Fluch und Segen

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Nach dem Vortrag nutzten Oberbürgermeister Mathias Neuner und einige Sparkassenmitarbeiter die Gelegenheit, mit Helmut Markwort (2. v. rechts) über dessen Vortrag zu diskutieren.

Landsberg – „Ein Thema, das in den Medien nicht erscheint, ist nicht relevant“, so eröffnete Helmut Markwort seinen Vortrag beim Unternehmerabend 2014 der Sparkasse Landsberg-Dießen. Im voll besetzten Stadttheater referierte der Medienprofi gestern über die „Macht der Medien“.

Als „besonderen Freund des Theaters“, stellte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Krautwald den Referenten, der seit über zwanzig Jahren auch im Fernsehen präsent ist, vor. Da war das Landsberger Stadttheater natürlich die passende Kulisse für Markwort, der selbst schon als Schauspieler auf der Bühne stand. Die Resonanz auf den Vortrag übersteige allerdings die Kapazitäten des Theaters, erklärte Krautwald, weshalb im Foyer Bildschirme zur „Live-Übertragung“ aufgebaut waren: „Landsberg freut sich“, stellte der Sparkassen-Vorstand zusammenfassend fest. 

Die Macht der Medien sei ein vieldiskutiertes Thema – nicht nur unter Journalisten. „Jedoch haben die Medien nicht genug Macht, die Menschen zum Wählen zu bewegen“, stellte Helmut Markwort fest. Das gelte für Landsberg, aber noch umso mehr im Hinblick auf die Wahlbeteiligung in München. Nicht zu wählen sei schon fast zum Bekenntnis geworden. Aber die „Infoelite“, wie Markwort diejenigen nennt, die zu Hause eine Zeitung abonniert haben, drücke sich um alle politischen Informationen herum. Früher sei das nicht so leicht gewesen, so Markwort. Bei nur drei Fernsehsendern war man gezwungen, auch politische Sendungen zu sehen. Mit der Fülle an Medien drücke sich deren Macht in der „Selektionshoheit“ aus. Schließlich entscheiden sie, welche Themen aus den tausenden von Meldungen ausgewählt werden. 

Die Macht der Nähe 

Aber auch in der politischen Szenerie spielen, Helmut Markwort zufolge, Journalisten eine große Rolle. Hier sei es vor allem die Nähe, die die Macht der Medien ausmacht. Dieses „zwischen Nähe und Distanz“ habe vor allem Alt-Kanzler Gerhard Schröder gut genutzt. Indem er mit vielen Journalisten und Medienvertretern per Du war, hätte er ihnen eine „Beisshemmung“ auferlegt: „In der Nähe liegt die Korruptionsgefahr für Journalisten“, meint Markwort dazu. 

Während Schröder sich der Medien bediente, sei der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff über die Macht der Medien gestürzt. „Wulff war in den Fängen der Bild-Zeitung“, aber wer mit der Bild-Zeitung aufsteigt, fällt auch mit ihr, so Markwort. Wulff sei anfällig gewesen für „Schnorrerei und Schnäppchenjägerei“ – und davor warnte Markwort in seinem Vortrag . Einen richtigen Umgang mit den Medien bescheinigte der Focus-Herausgeber dagegen der „Meisterin der Geheimhaltung“, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr Vorteil: Kein zu enger und vertrauter Kontakt mit Journalisten. 

Neue Medienmacht 

Das Internet als eine sehr „hektische Macht“ sieht Markwort durchaus kritisch, wie er gegen Ende seines Vortrages herausstellte. Das hohe Tempo und die „Minutenaktualität“ dieses Mediums führe automatisch zu Ungenauigkeit und Falschmeldungen. Der Kampf der Onlinedienste um die Klicks sieht Markwort als noch härter an als den Kampf der Zeitungen um ihre Auflage. Dadurch dass das Internet viel boulevardesker sei, beobachte er auch eine „Verwilderung“ und „Verhunzung der Sprache“. Trotzdem habe das Netz aber auch einen Segen: „Es macht gescheite Leute gescheiter und dumme Leute dümmer“, lautet Markworts Fazit im Hinblick auf das Internet. Nichtsdestotrotz müsse man diese neue Medienmacht ernst nehmen. 

Die Empfehlung des bekannten Journalisten am Ende seines Vortrages lautete also, viele verschiedene Medien zu nutzen. Aber auch eine Warnung gab er seinen Zuhörern mit auf den Heimweg: „Seien Sie vorsichtig mit Medien!“

Astrid Erhard

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