Endlich angekommen

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Sie sind gut angekommen und können nun endlich Deutsch lernen (von rechts) Mohammad, Ali, Obayd, Charles und Khalid mit den SOS-Mitarbeitern Ulrich Albrich, Christa Schöpflin und Silvia Stein.

Dießen – Angesichts des Schicksals und der Not der Kriegswaisen und der damals katastrophalen Zustände in den Waisenhäusern gründete Hermann Gmeiner seine „Societas socialis“. Genau 60 Jahre nachdem SOS-Kinderdorf in Deutschland Fuß gefasst hat, schließt sich jetzt der Kreis mit der Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger, die vor Krieg, Gewalt und Terror aus ihrer Heimat geflohen sind. Ali (18), Charles (15), Khalid (17), Mohammad (18) und Obayd (17) aus der SOS-Wohngruppe in Hagenheim sind fünf davon.

Zwischen einem Monat und drei Jahren waren die Jugendlichen unterwegs, um aus ihren Heimatländern nach Deutschland zu gelangen. Zumeist völlig auf sich allein gestellt schlugen sie sich durch, bis sie endlich aus Afghanistan, Nigeria, dem Iran oder Syrien die bayerische Landeshauptstadt erreichten. 

In München „war es nicht so gut“, berichtet Khalid. Bis zu 24 Menschen schliefen in einem Zimmer, dazu war alles „total neu und anders“: Die Menschen, die Kultur, zumindest für ihn auch das Essen und vor allem die Sprache. Die fünf Jugendlichen wünschten sich deshalb vor allem eines – Deutsch lernen zu können, was aber erst nach ihrem Umzug in den Landkreis Landsberg möglich war. 

Vier Wochen nach ihrer Ankunft ging es dann endlich los. Die Schlossbergschule stellte Räume zur Verfügung und SOS-Kinderdorf verpflichtete eine eigene Lehrerin, um den mittlerweile 23 Jugendlichen Wörter, Grammatik und das für sie ungewohnte Schreiben von links nach rechts beizubringen. „Die Schule ist sehr gut“, so Ali, der wie seine Kollegen mit Feuereifer lernt, und sogar die Wände des Zimmers, das er sich mit zwei anderen teilt, mit Deutschwörtern und -aufgaben gepflastert hat. 

Einzig das frühe Aufstehen macht den Jugendlichen zu schaffen. Ansonsten fühlen sie sich sehr wohl und gut aufgenommen in der Schule, die sie bei einer Weihnachtsfeier extra begrüßt hatte. Auch beim Schwimmen oder beim Fußballspiel mit deutschen Jugendlichen sind diese „sehr freundlich”, sagt Ali. Nun hoffen er und seine Kollegen, dass sie bald in einem der örtlichen Vereine mitspielen können.

Auch in Hagenheim gab es keine Vorbehalte gegen die Aufnahme der unbegleiteten Minderjährigen, freut sich SOS-Mitarbeiter Ulrich Albrich. Die Jugendlichen revanchierten sich mit einem „sehr respektvollen Umgang untereinander und mit den Erwachsenen“, ergänzt seine Kollegin Christa Schöpflin und auch Silvia Stein betont die „Offenheit und Herzlichkeit“ der jungen Männer. 

Dementsprechend wird in Hagenheim auch viel gelacht, gesungen und getrommelt oder gemeinsam gespielt, wie Uno, Schach oder Playstation. Klare Pläne Für die weitere Zukunft haben die fünf Jugendlichen vorerst folgende Pläne: Ali will Modedesigner werden, Mohammad Elektroniker, Obayd Automechatroniker, Charles Profifußballer und Khalid Informatik studieren. Doch zunächst wünschen sie sich ein wenig mehr Mobilität – und die würden ihnen Fahrräder verschaffen.

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