An der Jahnstraße:

Herausforderung Obdachlosigkeit

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Nach Freisinger Vorbild (gefördert von der Regierung von Oberbayern) möchte die Stadt Landsberg im kommenden Jahr die Jahnbaracken durch neue Obdachlosenunterkünfte ersetzen. Veranschlagte Gesamtkosten: 2,5 Millionen Euro.

Landsberg – Die Stadt Landsberg will im kommenden Jahr mit dem Neubau einer Obdachlosenunterkunft an der Jahnstraße beginnen; insgesamt entstehen dafür Bau- und Planungskosten von 2,5 Millionen Euro. Weitere 1,1 Millionen werden wohl kurzfristig fällig, um Sofortmaßnahmen für Flüchtlinge zu schaffen, die Bleiberecht erhalten. In der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Stadtrats wurde aber deutlich: In beiden Fällen sind noch Fragen offen.

So viel steht fest: Die Obdachlosenunterkunft mit insgesamt 40 Plätzen soll anstelle der bisherigen Baracken nach einem in Freising (siehe Fotos) bereits erprobten Prinzip errichtet werden. Die Wohnfläche ist im Vergleich zu Sozialwohnungen minimiert, die Ausstattung ist sparsam, eine Unterkellerung entfällt. Besonders wichtig: Alle Wohnungen haben einen direkten Zugang zu der überdachten „Erschließungs- und Kommunikationszone“ zwischen den Häusern. So soll den besonderen Bedürfnissen der meist allein lebenden Obdachlosen Rechnung getragen werden. Auch die Ausstattung der Unterkunft unterscheidet sich von normalen Wohnungen. So sind beispielsweise die Betten im Boden verankert und nicht verschiebbar.

In Stiftungshand?

Allerdings waren sich die Ausschussmitglieder einig, dass die nun angepeilte Orientierung von Baracke in Richtung Heim die Notwendigkeit zur ganztägigen personellen (Sozial-) Betreuung nach sich zieht. Dafür sind noch keine Haushaltsmittel eingestellt. Ebenso wurde im Finanz­ausschuss deutlich, dass die Räume – anders als zuvor dargestellt – nicht zur Unterbringung von Flüchtlingen mit Bleiberecht dienen können. Unklar ist noch, wer Träger der Unterkunft sein soll. Viele Stadträte befürworten, dass die Heilig-Geist-Spital-Stiftung die Unterkunft finanziert und betreibt. Ob das allerdings mit dem Stiftungszweck vereinbar ist, muss noch geprüft werden.

In Sachen „Flüchtlinge mit Bleiberecht“ muss demzufolge zusätzlich etwas getan werden. Dazu deutete Kämmerer Peter Jung gleich am Anfang der Sitzung einen bislang unberücksichtigten Finanzbedarf von 1,1 Millionen Euro an. Es sei sehr wahrscheinlich, dass viele anerkannte oder geduldete Asylbewerber nicht auf dem Landsberger Wohnungsmarkt fündig würden. Sie und ihre Familien seien dann obdachlos und müssten zum Beispiel in Wohncontainern untergebracht werden. Dafür sei ab dem vorläufigen Abschluss des Anerkennungsverfahrens nicht mehr das Landratsamt, sondern die Stadt zuständig.

Stadtbaumeisterin Birgit Weber, die gerade von einer Konferenz zum Asylthema zurückkam, berichtete allerdings, dass Container und Traglufthallen komplett ausverkauft sind. Die Stadt gerät hier also möglicherweise in eine problematische Lage – Obdachlosigkeit wird zu einer größer werdenden Herausforderung.

400 Wohnplätze

Jost Handtrack (Grüne), der sich im Stadtrat um das Thema „Asyl“ kümmert, rechnete konkret vor, was auf Landsberg zukommt. Wenn man wie der Landrat von einer Anerkennungsquote von durchschnittlich 40 Prozent ausgehe sowie von 1.000 Flüchtlingen allein im Stadtgebiet (der KREISBOTE berichtete), müssten schnell 400 Wohnplätze geschaffen werden. Dabei sei der Familiennachzug noch nicht berücksichtigt. Außerdem beziehe sich diese Zahl nur auf eine Periode – wenn Fälle abgeschlossen sind, rücken neue Flüchtlinge nach.

Handtrack verwies darauf, dass seine Fraktion und die ÖDP mehrfach dafür plädiert hatten, Finanzmittel-Überschüsse nicht für Sondertilgungen von Darlehen zu verwenden, sondern als Haushaltsmittel für sozialen Wohnungsbau bereitzuhalten. Handtrack erneuerte diese Forderung im Ausschuss mit Nachdruck.

Werner Lauff

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