Es sind nur zwölf Menschenleben

Das „Ensemble für alte Musik Landsberg“ umrahmte die Präsentation der Festschrift „850 Jahre Landsberg am Lech“ mit passenden historischen Klängen. Fotos: Osman

Landsberg im Jahr 2862: Längst ist die Stadt nach München eingemeindet und mit der Metropolregion verschmolzen. Von der Geschichte der Lechstadt zeugen gerade noch die Fassade des ehemaligen Rathauses, die Stadtpfarrkirche und das kleine St. Benedikt in Sandau. Ansonsten wird das Landsberg des Jahres 2012 für die Menschen der Zukunft genauso eine fremde Welt darstellen, wie für uns heute das „Landespurch“ des Jahres 1162. Dieses ungewöhnliche Gedankenspiel stellte Geschichtsprofessor Ferdinand Kramer bei der Vorstellung der Festschrift „850 Jahre Landsberg am Lech“ an.

Kramer trat am Sonntag als Festredner im Historischen Rathaussaal auf und nutzte seinen „Blick zurück in die Zukunft“ dazu, weite Bögen von der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft zu schlagen. „850 Jahre klingt nach einem sehr langen Zeitraum, aber es sind eigentlich nur zwölf Menschen­- leben“, verdeutlichte Kramer. Und bei allen Unterschieden gebe es doch auch Parallelen zwischen Landsbergs Bedeutung im Mittelalter und seiner gegenwärtigen Rolle. Die zentrale Lage der Stadt zwischen Augsburg und München brachte ihr damals wie heute Standortvorteile. 1162, im Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung Landsbergs, war es die Salzstraße, die der Stadt Wohlstand brachte. Auch wurde sie zum administrativen Zentrum des Umlands und wuchs um das Jahr 1500 gar zur fünftgrößten Stadt Bayerns an. Heute leben im Umkreis einer Autostunde um die Lechstadt zwei Millionen Menschen, „das ist eine Riesen­- chance für die Zukunft“, so Prof. Kramer. Vielfältige, teils weit zurückreichende Verbindungen vernetzen nach seinen Worten Landsberg mit der ganzen Welt und können heute wieder ein Gewinn für die Stadt werden. Über die Identität Landsbergs und seine Zukunftschancen sinnierte denn auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann. „Wir müssen uns mehr mit Kultur beschäftigen“, forderte er. Das kulturelle Angebot der Stadt sei ein wesentlicher Faktor, denn es trage zum Wohlfühlen, zur Lebensqualität und damit auch zu Landsbergs Erfolg als Wirtschaftsstandort bei. Die eigentliche Präsentation der Jubiläumsfestschrift, die gleichzeitig die 110. Ausgabe der Landsberger Geschichtsblätter ist, übernahm 3. Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller als Vorsitzende des Historischen Vereins. Die Festschrift umfasst 23 Beiträge über ganz verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte, unter anderem aus den Bereichen Architektur, Kunst und Sozialgeschichte, und reicht vom Gründungsjahr 1162 bis in die Gegenwart. Zu den Autoren der Festschrift gehören unter anderem der ehemalige Landsberger Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle, Kreisheimatpflegerin Heide Weißhaar-Kiem, der ehemalige Leiter der Städtischen Museen Hartfrid Neunzert und Stadtbaumeisterin Annegret Michler.

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