Konkurrenzlose Kinderkrippen-Gebühren

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OB Mathias Neuner bekam vergangene Woche Besuch vom 21 Monate alten Maxi und seiner Mutter Jasminka Kösler. Maxi sei das erste angemeldete Krippenkind im Kinderhaus Römerauterrasse, meldete Pressesprecherin Simone Loderer.

Landsberg – Niedriger als in den anderen Einrichtungen in Landsberg sollten sie werden, die Elternbeiträge im neuen Kinderhaus, und zudem sozial gestaffelt. Daraus wird jetzt aber erst einmal nichts: Bei einer Gegenstimme (Henrik Lüßmann) beschloss der Stadtrat, dass für jedes Kind in der Krippe zwischen 220 und 377 Euro monatlich fällig werden.

Ab einer Betreuungszeit von mehr als sechs Stunden sind zusätzlich zwischen 30 und 50 Euro für die Verpflegung zu berappen. Da auch der August voll bezahlt werden muss, liegt der Jahresbeitrag damit zwischen 2640 Euro (3 bis 4 Stunden täglich) und 5124 Euro (10 bis 11 Stunden).

Damit liegt man deutlich über den Beiträgen vergleichbarer Einrichtungen im Landkreis und auch über dem Durchschnitt im Freistaat. In der jüngsten Bürgerversammlung und auch im Stadtrat war in den Monaten zuvor zwar war betont worden, dass die Beiträge in Landsberg auffällig hoch seien, die CSU hatte sogar über eine „Absprache“ spekuliert.

Davon war jetzt keine Rede mehr – Stadtjustitiarin Petra Mayer-Endhart verteidigte die Kehrtwende: „Man kann das nicht anders machen, wir müssen uns an den anderen Einrichtungen orientieren, weil wir noch nicht wissen, welche Buchungszeiten wir durch die Eltern haben werden.“ Damit sei eine Kalkulation gar nicht machbar, erläuterte sie auf Lüßmanns wiederholte Nachfragen. „Wenn Sie den worst-case und den best-case vergleichen, haben Sie eine so große Spanne drin, dass Sie den Elternbeitrag auch auswürfeln könnten.“

Auch Helmut Weber wollte nicht ohne weiteres zustimmen. „Wir sind in Landsberg teilweise 100 Euro im Monat teurer als im Landkreis und wissen nicht warum“, monierte der CSU-Fraktionschef, „warum setzen wir die Summe jetzt so hoch wie die anderen an?“ Eben diese hohen Elternbeiträge der Landsberger Einrichtungen verteidigte Mayr-End­- hart jetzt. Sie seien nur bedingt vergleichbar, „jede Kommune unterstützt ihre Kindertagesstätten anders, die meisten lassen darüber aber auch bei Nachfragen nicht viel raus.“ So habe man sich jetzt entschlossen, „nicht in Konkurrenz“ zu den anderen Krippen in Landsberg zu gehen. „Außerdem gehen wir davon aus, dass die Zahlen seriös ermittelt und nicht aus der Luft gegriffen sind.“ Zudem sei der Betrieb des neuen Kinderhauses durch den Rechtsanspruch der Eltern ab 1. August ohnehin teurer. „Wir müssen drei Reserveplätze pro Gruppe vorhalten“, so die Juristin „das führt zu einer Unterdeckung. Und die längeren Öffnungszeiten kosten natürlich auch mehr.

 Nur das Minimum

Wegen der hohen Beiträge in der Lechstadt hatte der Stadtrat bereits im Mai die Verwaltung beauftragt, die Verträge mit den Trägern zu überprüfen. Reinhard Skobrinsky (BAL) wollte dieses Ergebnis erst einmal abwarten, fand damit aber bei OB Mathias Neuner (CSU) kein Gehör: „Irgendwelche Zahlen müssen Sie den Eltern ja schon nennen, wenn die sich anmelden.“ Und irgendwie müsse man auch die Stellenausschreibung gestalten, wunderte sich Lüßmann. „Auf welcher Basis machen Sie das denn, wenn Sie gar keine Buchungszeiten haben und den Bedarf nicht kennen?“ Das sei „ein schwieriger Punkt“, räumte Petra Mayr-Endhart ein. Man habe bis jetzt eingestellt, was man an Personal „als Minimum“ brauche, den Rest versuche man jetzt parallel zu den Anmeldungen zu machen.

Auch die neue Leiterin des Kinderhauses, Anke Schmette, stellte klar: „Alles steht und fällt mit der Belegung des Hauses.“ Wie diese ausfallen wird, ist aber noch völlig offen. Für 25 Kindergarten- und 45 Krippenplätze haben bisher 48 Erziehungsberechtigte Gespräche mit ihr vereinbart. „Die Anmeldung ist bis Mitte August möglich“, so Schmette, „bis Mitte September wollen wir den Eltern dann die Zusagen geben oder auch die Absagen, falls das überhaupt nötig wird.“ Auch wenn auf der Facebook-Seite von OB Neuner bereits „der kleine Max“ (Foto) bei der „Einschreibung“ ins Kinderhaus abgebildet ist – bisher sind laut Schmette noch keine Verträge unterschrieben.

Die hohen Beiträge sollen nach dem Wunsch des Stadtrates aber nicht in Stein gemeißelt sein. Auf Antrag mehrerer Räte hin wurde in den Beschluss aufgenommen, dass die Summen nach einem Jahr überprüft und gegebenenfalls angepasst werden sollen. Auch über eine soziale Staffelung nach dem Einkommen der Eltern, eigentlich von Anfang an vorgesehen, soll dann beraten werden.

Barbara Juchem (CSU) war mit den jetzigen Beiträgen ohnehin nicht wohl: „Für Alleinerziehende sind das einfach horrende Summen.“ Mayer-Endhart ließ den Rat daraufhin wissen, dass die Tarife nach einem Jahr schnell angepasst werden könnten. „Wenn sich herausstellt, dass wir zu teuer sind und die Beiträge senken können, freue ich mich mindestens so wie Sie.“

Christoph Kruse

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