An die Sonne glauben

Auf insgesamt 17 Hektar möchte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler auf Kauferinger Flur Freiflächen-Photovoltaik installieren, um unter anderem das Minus des Biomasseheizkraftwerkes abdecken zu können. Foto: Privat

Dem Solarpark „Am Höschläcker“ ist es zu verdanken, dass das Defizit des Biomasseheizkraftwerkes in diesem Jahr abgefangen wird. Rund 200000 Euro Plus macht die 2010 in Betrieb genommene Anlage mit ihren 3,1 Megawatt Stromleistung im Jahr. Grund genug für Bürgermeister Dr. Klaus Bühler über Investitionen in weitere Photovoltaikanlagen nachzudenken. Im Gemeinderat indes stieß sein Ansinnen aber auf wenig Begeisterung.

„Die Sonne schickt uns keine Rechnung“, zitierte Bühler eingangs der jüngsten gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Bauausschuss den Journalisten Franz Alt und versuchte vor allem die finanziellen Vorteile eines weiteren Solarparks hervorzuheben: „250000 Euro mehr im Jahr täten der Marktgemeinde schon gut.“ Pläne, wie etwa die Aufstockung des Seniorenstifts um eine Etage, könnten so leichter realisiert werden, sagte Bühler. Das Flachdach der Alteneinrichtung ist marode und muss ohnehin saniert werden. Bühler schwebt vor, bei dieser Gelegenheit gleich um eine ganze Etage aufzustocken, um dort eine Demenzabteilung und ein Hospiz unterzubringen. „100000 Euro würden über den Pflegesatz finanziert werden, aber die fehlenden 50000 könnten wir aus der Sonne erwirtschaften.“ Doch ganz so unumstritten sind Freiflächen-Photovoltaik­an­lagen inzwischen nicht mehr. Seit Beginn des Jahres gibt es beispielsweise keine staatliche Förderung mehr für diese Anlagen, wenn sie auf Ackerflächen errichtet werden. Die zunehmende Knappheit geeigneter landwirtschaftlicher Flächen für die Lebens- und Futtermittelproduktion hat der Förderung den Riegel vorgeschoben. Einzige Ausnahme: Freiflächenanlagen in einem 100-Meter-Korridor entlang von Bundesauto­- bahnen oder Schienenstrecken. Diese Ausnahmeregelung will Bühler nun nutzen und schlug daher zum einen zwei Anlagen südlich (4,5 Hektar) und nördlich (7,5 Hektar) der Bahnlinie München-Lindau am Schwiftinger Weg sowie zum anderen an der Bahnlinie Kaufering-Landsberg (5 Hektar) vor. Mit beiden Anlagen, die eine Gesamtleistung von 8,5 Megawatt bringen würden, könnte die Marktgemeinde trotz gekürzter Ein­- speisevergütung jährlich noch rund 250000 Euro erwirtschaften. „Das ist immer noch ein Geschäft mit tiefschwarzen Zahlen und ökologisch sinnvoll. Es wäre ungeschickt, das nicht zu tun“, so Bühler. Das sahen einige Mitglieder des Gremiums anders: Alex Glaser (GAL) war der Ansicht, dass man „beste Ackerflächen“ wie am Schwiftinger Weg nicht belegen dürfe und „stattdessen die Bürger dazu bringen sollte, auf ihren Dächern Photovoltaikanlagen zu errichten.“ Seine Fraktionskollegin Gabriele Triebel schlug vor, nach Alternativen zu suchen und beispielsweise die Fläche zwischen B17neu und Bahnlinie in Richtung Hurlach zu nutzen. Sie regte deshalb an, in Verhandlungen mit der Gemeinde Hurlach zu treten. Beste Böden Deutlich zu Wort meldete sich auch Robert Widmann (CSU), selbst Landwirt von Beruf: „Ich bin generell gegen diese Anlage. Wir bauen Photovoltaikanlagen und stopfen damit unser Biomasseheizkraftwerk.“ Es sei vom Gesetzgeber eine bewusste Entscheidung gewesen, keine Anlagen mehr auf Ackerflächen zu fördern. „Hier werden beste Böden versiegelt, um Energie zu erzeugen.“ Unterstützung erhielt Widmann von Gabriele Hunger (CSU), die vorschlug, auf das Dach der neuen Bücherei eine PV-Anlage zu errichten. „Warum nimmt man Landwirten die Flächen weg, die sie zur Herstellung von Nahrungsmitteln brauchen?“ Irgendwo nehme man immer irgendwem Flächen weg, meinte hingegen Hans Koch (SPD). „Man muss die Aussage des Naturschutzbundes abwarten und wenn von den Eigentümern ein positives Signal kommt, dann sehe ich hier keine große Problematik.“ Verständnis für den Landwirt Widmann gab es zwar auch von Norbert Sepp (UBV), allerdings, „gibt es auch höherwertige Interessen, wo der Einzelne zurückstehen muss.“ Und weiter: „Wenn Landwirte am Höschläcker beteiligt sind, dann kann das so schlecht nicht sein.“ Bühler selbst bedauerte die Ansichten seiner Kollegen: „Ich frage mich allmählich: Alle wollen Umweltschutz, CO²-Einsparung, aber bitte nicht bei uns. Entweder glauben wir an die Sonne oder nicht.“

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