

Die beiden lernten sich bereits als Kinder kennen, bevor Handtrack mit sieben Jahren in die BRD kam. Seine Freundschaft mit Hack blieb trotz dichter Grenzen bestehen: „1985 haben wir uns zum Beispiel am Balaton in Ungarn getroffen“, erzählt Hack. „Wir haben natürlich so getan, als ob das rein zufällig gewesen wäre“, lacht Handtrack. Ihre Freundschaft habe den eisernen Vorhang überwunden. Und irgendwann sei dann „die Vision einer Städtepartnerschaft“ entstanden, erzählt Hack: „Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Landsberg, als ich Rößle im Schmalzturm getroffen habe.“ Rößle und der damalige Waldheimer Bürgermeister Karl-Heinz Teichert hätten sich dann schnell gefunden, und schon 1990 wurde der Vertrag in Waldheim unterschrieben.

Die Hilfe aus Landsberg sei schon direkt nach der Maueröffnung eingetroffen, erinnert sich der amtierende Waldheimer Bürgermeister Steffen Ernst. „Viele Handwerksbetriebe hatten damals schon gegenseitige Kontakte.“ Er selbst sei am 10. November 1989 gleich mit seinem Wartburg nach München zu Bekannten gefahren: „Wir haben für die 450 Kilometer 26 Stunden gebraucht, aber der Empfang hier in Bayern war umwerfend.“ Und seine Flitterwochen 1990 hat er dann gleich in Landsberg verbracht. Inzwischen gibt es enge Verbindungen zwischen Vereinen und auch einen sächsischen Stammtisch hier in Landsberg: „Wir begegnen uns auf Augenhöhe, und so wird es auch weitergehen.“ Im Herkomersaal trugen sich neben Handtrack und Hack auch alle seither gewählten Bürgermeister ein: Auf der Seite Waldheims waren das Teichert, Steffen Blech und Ernst. Für Landsberg unterzeichneten Rößle, Ingo Lehmann und Mathias Neuner.

Auf dem Festakt im Rathaus begrüßte Oberbürgermeister Neuner die Gäste der Partnerstadt zur „Silberhochzeit“, anlässlich der er aus der damalig unterschriebenen Urkunde vorlas: „Hiermit bekräftigen wir heute, dass unsere Städte nun für immer in Partnerschaft verbunden sein sollen, in guten wie in schlechten Zeiten“ – wie ein Eheversprechen. Zwar sei für viele die Einheit Deutschlands selbstverständlich, dennoch benötige man weiterhin solche Partnerschaften, „um fiktive Grenzen abzubauen und zu einem vereinten Europa beizutragen“. Nicht nur die Gäste aus Waldheim konnte Neuner begrüßen: Besuch kam auch aus den Partnerstädten Siofok in Ungarn und sogar aus Hudson/Ohio.

Franz Xaver Rößle erinnerte sich aufgrund der aktuellen Ereignisse – kurz zuvor hatte man von den Schüssen in München erfahren – an die Tauben, die er und sein Amtskollege Teichert vor 25 Jahren freiließen als Zeichen für den Frieden. Waldheim sei ebenso wie Landsberg eine „schöne, blühende Stadt“, die aber auch die Geschichte der DDR wiedergebe: „Die Lücken in der Stadtfassade zeugen vom Übergang zur BRD.“ Viele Hauseigentümer seien nach der Wende nicht mehr festzustellen gewesen. Deshalb habe man die Bauten wegen Baufälligkeit abgerissen.

Teichert war nach der Unterschrift des Vertrags zur Städtepartnerschaft in Waldheim 1990 nur noch kurz Bürgermeister: „Ich habe vor 25 Jahren die Schuhe des Bürgermeisters an den Nagel gehängt.“ Hatte der Referent für Städtepartnerschaften aus Landsberg Harry Reitmeier zuvor noch gesagt, die intensive Partnerschaft mit Waldheim beruhe auch auf der nicht vorhandenen Sprachbarriere, erzählte Teichert schmunzelnd genau davon: der unterschiedlichen Sprache. Als er zwei Brötchen habe kaufen wollen, habe man sein „Guten Tag“ mit „Grüß Gott“ erwidert – kein Problem, aber als Reaktion auf sein „Auf Wiedersehen“ habe die Dame hinter dem Tresen „pfiat di“ gerufen. „Was meinte sie wohl damit?“

Susanne Greiner

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