Spannungen in der CSU

Eine Partei in zwei Lagern

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MdL Alex Dorow, Landratskandidat Thomas Eichinger, MdL Thomas Goppel und Josef Loy (v. li.) möchten die Kreistags- und Landtags-CSU besser vernetzen – daraufhin trat Dr. Manfred Rapp als Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion zurück.

Landsberg – In der Landkreis-CSU kracht es gehörig – anders lassen sich die Ent-wicklungen um die bevorstehende Landrats- und Kreistags-Wahl nicht mehr interpretieren. Jetzt ist das Zerwürfnis öffentlich.

Landratskandidat Thomas Eichinger verkündete in der vergangenen Woche „mit großer Freude“, dass er die Landtagsabgeordneten Alex Dorow und Dr. Thomas Goppel als Kandidaten für die Kreistagsliste der Christsozialen „gewinnen konnte“. An anderer Stelle war die Begeisterung über die Nachricht weniger groß. Dr. Manfred Rapp trat nur einen Tag später „mit sofortiger Wirkung“ als Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion zurück.

Dr. Manfred Rapp möchte bei der Kommunalwahl 2014 wegen für die Freien Wähler antreten.

Seit 1990 war Rapp Fraktionssprecher. Jetzt stellte er neben seinem Rücktritt gleichzeitig sein Amt als Mitglied des Kreisausschusses zur Verfügung. Pikant: Rapp will jetzt bei der Kreistagswahl im März für die Freien Wähler antreten. Der Presse lieferte der ehemalige Notar auch die Hintergründe für seine Entscheidung. Rapp nennt die Personen namentlich: Maßgeblich für seine Entscheidungen seien die zunehmenden Spannungen zwischen der Spitze der Kreis-CSU („Dr. Goppel, Alex Dorow“) einerseits und ihm und Landrat Walter Eichner andererseits. Die „tiefere Ursache“, so Rapp, läge wohl darin, dass Goppel vor zwölf Jahren seinen Kandidaten für die Nachfolge des damaligen Landrats Erwin Filser nicht habe durchsetzen können. „Wie die Öffentlichkeit zutreffend beobachtete, hat sich das Verhältnis Goppel/Eichner zunehmend verschlechtert“, schreibt er weiter.

Rapp hält es für „verfehlt“, dass Goppel und Dorow ein Kreistagsmandat der CSU bekommen sollen, obwohl von vorne herein feststehe, dass sie „dieses aus Zeitgründen nicht vollständig werden wahrnehmen können“. Landratskandidat Eichinger sieht das anders. Ohne den bisherigen Landrat und Parteifreund Walter Eichner namentlich zu erwähnen, unterstellt er ihm Versäumnisse. „Anders als in den umliegenden Landkreisen war es der CSU im Landkreis Landsberg seit längerem nicht mehr gelungen, die politischen Ebenen von Land und Kommunalpolitik auf diese Weise enger zu vernetzen“, lässt er die Öffentlichkeit wissen. Eichinger weiter: „Die Vertretung des Landkreises zu den oberen politischen Ebenen sollte nicht beim Landrat allein liegen. Dafür sollten auch die hiesigen Abgeordneten in die Pflicht genommen werden.“

Rapp hält das offenbar für ein vorgeschobenes Argument. Die Verzahnung der Ebenen sei auch ohne ein Doppelmandat möglich, wie die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre zeige. „Die wahre Absicht dieses Schachzugs werden die Wählerinnen und Wähler durchschauen“, meint er. Er selbst will nun für bei der nächsten Kreistagswahl für die Freien Wähler (vorbehaltlich deren Zustimmung) antreten. Und das, obwohl er nicht wisse, wie diese von seinem Schreiben erfahren hätten, in der er der Kreis-CDU mitgeteilt hat, dass er 2014 nicht mehr für sie kandidieren will, „auch nicht unter den ersten fünf Bewerbern“, wie ihm schriftlich angeboten worden sei.

Dass die Nominierung von CSU-Landratskandidat Eichinger nach Informationen des KREISBOTEN an Eichner vorbei erfolgte, könnte sich damit im Nachhinein dramatisch ausgewirkt haben – die Partei scheint sich im Kreis bereits vor Rapps Pressemitteilung in zwei Lager geteilt zu haben. Er bleibe Mitglied der CSU, lässt Rapp dennoch wissen, „diese Partei entspricht meinen Grundüberzeugungen“. Auch in der Kreistagsfraktion habe es „stets ein faires und sachliches Arbeitsklima“ gegeben.

Zum Schluss bringt Rapp noch sein Verhältnis zwischen ihm und dem Landrat auf den Punkt: „Uneingeschränktes Vertrauen“ habe da geherrscht, „es passte kein Blatt zwischen uns. Diese Jahre werden mir immer in bester Erinnerung bleiben.“

Christoph Kruse

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