Unmögliches möglich machen

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Mehr als 120 Aussteller waren bei der siebten Ausbildungsmesse dabei – traditionell stark vertreten war wieder das Handwerk.

Kaufering – Ausbildungsmesse, die siebte: Die Bilder sind längst vertraut. Zwei Ausstellungshallen, ein Zelt, Aktionsflächen, auf der Wiese gegenüber geparkte Autos, so weit das Auge reicht – und eine neue Schülergeneration, die sich über Ausbildungsplätze, Berufsbilder und duale Studiengänge informiert. Unter den mehr als 120 Ausstellern waren auch neue.

Erstmals vertreten war zum Beispiel das Ärztenetzwerk Gesola. Denn nach den Worten der Vorsitzenden Dr. Helga Holzfurtner hat der Fachkräftemangel längst auch die Arztpraxen erreicht. „Wir möchten medizinisches Fachpersonal gewinnen“, so die Reichlinger Ärztin. Und das muss nicht rein weiblich sein – der Beruf des Arzthelfers oder Praxismanagers sei auch für junge Männer interessant, wie in zwei Praxen im Landkreis bereits zu sehen sei.

Traditionell stark vertreten war auch wieder das Handwerk mit den in der Kreishandwerkerschaft zusammengeschlossenen Innungen. Während die Metzger über Nachwuchsmangel klagen, ist in anderen Branchen die Stimmung gut. Von 36 neuen Azubis in diesem Jahr spricht Norbert Kees, Obermeister der Bau-Innung. „Das sind mehr als in vielen Jahren davor.“ Warum das so ist, darüber könne man nur rätseln. Aber offenbar würden viele feststellen, „dass ein Studium nicht ganz so einfach ist, wie man es sich vorstellt“.

Oft seien es die Eltern, die ihren Nachwuchs auf die akademische Schiene setzen wollen, während die jungen Leute selbst durchaus Interesse an einem Handwerksberuf hätten, hat Wolfgang Zeit festgestellt. Der Obermeister der Schreiner­innung kann die Schulabgänger, die das vorhaben, nur ermuntern. „Viele, die studieren, verdienen hinterher weniger als ein Handwerker.“ In seiner Branche sind Nachwuchskräfte mehr als willkommen und die Aussichten dementsprechend gut. „Es gibt zur Zeit keinen ausgebildeten Schreiner auf dem Markt“, so Zeit.

Betriebe, die neue Mitarbeiter wollen, haben deshalb nur eine Option: ausbilden und sich somit den Nachwuchs selbst heranziehen. Das Angebot an Lehrstellen werde so gut wahrgenommen wie lange nicht. 30 Schüler hätten letztes Jahr das Berufsgrundbildungsjahr an der Berufsschule Landsberg besucht, heuer seien es 42. Man komme mit dem Angebot an Praktikumsplätzen kaum hinterher. Zeit erklärt die Popularität des Schreinerhandwerks nicht zuletzt damit, dass es wetterunabhängig ist und mit angenehmen Materialien gearbeitet werde. Und anders als andere Handwerksberufe, spreche es auch Mädchen an.

Gute Stimmung auch bei den Schuhmachern, der mit sechs Mitgliedern kleinsten Innung im Landkreis. „Ich habe heute schon sehr interessante Gespräche geführt“, so Obermeister Johann Fuchs am Ende des ersten Messetages. Ihn freute auch das Interesse von Asylbewerbern. „Letztes Jahr sind sie noch von ihren Betreuern durch die Messe geführt worden, jetzt sind sie alleine da.“

Schirmherr der zweitägigen Veranstaltung war diesmal der 25-jährige Janis McDavid, der ohne Arme und Beine auf die Welt gekommen ist und dennoch ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führt – nach dem Motto: „Ich kann viel mehr, wenn ihr mich nicht behindert“. Fasziniert lauschten viele junge Zuhörer seinem Vortrag, der davon handelte, wie man Unmögliches möglich macht. Lange bevor die Politik das Thema Inklusion entdeckt hatte, besuchte Janis McDavid eine Regelschule. Er ging an die Uni und arbeitet heute ganz normal bei einem großen Unternehmen. Seine Behinderung ist für ihn Ansporn, über sich hinauszuwachsen. „Ich bin überzeugt, dass das Spannende im Leben hinter den Grenzen liegt.“

Nicht zuletzt gehört immer auch eine Portion Entertainment zur Ausbildungsmesse. Diesmal gab es entsprechend dem Schwerpunkt-Thema „Gesundheit und Fitness“ Zumba- und andere Vorführungen auf der Außenbühne. Denn der Messe-Besuch soll nicht nur informieren, sondern auch Spaß machen – „damit die jungen Leute noch mehr Lust aufs Bewerbungen schreiben bekommen“, so Markus Wasserle vom Organisationsteam.

Ulrike Osman

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