Speed-Dating für die Filmbranche

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Fünf Minuten, die vielleicht zu einer neuen Rolle führen können: Beim Speedcasting im Sitzungssaal des Rathauses trafen Schauspieler auf Besetzungschefs, Regisseure, Produzenten und TV-Redakteure.

Landsberg – Während das Snowdance-Festival auf vollen Touren läuft und Publikum und Filmschaffende das Filmprogramm zwischen Kino und Stadttheater genießen, herrscht im historischen Rathaus eine Atmosphäre zwischen Nervosität und Vorfreude. Hier warten 70 Schauspielerinnen und Schauspieler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf ihre Gespräche beim sogenannten „Speedcasting“.

Bereits im letzten Jahr hatte das Schauspieler-Magazin „cast mag“ ein Speedcasting im Umfeld des Snowdance-Festivals abgehalten, insgesamt gibt es die Veranstaltung seit fünf Jahren. Diesmal als Veranstalter mit dabei war die Casting-Plattform „Castforward“. „Es hat eher was mit Speeddating zu tun“, erklärt cast mag-Chef Thomas Bauer, „es geht darum, dass sich Leute begegnen, die dies normalerweise nur schwer tun können.“

Die „Leute“, das sind 20 Casting-Direktoren, Regisseure, Produzenten und Redakteure auf der einen Seite und Schauspieler sowie Schauspielschüler auf der anderen Seite. Sie sitzen sich direkt gegenüber und haben fünf Minuten Zeit, sich kennenzulernen. Dann ertönt die Hupe und es wird weitergerückt.

„Die Hauptsache dabei ist, viele Kontakte zu knüpfen“, meint Andreas Lademann von Castforward. „Wenn dann Interesse besteht, kann ein Termin vereinbart werden, um das Gespräch zu vertiefen.“ Im letzten Jahr hätten einige Schauspieler auf diese Weise eine Rolle bekommen. „Es gibt Besetzer hier, die konkret für ein bestimmtes Projekt neue Gesichter suchen“, betont Lademann.

„Schauspieler haben einen großen Bedarf, gesehen zu werden, nicht nur über die Produktionen, die sie bereits gemacht haben“, so Thomas Bauer. „Während der fünf Minuten hier haben sie nicht nur Gelegenheit zu erzählen, was sie bereits gemacht haben, sondern vor allem, was sie machen möchten, was ihnen auf der Seele brennt.“ Denn die Gefahr bestehe darin, dass Schauspieler oft auf eine bereits bestehende Rolle festgelegt würden und in immer gleichen Rollen besetzt würden – einmal Chirurg, immer Chirurg.

Über 400 Bewerbungen

Mehr als 400 professionelle Schauspieler und Schauspielerinnen hatten sich um einen Platz beim Speedcasting mit einem Video zum Thema „Was mich begeistert“ beworben, eingeladen wurden 70 im Alter von 17 bis 81 Jahren. Darunter auch Meriha, die am Tag des Castings ihren 26. Geburtstag feierte. Sie hatte ihren ersten Dreh mit 15 Jahren, während Schule und Ausbildung filmte sie immer wieder. Sie erhofft sich vom Speedcasting interessante Gespräche. „Mir gefällt die Idee, dass hier die Grenze Schauspieler-Regisseur und Produzent aufgebrochen wird und man sich für ein Gespräch normal begegnen kann“. Aufgeregt ist sie trotzdem.

Doch auch für die Gesprächspartner auf der „anderen“ Seite ist der Tag anstrengend: am Ende des siebenstündigen Gesprächsmarathons werden sie insgesamt mehr als 550 Begegnungen gehabt haben. Wem diese Gespräche nicht reichten, konnte einer Einladung Heiner Lauterbachs folgen, der den Kandidaten noch Begegnungen im Pirata-Zelt in Aussicht stellte: „Wir möchten ein kommunikatives Festival“.

Patricia Eckstein

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