Sprung nach Westen

Ein harmonisches Bild: Der Innenhof des Seniorenzentrum an der Spöttinger Straße mit Pflegebau (links) und Mitarbeiterwohnungen (rechts).

Vom „italienischen Landhausstil“, den die Pichlmayrs sonst gerne bauen lassen, ist Bauträger Helmut Schleich in Landsberg einmal abgewichen. Das neue Seniorenzentrum in der Spöttinger Straße kann sich trotzdem sehen lassen, wie die Unternehmerbrüder Florian und Johan­- nes Pichlmayr sowie Oberbürgermeister Mathias Neuner bei der Einweihung mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kirche am Freitag befanden.

„Es ist eine große Bereicherung, dass aus dem ehemaligen BayWa-Gelände ein so wertvolles Haus geworden ist“, lobte OB Neuner. Johannes Pichl­mayr: „Auch im modernen Baustil ist es gelungen, mit viel Liebe zum Detail und einem Wohngruppenkonzept eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen."“ Schleich wiederum über­­ gab einen symbolischen Schlüssel auch an das Stadtoberhaupt, „weil ich mir wünsche, dass dies ein offenes Haus für alle Bürger der Stadt wird.“ 77 & 5 Zimmer 87 vollstationäre Pflegeplätze in 77 Einzel- und fünf Doppelzimmern bietet die neue Einrichtung, die ersten 13 waren schon zur Einweihung bezogen. „In ungefähr einem dreiviertel Jahr werden wir zum ersten Mal alle Plätze vergeben haben“, so der Erfahrungswert von Florian Pichlmayr. Dass die Einrichtung trotz großzügiger Räume, gehobener Ausstattung und der stattlichen Bausumme von rund 15 Millionen Euro (inklusive der Mitarbeiterwohnungen auf der Straßenseite) nicht nur für betuchte Bürger gedacht ist, betonte auf Nachfrage Helmut Schleich. „Zu uns kann jeder kommen. Der, der sich’s leisten kann sowieso; der, der nur eine kleine Rente hat aber auch, da springt dann der Bezirk ein.“ Florian Pichlmayr stellte nach der Feier auch die Eigentumsverhältnisse klar, „weil das immer wieder mal zu Missver­- ständnissen führt“: Schleich & Haberl baute das Pflegeheim und verkaufte die Wohnungen einzeln an private Kapitalanleger (die Rendite liegt bei rund vier Prozent). Die Anleger vermieten dann langfristig an die Firma Pichlmayr und die wiederum an die Pflegebedürftigen. Eine aufwändige Konstruk­- tion, die aber offenbar gut funktioniert, immerhin ist das Landsberger Haus bereits die 17. Einrichtung dieser Art, die das niederbayerische Familienunternehmen betreibt. Johannes Pichlmayr: „Das ist diesmal ein großer Schritt für uns. Bis jetzt hieß es immer ganz einfach, wir sind von Passau bis München aktiv, jetzt haben wir zum ersten Mal den Sprung nach Westen gewagt.“ Heimat statt Heim Alle Häuser stehen unter dem plakativen Motto „Heimat statt Heim“, eine Philosophie, die Leiter Ralf Dietrich auch in Landsberg verwirklichen will. „Schon der Spatenstich stand unter dem Motto Vernetzung“, so Dietrich, „und ich hoffe, wir werden ein Teil von Landsberg und der Spöttinger Straße sein.“ Bisher funktioniert das: „Dafür möchte ich mich bedanken, wir sind sehr herzlich aufgenommen worden.“ Für Dietrich dürfte seine neue Arbeitsstätte auch aus einem anderen Grund sehr erfreulich sein: Von Windach fährt er nun täglich 16 Kilometer nach Landsberg und nicht mehr, wie bisher, 90 nach Zolling. Für den Heimleiter soll die Menschlichkeit im Vordergrund stehen. „Wir sind eine Mannschaft, da ist jeder wichtig und jeder muss das Herz am rechten Fleck haben.“ Aber auch über Geld wurde beim Festakt gesprochen. Helmut Schleich machte keinen Hehl daraus, dass die Kosten für die Pflege in Deutschland in den nächsten Jahren weiter steigen werden. „Aber wenn wir 60 Milliarden für Urlaubsreisen oder 23 Milliarden für Spiri­tuosen ausgeben, können wir uns auch 30 bis 50 Milliarden für Pflege leisten. Der gesellschaftliche Rang der Altenpflege muss höher werden.“ Mit Brücke? Nicht um Milliarden, eher um eine Million Euro dürfte es gehen, sollte die Stadt die geplante Brücke vom neuen Pfle­- geheim über die Bahngleise bauen. „Die Dienstbarkeit dafür ist auf dem Grundstück eingetragen“, bestätigt Florian Pichl­- mayr. „Und das Treppenhaus auf der Südseite ist offen und so gebaut, dass man mit einer Brücke daran andocken kann.“ Ob diese Pläne angesichts der aktuellen Kassenlage der Stadt überhaupt verwirklicht werden, scheint im Moment zumindest fraglich. Vermutlich wird es die nächsten Jahre bei der Zeichnung bleiben.

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