Strahlendes c-Moll

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Im Stadttheater boten Martin Kälberer am Klavier und Kontrabassist Sven Faller mit Sängerin Stefanie Boltz jazzigen Hörgenuss.

Landsberg – Martin Kälberer nimmt eine Art Metallschüssel in die Hand und improvisiert. Das Instrument ähnelt einem Wok: „Es nennt sich Hang und kommt aus der Schweiz“, erklärt der Multiinstrumentalist. Seine Improvisation basiert auf c-Moll, denn das passe zum Stadttheater: „Von außen ein bisschen grau, enthüllt es von innen seinen strahlenden Glanz.“

Auch die Band „Le Bang Bang meets Martin Kälberer“ glänzte zur Spielzeiteröffnung im Stadttheater. Le Bang Bang, das sind Sängerin Stefanie Boltz und Sven Faller auf dem Kontrabass. Martin Kälberer ergänzte das eingespielte Duo mit Klavier und seinen außergewöhnlichen Percussion-Instrumenten: Da gibt es neben dem Hang auch noch das Halo und das Udu. 

Als Kälberer eine weitere seltsame Konstruktion hochhebt und das Publikum um Assoziationen bittet, kommt prompt „Snoopy“. Ungewöhnliche Instrumente, denen Kälberer Töne und Rhythmen entlockt, die unter die Haut gehen. Eigentlich wollten die drei Musiker nur einen Song zum 25-jährigen Jubiläum ihres Musiklabels GLM aufnehmen. Daraus entstand der Song „Sunrise“ – und dann gleich eine ganze CD. „Für mich war das Zusammenspiel mit Martin Kälberer so was wie ein Musenkuss“, erzählt Stefanie Boltz. „Wir haben uns sofort alle ineinander verliebt.“ 

Die Formation hat ein beeindruckendes musikalisches Spektrum: Stefanie Boltz stimmt „Creep“ von Radiohead an, das sie dann mit einem leicht indisch anmutenden Zwischenspiel zu Billy Holidays „God bless the Child“ überleitet. Michael Jacksons „I want you back“ in der Bang-Bang-Version ist kaum wiederzuerkennen, und „Here comes the Sun“ von den Beatles erstrahlt in einem beschwingten marokkanischen Walzer. Die Band eignet sich die Lieder an – oder wie Stefanie Boltz sagt: „Vorher war der Song von George Harrison, jetzt ist er von uns.“ Nicht zu vergessen die Eigenkompositionen der drei Musiker: Der Eröffnungssong „Sunrise“ und das folgende „The first Day of your Life“ wirken noch sehr zahm. 

Kälberers lyrische Klavierbegleitung zusammen mit Boltz‘ Stimme mögen da fast ein bisschen zu viel der Sanftheit sein. Mitreißender sind Songs, bei denen Kälberer mit Percussion begleitet wie bei „In your Blood“ oder „Shape of a Cloud“: Sven Fallers Bass, teilweise verstärkt, und Kälberers Percussion lassen Boltz‘ Stimme zur Geltung kommen. Die drei Musiker harmonieren dann miteinander, als ob sie schon jahrelang zusammenspielen wür- den. Sven Faller liebt seinen Bass, auch wenn es nicht gerade das handlichste Instrument ist. „Gehen Sie mal mit einem Bass durch die Stadt. Das häufigste, was Sie hören werden, ist: Flöte wär leichter.“ 

Gut, dass er trotz Gewicht beim Bass geblieben ist. Er zupft, slapt, streicht, schlägt mit der Hand den Rhythmus, schmiegt sich Boltz‘ Stimme an. Und was er in seinen Soli zeigt, ist schlicht grandios. Der Abend hat sich gelohnt: Jazz in der Bang-Bang-Kälberer-Variante überzeugt auch Jazz-Abstinenzler. In sanften und mitreißenden Tönen bescherte das Trio dem Publikum einen sonnigen Spielzeitauftakt. Nach zwei Zugaben entließen die Zuhörer Le Bang Bang und Martin Kälberer in die kühle Nacht.

Susanne Greiner

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