Spontanes Feierabendvergnügen mit d'Saitenschinder

„Hoam sollt mr geh’, da sollt mr bleib’n.“ Genauso ist es den Musikern und Gästen gegangen, die beim Hoagartn im Dießener Unterbräu miteinander gespielt und gesungen, geratscht und gegessen haben. D’Saitenschinder, die Musikgruppe des Dießener Trachtenvereins spielten beim traditionellen „Feierabendvergnügen“ auf. Der Platz war knapp, die Gaudi groß, als der Deutenhausener Viergesang, die Dießener Okarina Musi und Max Kümmeth mit bayerischem Liedgut und Musiken unterhielten. Dass auch die Qualität noch erstklassig war, kam aus berufenem Munde: „Ich bin beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder da“, versprach Lieselotte Orff. Die Witwe des Musikpädagogen und Komponisten Carl Orff hatte besondere Freude an „Hoam“.

„Hoam“ erzählte Saitenschinder-Chef Magnus Kaindl dem Publikum, sei der erste Gesang seiner seit 13 Jahren bestehenden Musikgruppe. Eine Fernsehredakteurin hätte angeregt, das Repertoire mit Liedgut zu bereichern, „dann haben wir bei unserem großen Dießener Musiker nachgeschaut.“ In der „Bernauerin“ stieß Kaindl auf „Hoam“. Der Text, vermutet er, ginge auf eine historische Vorlage aus dem Tegernseer Raum zurück. Über Erich Sepp vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege in München bekam er dann die Textbasis und das Lied, das Carl Orff vierstimmig gesetzt hat, auf die Saitenschinder-Besetzung zuge-schnitten. Seit einem Jahr gehört „Hoam“ zum Repertoire der Gruppe. Fröhliches Plätschern Zu den Höhepunkten gehörte auch das Menuett aus der Kindersymphonie, deren Herkunft umstritten ist, aber Michael Haydn (1737 bis 1806) zugeschrieben wird. Möglicherweise könnte auch fröhlicher Benediktinermönch der Schöpfer der heiteren Weise sein. Die Töne plätschern fröhlich dahin und wenn sich Kuckuck, Wachtel und Nachtigall mit der Trompete treffen, sind die zweitonige Kuckucksflöte, Blockflöten und eine Wasserpfeife dran. In ihrem ersten Programm vor 13 Jahren begeisterten d’Saitenschinder mit einem Bauerntanz aus dem 16. Jahrhundert, zu dem die Fraunhofer vermutlich einen Dreher gespielt haben. „Lange haben wir es nicht mehr gespielt“, schmunzelt Waltraud Elsässer, kürzlich seien sie draufgekommen, dass so ein Stück nicht in der Schublade bleiben dürfe. Das Publikum war gleicher Meinung und hat es mit reichlich Applaus honoriert. Die Okarina Musi mit Regina und Albert Hinterbichler stellte sich erstmals im großen Rahmen vor. Regina, die sich die Okarina erst jüngst erarbeitete, hat das kleine Instrument schon sehr gut im Griff. Das Duo begeisterte mit Musiken, die vor allem Volkstänzer mögen, vom Waldjager bis zum Kikeriki. Der Deutenhauser Viergesang ist noch nicht so bekannt in Dießen, hatte aber am Ende des Abends sicherlich eine stattliche Fangemeinde hinter sich. Das altbayerische Liedgut begeistert mit überlieferten Liedern die aufs erste Hinhören eher verhalten rüberkommen, aber beim zweiten Hinhören mit ihren frechen, witzigen Texten erzählen, wie es früher einmal war – und dass es damals wie heute überall ganz schön „menschelt“. Viele der überlieferten Lieder stammen aus dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern. Begleitet wurden die Sänger von Zither, Ziach und Gitarre. Wie beim Hoagartn üblich, finden sich Musiker ganz spontan zusammen. So holte Max Kümmeth kurzerhand seine Ziach aus dem Auto und spielte mit Manfred Helmer (Gitarre) und Andres Huber (Blechblasinstrumente, Bass) schmissige Polkas, Landler und Boarische. Dorfleben Seit Jahrhunderten ist es in Bayern üblich, nach getaner Arbeit in der Stube zusammenzukommen oder im Wirtshaus. Ratsch, Tratsch, Musik und Tanz kennzeichneten den Hoagartn, der früher die Zusammenkunft im Dorfleben war. Hier wurde nicht nur politisiert, sondern auch die Gemeinschaft gepflegt und manchmal bahnten sich auch Ehen an. So geschah manches, was den Unwillen der Obrigkeit hervorrief: 1635, zum Beispiel, wetterte ein Beamter unter Kurfürst Maximilian I. gegen Unsittlichkeit beim Hoagarten. Dennoch hat sich der Brauch über die Jahrhunderte erhalten. Heute findet der Hoagartn meist im Wirtshaus statt, es wird ohne Bühne, Verstärker und Eintrittsgeld spontan musiziert. Die Musiker kriegen kein Honorar, weil das Publikum reichlich Brotzeit und Trinken spendiert.

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