Die Lechstadt in Feierlaune:

Tanzen hilft gegen Kälte

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Der absolute Stimmungshöhepunkt im Sound Laster gelang der Dachauer Bigband mit ihrem extrem tanzbaren Sound und unverhüllter Spielfreude.

Landsberg – Trotz Regen und Kälte: Am Freitagabend tanzte der Flößerplatz. Schuld war die phänomenale Bigband Dachau und ihr „verdammter Beat“. Ansteckend gute Laune und extrem tanzbarer Bigband-Jazz der besonderen Art ging in Beine und Herz. Etwas schwerer hatte es das Kulturfest in der Altstadt: An der weißen Tafel war es wetterbedingt eher ungemütlich und einige der Music Acts wurden nach innen verlegt. Dennoch: Auch hier ließen sich die Besucher nicht davon abhalten, bis spät in die Nacht zu flanieren. Und am Samstag ging’s weiter: Die „Hidden Hero“-Macher feierten ihr Fünfjähriges mit einem zweitägigen Sound Laster.

Während die Tafel noch aufgebaut wurde, startete der Sound Laster schon mit den Landsberger Tanzlmusikanten: Zuschauer auf den Bänken trugen Regenjacken, Schirme waren auf­gespannt – dennoch: Fünf Tanzpaare versuchten sich an Volkstänzen, mit dabei gar eine Touristin aus den USA. Bei den „Broken Hearts“ trotzten knappe 50 dem Nass. Die Landsberger Band, die sich am Anfang Trios erstem Album verschrieb, verbastelt immer noch gerne die Neue Deutsche Welle: Nina Hagen oder Ideal – passend zum Wetter „Eiszeit“. Aber auch Lou Reed oder Frank Zappa passen ganz wunderbar ins Trio-Sound-Schema. Miss Mango wirkte ein wenig verloren. Die Songs der Sängerin Amelie Haidt passten eher zu Sonne und Meer. Der zurückhaltend sanfte Musikstil aus Soul, Jazz und Reggae schaffte es nicht, die Wolken zu vertreiben.

Ausgelassene Stimmung am Sound Laster

Die Musiker in der Altstadt wichen größtenteils ins Innere aus. „Handel missed the Pint sind ganz unkompliziert in die Sonderbar umgezogen“, freute sich der Mitorganisator des Sound Lasters Edmund Epple. Die gemütliche Gewölbeatmosphäre passte gut zur irischen Folkmusik.

Beim Gang entlang der weißen Tafel konnte man die Landsberger Tanzlmusikanten vor der Villa Rosa entdecken, wo sie unverdrossen weiterspielten. Auf dem Marktplatz gab’s Improtheater, die kostümierten Stelzer drückten Passanten Regenschirme in die Hand und die Weilheimer Pole Dance Academy zeigte Akrobatik an Stange und Ring.

Hidden Hero-„Anstifterin“ Sybille Engels berichtet, die Geschäfte im Vorderen Anger seien ganz zufrieden: „Die Leute kommen trotzdem. Das muss eben alles noch gelernt werden.“ Immerhin habe sie viele Anfragen von außerhalb bekommen, ob denn trotz Dauerregen Fest und Soundlaster stattfänden: „Das ist doch schon was!“

„Rain is liquid sunshine!“ Mit diesen Worten begrüßte die für den Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung nominierte Ausnahme-Bigband aus Dachau am Freitagabend die zahlreichen Zuhörer. Nicht umsonst war die Band als Höhepunkt des Abends angekündigt: Ihre Musik kann man als Disco-Bigband-Funk-Sound beschreiben, den Bandleader Tom Jahn in weitaus extravaganterem Dirigentenstil als James Last aus dem knapp 20-köpfigen Ensemble hervorlockt. Dazu die Stimme von J.J. Jones im blau-weiß karierten Anzug mit angesteckter Weißwurstbrosche – ein absoluter Genuss!

Auch die anderen Bandmitglieder glänzen durch extravaganten Kleiderstil: Lametta, Pailletten oder gar blinkende Glühbirnchen. Zwei komplette Drumsets und ein massiver Bläsersatz verstärken den Tanzbeat, der zwischen Jazz, Elektro, Techno und klassischem Bigbandsound mäandert – und in die Beine geht. Freude pur. „Ich bin eigentlich LaBrassBanda-Fan, aber ich glaube, ich muss umsteigen – die sind der Hammer“, urteilte eine Zuhörerin. Da machen sich die beiden Bigband-Gründer und LaBrassBanda-Mitglieder Jörg Hartl und Jahn wohl selber Konkurrenz. Die Dachauer haben sich ein Ziel gesetzt: „Zur Bigband muss wieder getanzt werden!“ Ziel erreicht. Und noch viel mehr.

Am Samstag war das Wetter eindeutig besser: „Wenn die Sonne so auf die Gitarre scheint, muss ich nochmal nachstimmen.“ Bernd Hess aus Dießen war einer der 4er Bob-Musiker, die mit ruhigem Modern Jazz den Soundlaster am Samstag einläuteten. „Tab Five“ vom Ballettstudio Beatrix Klein gab eine kurze Stepptanz-Einlage, bevor die Landsberger Hausband Moonsurfer mit hausgemachtem Rock die Besucher begeisterten.

Der darauffolgende Regenguss legte erst einmal die Technik lahm. Aber nach einer kleinen Reparaturphase konnte schließlich Xavier Darcy mit leichter Reibeisenstimme seine melancholisch-schönen Songs vorstellen. Erst 20 Jahre ist er, glänzt aber durch eine unglaubliche Bühnenpräsenz.

Die Fünfjahresfeier des Soundlasters schloss mit einem proppenvollen Flößerplatz und Phil Vetter: „Der Meister der Zwischentöne“, dem es gelang, mit leicht ironisch-melancholischen Texten à la Element of Crime die Schwermut zu vertreiben. Sybille Engels und Edmund Epple sind sich einig: „Das Soundlasterphänomen ist das eines Kulturschockfestivals: Nichts passt zueinander, aber es funktioniert prächtig.“ Und die Kombination Soundlaster und Altstadtfest ist äußerst charmant.

Susanne Greiner

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