Carl Orff im jugendlichen Alter

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Rotraud Freytag vom Carl Orff Museum in Dießen ist eine Kennerin des Orff’schen Werks, des Schulwerks und der Persönlichkeit des großen Komponisten, Musikpädagogen und Theatermanns.

Dießen – Mit der Sonderausstellung „Carl Orff im Jahre 1914“ zeigt das Carl Orff Museum in Dießen den jungen Komponisten von einer selten dargestellten Seite: Im jugendlichen Alter von 19 Jahren – als der Beginn des Ersten Weltkriegs die Welt veränderte. Notenschriften, Zitate, Ereignisse und Fotografien skizzieren ein ereignisreiches Jahr im Leben des jungen Künstlers. Die Ausstellung eröffnete Ute Hermann vom Vorstand der Carl Orff-Stiftung am Sonntag im Museum an der Hofmark 3.

Bis zum Jahresende bereichert die kleine feine Schau den regulären Museumsbetrieb des weltweit einzigen Museums für Carl Orff (1895 – 1982). Fünf Notenständer sind die Informationsträger für Archivalien und Fotos, die den jungen Carl Orff ein Jahr lang begleiten. Die Inhalte hat Claudia Zwenzner vom Orff Zentrum München erarbeitet und zur Wanderausstellung gefügt, die bisher im Haupt- und Staatsarchiv München sowie im Orff Zentrum an der Kaulbachstraße in München zu sehen war, und die jetzt in Dießen, dem späteren Lebensmittelpunkt von Carl Orff, Station macht. 

Zu den Inhalten erklärt Claudia Zwenzner, dass Carl Orff im Jahr 1914 entscheidende Entwicklungen und Erfahrungen erlebt und durchlebt hat: „Anfang Juni 1914 besucht Carl Orff in München eine Aufführung der ‚Elektra‘ von Richard Strauss (1864 – 1949) unter der Leitung des Komponisten, die ihn, Orff, ungemein fasziniert und aufwühlt, aber auch erschüttert und irritiert. Nur einen Tag später weigert sich der Dirigent Eberhard Schwickerath (1856 – 1940), die Probenarbeit zu Orffs erstem Orchesterwerk ‚Tanzende Faune‘ fort- zusetzen. Sie seien ‚unreif und unspielbar‘ erklärt der konservative Akademie-Professor.“ Vier Wochen nach diesen zwei einschneidenden Erlebnissen beendet Orff sein Studium an der Münchner Akademie der Tonkünste. Dann bricht der Erste Weltkrieg aus. 

An dieser Stelle zeige die Ausstellung einen jungen Mann, der seinen Weg noch nicht kenne, aber eines wisse: „Ich will komponieren.“ Auf der Suche nach seinem eigenen Stil, gerate er nicht nur durch den Kriegsausbruch in eine Krise. Als er dann 1917 an der Ostfront gleich beim ersten Einsatz schwer verletzt und traumatisiert wird, „ist er völlig aus der Bahn geworfen. Seinen Stil hat er erst 1930/31 gefunden“, weist Rotraut Freytag vom Museums-Team auf weitere Eckdaten der Sonderschau hin. 

Bis 21. Dezember 

Die Ausstellung öffnet dem Betrachter ein Bild des 19-jährigen Orff mit einer Momentaufnahme des Jahres 1914. Übrigens ist das Titelfoto zur Ausstellung 1914 aufgenommen worden. Der Fotograf ist unbekannt, aber er hat die künstlerische Feinheit des jungen Man- nes erfasst und fotografisch interessant dargestellt. Das Carl Orff Museum ist bis einschließlich Sonntag, 21. Dezember, immer an den Wochenenden und Feiertagen, von 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Extra Termine sind nach Vereinbarung (Tel. 08807/91981) möglich. Danach sind den Januar über Winterferien.

Beate Bentele

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