Grimms Märchen mal anders

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Hänsel und Gretel beim Anwalt. Regisseurin Franziska Dietrich (vorn) gibt letzte Anweisungen für die Schauspieler der Lechmimen.

Landsberg – Was passiert, wenn sich Märchenfiguren mit ihrer Rolle nicht mehr zufrieden geben, sondern sich gegen ihre Geschichte auflehnen? Dieses Szenario untersucht die Landsberger Seniorentheatergruppe „Die Lechmimen“ in ihrer neuesten Inszenierung: amüsant, frech und mit viel Begeisterung.

Regisseurin Franziska Dietrich steht vor der Bühne und gibt letzte Anweisungen, die Probe läuft. Auf der Bühne – heute wird im Kloster der Dominikanerinnen geprobt – treffen sich Hänsel und Gretel mit ihrer Anwältin. Das besondere: Hänsel und Gretel sind keine Kinder mehr, befinden sich im reiferen Alter und überlegen, was ihnen damals eigentlich passiert ist: Verletzung der Aufsichtspflicht, weil die Eltern im Wald nicht aufgepasst haben, oder war es gar versuchter Totschlag, weil dort ja bekanntermaßen die Hexe lebte? Doch nicht nur Hänsel und Gretel, auch andere Märchenfiguren treffen sich in der Anwaltskanzlei, so dass der überforderten Anwältin bald der Kopf schwirrt. 

Mindestalter 60 Jahre 

Seit 2005 gibt es das Seniorentheater der VHS, wie es offiziell heißt. Damals hatte Franziska Dietrich – ebenfalls bei der Landsberger Bühne aktiv– bei einer Fortbildung beim Bund deutscher Amateurtheater die Idee, mit Senioren zu arbeiten. Über eine Zeitungsannonce suchte sie Interessenten. Voraussetzung: Spaß am Theaterspielen und älter als 60 Jahre. Den rechtlichen und organisatorischen Rahmen bildete wie heute noch die Volkshochschule. 

Zehn Mitglieder umfasst die Truppe, mehr sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich, bedauert Franziska Dietrich, die alle Stücke selbst entwickelt, von der Idee bis zum fertigen Skript. Einige „Gründungsmitglieder“ sind heute noch dabei, stemmen gemeinsam eine Inszenierung pro Jahr, proben von Oktober bis zu den Aufführungen im April/Mai ein- bis zweimal pro Woche. 

Man darf nicht aufgeben 

Sieglinde Mehringer, mit 79 Jahren die Älteste des Ensembles, ist seit 2007 dabei, hat schon im „Zerbrochenen Krug“ und im „Eingebildeten Kranken“ gespielt. Im aktuellen Stück spielt sie die Anwältin. „Ich tue es gern“, erzählt die ehemalige Lehrerin, die schon früher viel Theater gespielt hat, beim Frauenbund und in Singgruppen aktiv war. „Alle sind mit Leib und Seele dabei, es ist ein nettes Team.“ Und was sie besonders wichtig findet: „Man muss sein Hirn anstrengen.“ Zwar ist sie körperlich nicht fit, wie sie bedauert, geht an Krücken, aber vom Theaterspielen lässt sie sich dadurch nicht abhalten, auch wenn es sie anstrengt. „Man muss die Zeit noch nutzen, die man hat“, betont sie: „Aufgeben, das darf man nicht“. Eine Botschaft, die sie und die anderen „Lechmimen“ durch ihr Engagement und ihr Spiel auch ihren Zuschauern vermitteln, denn neben einem öffentlichen Auftritt im Stadttheater zeigt die Truppe ihr Stück in Betreuten Wohnen und bei Seniorentreffs, außerdem vor der MS- und Schlaganfallgruppe, die sich im Kloster der Dominikanerinnen trifft. 

Im Landsberger Stadttheater führen die Lechmimen „Dornröschen und die anderen“ am Donnerstag, 24. April, um 19 Uhr auf. Der Eintritt ist frei – die Truppe würde sich dennoch über eine kleine Unterstützung freuen.

Patricia Eckstein

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