Kommentar: Zitierfähiges aus der Verwaltung

Woran denken Sie bei der Formulierung, es zeigt sich jemand „zugeknöpft“? Exakt, Sie gehen davon aus, dass eine bestimmte Person etwa auf eine Frage wortkarg und zurückhaltend reagiert, sie will sie nicht wirklich beantworten. Der Blick in den Duden verrät uns: Wer sich (umgangssprachlich) zugeknöpft oder unnahbar zeigt, ist „sehr auf Distanz bedacht, beantwortet jeden Versuch einer Annäherung mit kühler Zurückhaltung, ist abweisend.“ Es ist das gute Recht eines jeden Befragten.

KREISBOTEN-Redaktionsleiter Toni Schwaiger

In Landsbergs Stadtspitze liest man aus einem „zugeknöpft“ weit mehr heraus. OB Neuner echauffiert sich maßlos darüber, dass KREISBOTEN-Mitarbeiter Christoph Kruse in seinem Bericht „Städtische Seitenleiche“ mit eben jener Formulierung be­schreibt, dass Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart ausweichend darauf antwortet, warum das Informationsbedürfnis der Lands­berger auf der Stadt-Homepage nicht ebenso gestillt wird, wie in einigen Nachbargemeinden.

Welchem Umstand er, Kruse, diese Formulierung entnehme, und überhaupt, wie er eigentlich dazu komme, Mayr-Endhart zu zitieren ohne sie zuvor gesprochen zu haben – das und weitere Antworten fordert Neuner am Donnerstag via E-Mail ein – „mit freundlichen Grüßen“. Das Stadtoberhaupt unterstellt also einem höchst erfahrenen Journalisten, Zitate frei erfunden zu haben. Härter kann ein Vorwurf kaum mehr ausfallen, er ist absolut unbegründet.

Pikant dabei: Bevor der Oberbürgermeister Christoph Kruse um eine Stellungnahme „der guten Ordnung halber bis morgen Mittag“ (Freitag) ersucht, setzt er zusammen mit der Stadtjuristin besagten Vorwurf in die Welt: im nicht öffentlichen Teil der Stadtratssitzung. Nach Darstellung mehrerer Ratsmitglieder unterschiedlicher Fraktionen erweckten das Stadtober­- haupt und die Juristin den Eindruck, die Zitate seien frei erfunden. Sie ließen wissen, dass es „seit Monaten kein Gespräch“ mehr zwischen Kruse und Mayr-Endhart gegeben habe.

Was beide ganz offensichtlich verschweigen: Kruse ist bei seiner Anfrage im Rechtsamt so vorgegangen, wie es die längst getroffene Vereinbarung zwischen Stadt, hier OB Neuner, und den Medien vorgibt. Die (schriftliche) Anfrage erfolgt grundsätzlich beim Pressereferat, von dort gehen die Fragen an die dafür zuständigen Personen in der Verwaltung weiter. Die Antworten durchlaufen eine Prüfung im Rechtsamt, Pressereferat oder beim OB persönlich, erst dann erhält sie der Journalist zurück – mit Hinweis darauf, wer geantwortet hat. Insofern liegen der Presse damit zitierfähige Antworten vor. Insgesamt ein sehr aufwändiges, aber keineswegs ungewöhnliches Procedere. Im aktuellen Fall lässt es den direkten Kontakt zwischen Mayr-Endhart und Kruse also erst gar nicht zu.

Davon aber war in der nicht öffentlichen Ratssitzung keine Rede. Es ist ja nur eine „Angelegenheit der laufenden Verwaltung“. Lieber ließen Neuner und Mayr-Endhart die Ratsmitglieder im schlechten Glauben, Christoph Kruse würde Zitate in seinem Bericht frei erfinden. Ein unglaublicher Vorgang, der seinesgleichen sucht. Wie kann eine erfahrene Juristin so eine Vorverurteilung zulassen, geschweige denn gutheißen? Warum lässt sie den Beschuldigten vorab nicht zu Wort kommen? Will man einen allzu kritischen Journalisten diskreditieren?

Es ist Zeit für eine Richtigstellung und Entschuldigung bei Christoph Kruse, der korrekt vorgegangen ist! Das aber scheint weder für Stadtjuristin Mayr-Endhart noch für OB Neuner infrage zu kommen, im Gegenteil, der OB reagiert bis Redaktionsschluss nicht mal auf die von ihm gewünschte und überpünktlich eingegangene Stellungnahme des KREISBOTEN.

Toni Schwaiger

Meistgelesene Artikel

Ein Kreisverkehr ist out

Kaufering – Pendler, die morgens zur Hauptverkehrszeit auf der alten B17 in Richtung Landsberg unterwegs sind, kennen das Problem zur Genüge. Wenn …
Ein Kreisverkehr ist out

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Die Stadt vergisst, was sie zugesagt hat

Landsberg – Die Stadt hat den Bewohnern der Schwaighofsiedlung, dem Bauträger und den Interessenten für die 23 Reihenhäuser an der Jahnstraße im Jahr …
Die Stadt vergisst, was sie zugesagt hat

Kommentare