"Spannendes" Jahr in Denklingen

Das neue Jahr – viele Gemeinden stellt es vor große finanzielle Herausforderungen. Auch in Denklingen sind die Aussichten nicht gerade rosig: Der massive Rück­gang der Gewerbesteu­ereinnahmen auf der einen und die hohe Kreisumlage auf der anderen Seite machen der Gemeinde derart zu schaffen, dass viele Projekte erstmal auf Eis gelegt werden müssen. Lediglich an der geplanten Breitbandanbindung will Bürgermeisterin Viktoria Horber weiter festhalten.

„Wir haben keine Einnahmen mehr, müssen aber zahlen“, ver­deutlicht Rathauschefin Horber die prekäre Situation der Gemeinde im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Es ist kein Geheimnis, dass Denklingen in erster Linie von den Gewerbesteuereinnahmen, vor allem durch die ortsansässige Firma Hirschvogel, abhängig ist. Wäh­rend andere Gemeinden eher einkommenssteuerstark sind, „ist unsere Haupteinnahmequelle die Gewerbesteuer“, so Horber. Durch die schlechte wirtschaftliche Lage von Hirschvogel sowie anderen Firmen gehen diese Einnahmen drastisch zurück. Laut Kämmerer Johann Hartmann hatte die Gemeinde 2009 im Vergleich zum Vorjahr rund 5,3 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer in der Kasse. Hinzu kommt, dass sich die 2010 zu zahlende Kreisumlage auf über zwei Millionen Euro beläuft. „Selbstverständlich haben wir in der Vergangenheit Rücklagen gebildet. Gerade weil wir wissen, wie abhängig wir von den Gewerbesteuereinnahmen sind“, so Horber. Doch von den fast fünf Millionen Euro Rücklagen wird, so Horbers Prognose, „allerspätestens im zweiten Quartal dieses Jahres nichts mehr übrig sein.“ Dann müssten für den laufenden Betrieb Darlehen aufge­nom­men werden. Für die Lechraingemeinde bedeutet dies einen strikten Sparkurs. Projekte die im Raum standen, „für die wir die Weichen stellen wollten, müssen wir jetzt auf Eis legen“, so Horber. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht verantwortbar.“ So müssen sich die Denklinger bei Themen wie Bürgerhaus oder einem Anbau an die Turnhalle noch gedulden. „Es gäbe eine ganze Fülle an Vorhaben“, bedauert die Bürgermeisterin. Kein Zurück gibt es hingegen beim Thema Breitbandanbindung. „Die Planungen laufen, jedes Haus soll an die Glasfasertechnik angeschlossen werden“, so Horber. Nur so sei die Gemeinde „fit für die Zukunft“ und attraktiv als Wohn- und Arbeitsort. Doch Kinderkrippe? Noch nicht völlig verabschiedet hat sich Viktoria Horber von der Idee, in der ehemaligen Schule in Epfach eine Kinderkrippe einzurichten. Die Räumlichkeiten in dem seit drei Jahren leer stehenden Gebäude wären ideal. Für eine energetische Sanierung gäbe es rund 380000 Euro aus dem Konjunkturpaket II. Die Gemeinde müsste zwischen 100000 und 300000 Euro selbst aufbringen sowie den laufenden Unterhalt finanzieren. Auch wenn die Resonanz bei der erfolgten Bedarfsermittlung mit zehn Kindern viel zu gering war, so ist Horber überzeugt, dass es prinzipiell funktionieren würde. „Allerdings können wir das Ganze in der jetzigen Situation nur wagen, wenn das Angebot sicher angenommen wird“, betonte Horber. Kämen keine neuen Gesichtspunkte hinzu, dann sei das Projekt Kinderkrippe vorerst gestorben. „Das wird ein spannendes Jahr und auch die nächsten stellen uns vor große Herausforderungen“, so Viktoria Horber. „Zu­nächst müssen wir etwas Fahrwasser rausnehmen und sehen, was sich konjunkturell tut. Ich kann für unsere Gemeinde nur hoffen, dass es nicht schlechter wird.“

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