St. Martin:

"Chauvinistisches System" im Sozialzentrum

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Gute Miene zum bösen Spiel im Sozialzentrum St. Martin machten auf der Pressekonferenz (von links) die Aufsichtsräte Michael Zeitler, Dr. Manfred Rapp, Detlev Möller und Markus Wasserle sowie die neue Geschäftsführerin Juliane Hampe.

Landsberg – Mit erschreckenden Details zu den „Verfehlungen“ des ehemaligen Ge­schäftsführers des Sozialzentrums St. Martin, Klaus Drössler, ist der Aufsichtsrat heute an die Öffentlichkeit gegangen.

Schonungslos erläuterten Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Manfred Rapp mit Markus Wasserle sowie den beiden Stadtpfarrern Michael Zeitler und Detlev Möller die Gründe, die am 23. Januar zur fristlosen Kündigung Drösslers und inzwischen zu Ermittlungen durch die Augsburger Staatsanwaltschaft führten.

Vorwürfe wie „sexuelle Belästigung, Mobbing und finanzielle Verfehlungen“ stehen im Raum. Zunächst habe man auch in der Öffentlichkeit keine Gründe für die fristlose Kündigung genannt, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden, erläuterte Aufsichtsratsvorsitzender Rapp heute in der Pressekonferenz. Man hätte dem Beschuldigten sonst die Möglichkeit gegeben, „Zeugen zu beeinflussen“ oder gar „Beweise verschwinden“ zu lassen.

Im Dezember habe man noch gemeinsam mit Klaus Drössler über die Belange der Sozialstation diskutiert, erklärte Pfarrer Detlev Möller, der als Vorstand des „Evangelischen Diakonievereins Landsberg“ im Aufsichtsrat sitzt. Zu diesem Zeit­- punkt habe man noch nichts von den Vorgängen in der Einrichtung gewusst. Erst dann sei alles „lawinenartig“ über die Aufsichtsratsmitglieder hereingebrochen.

Am 13. Januar habe sich Drössler plötzlich krank gemeldet. Als Begründung habe er angegeben, „vom Aufsichtsrat gemobbt“ zu werden. Im Anschluss daran habe man Drössler Kontakt- und Hausverbot erteilt. Erst als die Mitarbeiter sich sicher sein konnten, dass der Ex-Geschäftsführer nicht zurückkommen werde, seien sie laut Dr. Rapp bereit gewesen, Aussagen zu machen. „Die Mitarbeiter hatten Angst vor ihm“, ergänzt Stadtpfarrer Möller, „deshalb sind die Vorwürfe erst gar nicht zum Aufsichtsrat vorgedrungen“.

Auch über Drösslers fachliche und organisatorische Fehler sei man nicht informiert worden, erklärte Aufsichtsrat Markus Wasserle, Vorsitzender des „Vereins für ambulante Krankenpflege Schondorf“. Aber dann seien die Vorwürfe über das Sozialzentrum hereingebrochen. Für die fristlose Kündigung habe es gleich mehrere Gründe gegeben: Da gehe es um „finanzielle Unregelmäßigkeiten steuerrechtlicher Art“, andererseits aber auch um „massive sexuelle Belästigungen“. Zu letzterem Vorwurf lägen schriftliche Aussagen zweier Zeuginnen vor. Es handle sich um „von Drössler ausgeübte verbale Gewalt“. Die beiden Frauen hätten aber auch die Namen von weiteren Mitarbeiterinnen genannt, die „von Drössler angemacht“ worden seien.

Doch das sei noch nicht die Spitze des „chauvinistischen Systems“ (Möller) des früheren Geschäftsführers. Drössler habe mehreren Mitarbeiterinnen den Ausgang verwehrt und habe eine andere zur Kündigung zwingen wollen. Auch hier habe Drössler Drohungen angewandt und Druck auf die unerwünschte Angestellte ausge­- übt. Sie werde weit und breit keine andere Arbeit finden, habe der ehemalige Geschäftsführer ihr angedroht.

Auch Stadtpfarrer Michael Zeitler („Verein für ambulante Krankenpflege Landsberg“) zeigt sich „schockiert“. So etwas habe er sich einfach nicht vorstellen können. Und mit dieser Aussage bezieht er sich noch nicht einmal auf die Tatsache, dass laut Aufsichtsrat in einem der Büroschränke Drösslers ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ gefunden worden sei.

Auf Anfrage des KREISBOTEN wollte sich Ex-Geschäftsführer Klaus Drössler zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen spontan nicht äußern. Er habe dies erst nach Abstimmung mit seinem Anwalt vor. Doch dazu kam es aber nicht mehr, Drössler nahm sich Stunden später das Leben.

Astrid Erhard

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