Neues Zuhause für alte Bilder

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Sonia Fischer (zweite von rechts) zeigt den Statdräten im neuen Museumsdepot wie die Gemälde aufbewahrt werden.

Landsberg – Dringend musste ein neues Museumsdepot her, nun steht es. Seinen Platz gefunden hat es in der ehemaligen Lechrainkaserne. Jüngst besichtigte der Stadtrat mit Museumsleiterin Sonia Fischer die neue Einrichtung. Dort heißt es noch auspacken, inventarisieren, einräumen.

An der Notwendigkeit für ein Museumsdepot gab es keinen Zweifel: bisher waren die Ausstellungsstücke der städtischen Museen, die gerade nicht gebraucht wurden, auf mehrere Gebäude im gesamten Stadtgebiet verteilt. Außerdem mussten sie zum Teil zu eng gelagert werden, was zu Beschädigungen führte. Klimatische Schwankungen, beispielsweise im Speicher des Stadtmuseums oder im Herkomer-Museum, führten zu Schädlingsbefall. „Aus Platzmangel mussten im Stadtmuseum sogar Flächen abgetrennt werden, um dahinter große Gegenstände zu lagern“, berichtet Sonia Fischer. So hatte man schließlich einen schlechten Überblick über den Bestand.

Gezählt und gemessen

Die Stadt suchte ein Gebäude, das ausreichend Platz und eine gute Bausubstanz bot und nicht zu viele Umbaumaßnahmen verlangte. In nur zwei Tagen hat man alles, was sich in den verschiedenen Lagerflächen befand, gezählt und abgemessen, um den nötigen Platz zu berechnen. Die Wahl fiel schließlich auf ein ehemaliges Mannschaftsgebäude der Lechrainkaserne. Dafür sprachen der Zuschnitt, die gute Gebäudesubstanz sowie die hohe Traglast. Ausschlaggebend, so Fischer, war ein großer Raum im zweiten Stock, der sich ideal für die Gemäldeschubanlage anbot.

Um den Umbau kostengünstig zu gestalten, wollten die Verantwortlichen möglichst viel des alten Gebäudes erhalten. So wurden lediglich einige Türen verbreitert und fast alle Fenster zugemauert. Das Gebäude sollte maximal ausgenutzt und die energetischen Kosten minimal gehalten werden. Daher beauftragte die Stadt das Fraunhofer-Institut, das das Klima in den Räumlichkeiten simulierte und so die optimale Dämmung bestimmen konnte. Das Gebäude erhielt danach eine 14 Zentimeter dicke Aufdämmung und einen mineralischen Außenputz. Dies dient zur Herstellung eines trägen Raumklimas, das optimal für die gelagerten Exponate ist.

Das fertige Gebäude teilen sich nun drei Parteien: im Erdgeschoss befinden sich Gebäudeservice, Arbeitsbereich und Quarantänestation. Darin werden befallene Kunstwerke aufbewahrt. Erst wenn der Befall entfernt ist, werden sie eingelagert. Der erste Stock dient als Archiv-, der Zweite als Museumsdepot. Allein das Einpacken der mehreren tausend Museumsobjekte für den Transport in ihr neues Heim dauerte ein halbes Jahr. Ein Teil davon wurde zunächst restauriert und anschließend ins Depot verbracht. Der logistische Teil des Umzugs ist abgeschlossen und Vieles schon eingeräumt, berichtet Fischer. „Dennoch wird es noch viel Zeit kosten, die restlichen Gegenstände auszupacken und einzuräumen.“

Den größten Bestand und somit das Herzstück des Depots, bilden die Gemälde, erzählt die Museumsleiterin. Sie haben ihren Platz in der Gemäldeschubanlage gefunden. Deren Gitterwände können auf 600 Quadratmetern Fläche mit Gemälden behängt werden.

Nicht nur stapeln

Die meisten Räume sind nach Materialgruppen aufgeteilt: in einem werden die Möbel gelagert, in einem anderen die Grafiken. Diese werden nun locker, und nicht wie vorher gestapelt, in neuen Grafikschränken aufbewahrt. Die wertvollen Textilien hat eine Textilrestauratorin sorgfältig in speziellen säurefreien Kartons eingelagert. „Bei kleineren Sammlungen macht es jedoch Sinn, sie thematisch gesammelt aufzubewahren“, erklärt Fischer. So auch die Exponate der Herkomer-Sammlung. Wichtig sei nun die langfristige Pflege des Depots, um die vielen Exponate zu erhalten.

Ricarda Seitz

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