Nur mit Bus und Sozialbetreuung

Die Zahl der Asylbewerber steigt wieder und damit hat auch der Landkreis Landsberg seiner Aufnahmepflicht nachzukommen. 20 Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Kongo und aus Serbien beziehen dieser Tage die Unterkünfte in der Schlesierstraße in Kaufering – vorübergehend, dann auf längere Sicht sind die beiden Wohnhäuser in der Schlesierstraße keine Lösung. In Betracht kommen da schon eher die aufgelassenen Mannschaftsunterkünfte in der Lechrainkaserne. Der KREISBOTE sprach mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann über dieses Thema.

Herr Lehmann, was halten Sie grundsätzlich davon, Asylbewerber in der Lechrainkaserne unterzubringen? Sehen Sie die Stadt hier in der Pflicht? Lehmann: „Die Zahl der Asylbewerber ist in den letzten Monaten stark angestiegen. Natürlich sind bei der Frage der Unterbringung die zentralen Orte mehr gefordert als ländliche Gemeinden. Die Lechrain-Kaserne war in den letzten Jahren jedes Mal in der Diskussion, wenn es um die Frage der Unterbringung ging.“ Beschäftigt sich Ihr Haus bereits näher mit dem Thema? Lehmann: „Wir sind mit dem Thema vertraut.“ Welche Gebäude stünden zur Verfügung? Lehmann: „Die Auswahl ist nicht sehr groß – es geht um ein Gebäude im nördlichen Bereich.“ Müssten diese, wie das einst in der Ritter-von-Leeb-Kaserne der Fall war, der neuen Nutzung entsprechend umgebaut werden? Zu welchen Lasten würde das gehen? Lehmann: „Sicher sind bauliche Maßnahmen erforderlich. Zu Lasten der Stadt könnte dies unter keinen Umständen gehen.“ Ein Umbau käme wohl nur für eine längerfristige Nutzung infrage. Von welchem Zeitraum muss man denn ausgehen? Ab wann sollte die Unterkunft zur Verfügung stehen? Lehmann: „Hierzu sind bisher keine konkreten Gespräche geführt worden.“ Widerspricht das nicht den Plänen für die weitere Entwicklung des Gewerbegebietes Lechrainkaserne? Lehmann: „Kurzfristig nicht, langfristig ja. Deshalb käme nur eine realistische Befristung in Betracht.“ Landrat Eichner deutete jüngst an, dass die Stadt bei einer Unterbringung von Asylbewerbern in der Lechrainkaserne die Anbindung an den ÖPNV sicherstellen müsse. Was sagen Sie dazu? Lehmann: „Der Standort Lechrain ist aus zwei Gründen sehr problematisch und abzulehnen, wenn diesen beiden Gesichtspunkten nicht Rechnung getragen wird. Der eine ist die Anbindung an die Stadt. Es ist klar, dass eine mögliche Busanbindung notwendig ist, dies kann aber nicht auf Kosten der Stadt gehen, da die Asylthematik keine städtische Aufgabe ist. Wenn wir schon helfen, dann nicht auch noch mit finanziellen Lasten.“ Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere unabdingbare Voraussetzungen für die Einrichtung einer Asylbewerberunterkunft? Lehmann: „Damit ist das zweite zu lösende Thema angesprochen: Ohne eine angemessene Sozialbetreuung ist der Standort Lechrain nicht diskutabel. Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass ich eine Unterbringung von Familien – etwa dann noch mit Kindern – dort nicht für vertretbar halte. Familien gehören in die zentralen Orte wir Landsberg, Kaufering oder auch die Ammerseegemeinden.“ Ist das aktuelle Vorhaben mit der Einrichtung der 90er Jahre in der Ritter-von-Leeb-Kaserne vergleichbar? Wie waren damals die Erfahrungen aus städtischer Sicht? Lehmann: „Wir hatten im Großen und Ganzen keine negativen Erfahrungen, sicher auch dank ausgezeichneter Sozialbetreuung. Damals waren es rund 500 Menschen in der Nähe eines Wohngebietes, dann müssten 80 Menschen – darüber reden wir im Augenblick – im Gebiet Lechrain möglich sein.“

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