Freundlich sein

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Für Stadtpfarrer Reiner Hartmann heißt es bald Abschied nehmen von seiner Engel-Kirche (Hintergrund).

Landsberg – Der Termin rückt näher: Am kommenden Wochenende wird Stadtpfarrer Reiner Hartmann seinen letzten Gottesdienst in „seiner“ Engel-Kirche feiern, danach heißt es Koffer und Kisten packen. Zurzeit ist er dabei, alles für seinen Nachfolger Gregory Herzel vorzubereiten, der am 1. September seinen Dienst antreten wird. Mit dem KREISBOTEN sprach Hartmann über die Jahre in Landsberg und seine neue Aufgabe.

Herr Pfarrer Hartmann, wenn Sie an ihren Amtsantritt vor zwölf Jahren zurückdenken, was haben Sie von der Pfarrei erwartet? 

Hartmann: „Heilig Engel“ war ja eigentlich meine heimliche Wunschpfarrei, daher hat es mich sehr gefreut, als ich gefragt wurde, sie zu übernehmen. Und es hat sich ja bewahrheitet, dass die Pfarrei und ich gut zusammenpassen.“ 

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an dieser Pfarrei? 

Hartmann: „Die Struktur der Besucher. Wir haben sehr viele Familien, die hier einen Platz gefunden haben und trotzdem eine vielfältige Altersmischung. Unsere Angebote sind für Jüngere und Ältere interessant. Allein unsere breiten musika­- lischen Möglichkeiten, vom klassischen Kirchenchor bis hin zu ,Church rocks‘ sorgen dafür, dass sich viele Menschen vom Glauben angesprochen fühlen. Dadurch gelingt, dass Jung und Alt etwas gemeinsam machen. Die meisten Besucher sind ganz ,normale’ Leute, die mitten in der Welt leben und trotzdem das Gefühl haben, sie wollen für sich mehr als Konsum und Profit, wollen sich tiefer verwurzeln. Außerdem liegt es auch an unserer Kirche selbst, sie ist Programm. Nicht so traditionell geprägt, durch die Rundform steht sie für das Miteinander. Das spricht die Leute emotional an.“ 

Wie sehen sie die Aufgabe des Pfarrers in einer so bunten Gemeinde? 

Hartmann: „Ich habe es persönlich immer so gehalten, dass ich als Pfarrer für eine positive Grundatmosphäre sorgen muss, den vielen Menschen, die sich mit ihrem Engagement einbringen möchten, Raum gebe. Mittlerweile sind es rund 400 Ehrenamtliche, dazu noch die vielen Ministranten.“ 

Eine Zahl, von der auch Bischof Zdarsa bei seinem Besuch sehr beeindruckt war. Wie kommt das? 

Hartmann: „Die Gemeinde ist ein Stück Heimat. Wenn ich mich menschlich angesprochen fühle, mache ich auch mit. Außerdem war es mir immer wichtig, dass möglichst viele Leute sich aktiv einbringen können. Ein sichtbares Zeichen dafür ist vielleicht, dass sich die Kinder zum Vaterunser um den Altar versammeln. Mein Wunsch, dass es am Sonntag so viele werden, dass sich der Kreis mindestens schließt, hat sich erfüllt.“ 

Was genau wird Ihre neue Aufgabe in Augsburg sein? 

Hartmann: „Meine Hauptaufgabe im Bischöflichen Ordinariat wird die Seelsorge für die rund 450 pastoralen Mitarbeiter der Diözese sein. Das heißt, ich bin Ansprechpartner und geistlicher Begleiter, gestalte Besinnungstage und ähnliches. Zudem werde ich den neuen Leiter des Seelsorgeamtes bei der konzeptionellen Arbeit unterstützen und dabei das Bindeglied zu den Gemeinden sein, um die Bedürfnisse der Pfarreien besser berücksichtigen zu können. Ich bin froh, in den letzten drei Jahren die Supervisions-Ausbildung gemacht zu haben, das wird mir dabei helfen.“ 

Die größte Veränderung für Sie privat? 

Hartmann: „Natürlich werde ich in Augsburg wohnen. In den zwölf Jahren ist viel Vertrauen entstanden und ich habe auch an vielen Schicksalen Anteil genommen. Darum fällt mir der Abschied auch nicht leicht. In zwölf Jahren sind mir Landsberg und viele Menschen ans Herz gewachsen. Als Stadtpfarrer war ich für eine Pfarrei da und damit gewissermaßen eine Person des öffentlichen Lebens – jetzt werde ich mehr als Seelsorger und geistlicher Begleiter tätig sein. Das heißt mehr unterwegs sein, aber auch manchmal mehr im Hintergrund sein können. Die Berge sind zwar weiter von Augsburg entfernt. Da ich allerdings schon in meiner Ausbildung in Augsburg eingesetzt war, gibt es dort immer noch menschliche Anknüpfungspunkte.“ 

Ihr „Tipp“ für Ihren Nachfolger? 

Hartmann: „So kompliziert ist das gar nicht. Man muss nur freundlich und offen für die Menschen sein.“ 

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute. Der Abschiedsgottesdienst von Stadtpfarrer Hartmann findet am kommenden Sonntag, 27. Juli, um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche „Zu den Heiligen Engeln“ statt.

Patricia Eckstein

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