"Drohkulisse" aufgebaut

Landsberg – Nur „haarscharf“ ist der 28-Jährige dem Gefängnis entkommen, das gab Richter Alexander Kessler dem jungen Mann bei der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht Landsberg deutlich zu verstehen. Der junge Wachmann im Objektschutz soll über mehrere Monate hinweg zwei Frauen im Alter von 16 und 20 Jahren durch Drohungen zum Sex genötigt haben. Richter Alexander Kessler verurteilte den 28-Jährigen zu zwei Jahren „gerade noch mit Bewährung“ und einer Zahlung von 8000 Euro.

Die Anklageschrift war lang: Nötigung, sexuelle Nötigung in 22 Fällen sowie vorsätzliche Körperverletzung standen im Raum. Mit auf der Anklagebank saß außerdem ein 20-jähriger Bekannter des jungen Mannes. Auch er soll sich in einem Fall der Nötigung schuldig gemacht haben. Beide zeigten sich geständig vor Gericht. Das wertete Richter Kessler zu ihren Gunsten – vor allem, weil sie durch ihr vollumfängliches Geständnis bereits gegenüber der Polizei den Frauen eine Aussage vor Gericht erspart hatten.

Der 28-Jährige hatte zunächst ein „Fake-Profil“ auf Facebook angelegt und sich der Schwester seiner Freundin gegenüber als Frau ausgegeben. Über das Pseudonym hatte er die damals 16-Jährige bedroht und so über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder zu verschiedenen sexuellen Handlungen mit ihm gezwungen.

Auch mit der Freundin des 16-jährigen Mädchens hatte der Angeklagte über das soziale Netzwerk Kontakt aufgenommen. Die 20-Jährige bedrohte der junge Mann ebenfalls massiv und zwang sie so unter anderem zu sexuellen Kontakten mit ihm und ihrer Freundin. Ein weiteres Mädchen, wiederum eine Freundin der beiden, bedrohte der 28-Jährige über sein „Fake-Profil“ und brachte auch seinen 20-jährigen Bekannten dazu, dies zu tun. Auf die Frage nach seiner Motivation, antwortete der 28-Jährige vor Gericht, er habe lediglich sehen wollen, wie weit die Mädchen gehen. Dann sei ihm die Geschichte über den Kopf gewachsen. Dass er damit Straftaten begehe, sei ihm außerdem „nicht so bewusst“ gewesen.

Das wollte Richter Alexander Kessler aber nicht gelten lassen: er habe sich auf diese Art und Weise seinen „sexuellen Kick“ geholt und eine „Drohkulisse“ aufgebaut, um die Mädchen gefügig zu machen. Auch Staatsanwältin Regina Grandl sah hinter seinen Taten eine „extrem hohe kriminelle Energie“. Außerdem habe er zwar gestanden, sein Geständnis aber „verharmlost und versachlicht“. Deshalb forderte Grandl eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten zu verhängen.

Der Verteidiger des jungen Mannes, Peter Amend, indes verwies auf die „Blauäugigkeit“ der Mädchen: Damit habe sein Mandant einfach nicht gerechnet und schließlich sei die Geschichte zu einem „Selbstläufer“ geworden. Er schlug deshalb eine Strafe „nicht über zwei Jahre“ auf Bewährung vor.

Für Richter Alexander Kessler keine einfache Entscheidung: der Angeklagte habe „enormen psychischen Druck“ auf die Mädchen ausgeübt und das benutzt, um sich seine sexuelle Befriedigung zu holen. Dennoch habe er den Frauen eine intime Aussage vor Gericht erspart. So verurteilte er den 28-Jährigen zu zwei Jahren „gerade noch mit Bewährung“, machte aber gleichzeitig deutlich, dass den jungen Mann das Gefängnis erwartet, sobald er sich auch nur eine Kleinigkeit leiste.

Zusätzlich muss der 28-Jährige insgesamt 8000 Euro an Organisationen zahlen, die sich gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen einsetzen. Sein 20-jähriger Bekannter wurde zu einer Geldstrafe von 800 Euro – Staatsanwältin Grandl hatte 850 Euro gefordert – verurteilt, die ebenfalls solchen Einrichtungen zugute kommen.

Astrid Erhard

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