Happy Music und Schlager mit Sahne

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James Last und Udo Jürgens standen beim Konzert der Landsberger Stadtkapelle im Mittelpunkt. Da durfte „Mit 66 Jahren“ – gesungen von Gustav Adam – nicht fehlen.

Landsberg – Der eine ist der Erfinder des „Happy Sounds“, der andere wohl der größte deutsche Schlagerstar: Die Musik von James Last und Udo Jürgens bestimmte am Samstagabend im Ignaz-Kögler-Gymnasium das Programm der Landsberger Stadtkapelle. Gemäß dem James Last Orchestra der 80er in knallige Farben gekleidet brachte die Kapelle ihre knapp 400 Zuhörer zum begeisterten Mitsingen. Und hier und da war auch ein wehmütiger Seufzer zu hören.

„Es war kurz nach dem Tod von James Last letztes Jahr, als wir das Programm zusammengestellt haben“, erinnert sich Dirigent Martin Heller. Da auch Udo Jürgens Ende 2014 gestorben war, entschloss sich Heller, beide Musiker mit einem Konzert zu ehren. Mit swingendem Fingerschnipsen dirigiert er ganz in James-Last-Manier seine Musiker durch Songs wie „Happy Luxemburg“ oder „Happy Music“ – ja, nicht umsonst heißt Lasts Musikstil „Happy Sound“. „Ich habe mir gestern noch Videos angeschaut, damit ich das auch richtig rüberbringe“, erzählt Heller. Er habe sogar mit einer weißen Hose geliebäugelt, aber die habe dann leider nicht mehr gepasst.

Typisch für James Lasts Musik ist auch eine gewisse „Action“ auf der Bühne, die die Stadtkapelle übernahm: Abwechselnd standen die einzelnen Bläsergruppen auf, andere winkten, während Heller mit lässigen Gesten Taktakzente setzte. Unweigerlich erinnerte man sich an zahlreiche Fernsehabende, in denen das James Last Orchester für die musikalische Untermalung gesorgt hatte.

Das Herz des Publikums gewann die Stadtkapelle mit den Ohrwurm-Schlagern von Udo Jürgens: Schon im ersten Medley konnten die Zuhörer „17 Jahr‘ blondes Haar“ mitsummen und sich im Rhythmus von „Immer wieder geht die Sonne auf“ wiegen. Bei den ersten Takten von „Griechischer Wein“ war dann kein Halten mehr: Sänger Niklas Bückers, der mit seinem Swingtalent schon beim Ruethenfest begeistert hatte, brauchte nur das Mikro ins Publikum zu halten – denn das war absolut textsicher.

Jürgens hatte mehrere Texte, die nicht dem typischen „Schlagerschmalz“ entsprechen: Als Anerkennung für „Griechischer Wein“, in dem das Heimweh griechischer Gastarbeiter im Ruhrgebiet besungen wird, wurde Jürgens sogar vom griechischen Präsidenten Karamanlis in Athen empfangen. Dass Jürgens auch gerne Gesellschaftskritik übte, war dem Publikum offensichtlich bekannt. Denn auch bei „Ein ehrenwertes Haus“, in dem Jürgens das Spießbürgertum ankreidet, sangen viele leidenschaftlich mit.

Neben den Sängern Bückers und Kilian Sparrer, der ein mitreißendes „New York, New York“ zum Besten gab, kamen noch weitere Solisten zur Geltung: Daniela Wolf zauberte mit der Panflöte den durch Zamfir bekanntgewordenen „Einsamen Hirten“, Ruth Steffen und Wolfgang Turba griffen zum Akkordeon und natürlich durfte auch Jürgens „Mit 66 Jahren“ nicht fehlen. Das wurde dann ganz stilecht vom erst vor kurzem 66 Jahre alt gewordenen Schlagzeuger Gustav Adam mit Lederkäppi und Sonnenbrille dargeboten: „Das schönste Geburtstagsständchen, das ich jemals hatte“, wie er sagte.

Zum sanften Ausklang und als Dank ans Publikum spielte die Stadtkapelle mit der Unterstützung von Bückers schmelzender Stimme noch „Merci, merci Chéri“. Doch der begeisterte und langanhaltende Applaus rief nach mehr. Und so heizte die Band nochmals die Stimmung an: Den markanten Schlusssatz in dem Lied über eine Gruppe kuchenessender älterer Damen „dass der Herrgott den Weg in den Himmel ihr bahne“ ließ das Publikum nicht unbeantwortet: „Aber bitte mit Sahne!“

Susanne Greiner

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