Auf Druck der Stadt:

Die Deutsche Telekom rüstet Landsberg auf

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Die Zeichnung liegt uns zwar nur in geringer Auflösung vor, aber der Stadtrat hat sich davon überzeugt: Die Telekom deckt jetzt (gelb) und künftig (grün) die gesamte Kernstadt ab, es bleiben nur minimale weiße Flecken in Außenbereichen.

Landkreis – Es bedurfte erst des von der Stadt eingeleiteten Markterkundungsverfahrens, um die Deutsche Telekom zu bewegen, die ganze Landsberger Kernstadt mit schnellem Internet zu versorgen. Das hat sie nun aber zugesagt – wohl auch um zu verhindern, dass andere Anbieter mit Hilfe von Zuschüssen des Freistaats und der Stadt die Lücke füllen.

Es ist ein mühsamer, ein langer Weg zu schnellem Internet. Auch die jetzige Selbstverpflichtung der Telekom zum „eigenwirtschaftlichen Ausbau“ bedeutet nicht, dass gleich morgen irgendein Schalter umgelegt wird. Vielmehr hat die Telekom nun zwölf Monate Zeit, mit der Umsetzung zu beginnen. Innerhalb von drei Jahren müssen dann „wesentliche Teile“ der Stadt erschlossen und „einem wesentlichen Teil der Endkunden Anschlüsse ermöglicht werden“, heißt es in den Richtlinien des Freistaats.

Über diese Maßnahmen wird es keinen schriftlichen Vertrag mit der Telekom geben. Sebastian Prechtl vom Regensburger Beratungsunternehmen IK-T, der das Markterkundungsverfahren der Stadt begleitet hat, erklärte im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung vom Mittwoch aber, die Telekom habe ihre Versprechungen bisher überall eingehalten.

Die Stadt will dennoch von ihrem Recht Gebrauch machen, bei der Telekom einen „verbindlichen und detaillierten Zeit- und Projektplan“ anzufordern. Er muss „Projektmeilensteine für Zeiträume von sechs Monaten enthalten“. Auf diese Weise kann die Stadt den Fortschritt überprüfen und möglicherweise auch noch die Prioritäten beeinflussen.

Übergangstechnologie

Die Telekom wird keine Glasfaseranbindung der Häuser („fibre to the building, FTTB“) oder gar der Wohnungen („fibre to the home, FTTH“) vornehmen, sondern ihre Geschäfts- und Privatkunden weiterhin über die in die Jahre gekommene Kupferdoppelader (also die klassische Zwei-Draht-Telefonleitung) anbinden (FTTC, „fibre to the curb“). Je nach Entfernung vom Hauptverteiler und vom Kabelverzweiger waren bei der eingesetzten ADSL-Technik bislang aber oft nur geringe Geschwindigkeiten von nominell sechs bis 16 Megabit pro Sekunde möglich; in der Praxis lag der tatsächliche Wert oft weit darunter.

Mit einer Softwarelösung namens Vectoring, die das Übersprechen der einzelnen Leitungen reduziert, wird es nun möglich, die Datenraten zu steigern. Allerdings gilt Vectoring in der Telekommunikationsbranche als Übergangstechnologie, weil sie ebenfalls schnell an Grenzen stößt. Dennoch sollten die von der Telekom avisierten „mindestens 30 Megabit pro Sekunde“ in den meisten Fällen trotz IP-Telefonie, Cloud-Computing und Videonutzung noch lange ausreichen. In einigen Gebieten der Stadt gibt es parallel die Möglichkeit, Glasfaser-Anschlüsse der Stadtwerke Landsberg zu nutzen (FTTB). Außerdem bietet Vodafone (Kabel Deutschland) über das leistungsfähigere Kupferkoaxialnetz (das Fernsehkabel) Internet mit bis zu 200 Megabit pro Sekunde an. In diesem Fall beträgt die für Firmen und Freiberufler wichtige Uploadgeschwindigkeit 12 Megabit pro Sekunde.

Stadt spart erheblich

Für Bürger und Gewerbetreibende ist die jetzt gefundene Lösung also nicht optimal. Die Versorgung dauert noch Jahre und was „wesentliche Teile“ von Stadtgebiet und Bevölkerung sind, ist nicht definiert. Allerdings hatte die Stadt im Grunde keine Wahl – wenn die Telekom (wie es in der Fachsprache heißt) „hineingrätscht“, kann eine Kommune das nur zur Kenntnis nehmen und auf eine möglichst schnelle und vollständige Realisierung der Pläne hoffen.

Freilich spart die Stadt Landsberg nun auch erheblich Geld: Sie hatte dem Vernehmen nach eine Million Euro zurückgestellt und kann diese Rückstellung nun auflösen. Wenn die Telekom keinen eigenwirtschaftlichen Ausbau angekündigt hätte, wäre der nächste Schritt gewesen, sie oder andere Unternehmen zu bezuschussen. Den überwiegenden Teil der Kosten hätte dabei zwar der Freistaat übernommen; dennoch wäre bei der Stadt ein erheblicher finanzieller Aufwand entstanden.

Die Ankündigung der Telekom des eigenwirtschaftlichen Ausbaus des Gebiets der Kernstadt Landsberg bezieht sich nicht auf einige Außenbereiche wie etwa den Campingplatz Pössinger Au. Hier und in 13 weiteren Fällen hätte die Stadt die Möglichkeit gehabt, das Zuschussverfahren einzuleiten. Das hätte sie allerdings 418.000 Euro gekostet. Der Stadtrat hat diese Ausgabe in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig abgelehnt. Alternativen sind in diesen Bereichen LTE und Internet via Satellit.

Werner Lauff

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