Die (Pflaster-)Vielfalt macht’s

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Wie in der Salzgasse auch soll in der Herzog-Ernst-Straße kleinteiliges gesägtes Pflaster verlegt werden.

Landsberg – Es sind 250 hart umkämpfte Quadratmeter: Schon der Bauausschuss hatte keinen gemeinsamen Nenner für die Neugestaltung der Herzog-Ernst-Straße nach der anstehenden Wasserleitungs- und Kanalsanierung gefunden, jetzt sollte es der Landsberger Stadtrat richten.

Trotz erneuter Vorgespräche zwischen den Fraktionen war man von Einigkeit aber weit entfernt. Mit 14:13 Stimmen fiel nach intensiver Diskussion die Entscheidung für ein „kleinteiliges, gesägtes Pflaster“ – wie in der Salzgasse.

Die Argumente auf beiden Seiten waren nicht sämtlich neu, wurden aber dennoch entschlossen ausgetauscht. „Wir haben Steine da liegen, die bezahlt sind, die Anwohner haben sich für dieses Pflaster ausgesprochen, dann müssen wir das doch auch machen, wenn wir es mit der Haushaltskonsolidierung irgendwie ernst meinen.“ Damit plädierte Christian Hettmer (CSU) für die Verwendung des überschüssigen „Hauptplatz-Pflasters“ in der Herzog-Ernst-Straße, zumal er Vorteile für die Zukunft sah: „Man muss auch an die Sichtachsen denken und wie das irgendwann am Holzmarkt und im Hinteranger weitergeht. Es wäre der falsche Weg, hier den Fleckerlteppich weiter zu befördern, den wir in Landsberg ohnehin schon haben.“

Genau entgegengesetzt sah das Henrik Lüßmann (Grüne). „Ich bin nicht dafür, dass wir unsere Innenstadt eintönig gleich pflastern. Gerade die Vielfalt macht doch auch den Charme einer mittelalterlichen Stadt aus.“ Das Pflaster am Hauptplatz sei ein „Kompromiss“, da dieser Bereich stark durch Verkehr belastet sei. „Den müssen wir hier nicht eingehen.“

Auf der städtischen Zwischenlagerfläche im Frauenwald liegen nach wie vor Pflastersteine aus China, die für rund 400 Quadratmeter reichen würden.

Bei den ästhetischen Aspekten wurde man sich in der Debatte somit nicht einig – bei den wirtschaftlichen ebenfalls nicht. „10000 bis 15000 Euro mehr“ würde eine kleinteilige Pflasterung kosten, zitierte Oberbürgermeister Mathias Neuner aus seinen Unterlagen, „dazu noch 5000 bis 10000, weil wir noch einmal neu planen müssten“. Wann das Pflaster überhaupt geliefert werden könnte, sei „völlig unklar“. Diesen Angaben widersprach Stadtbaumeisterin Annegret Michler wenig später auf Nachfrage aus dem Rat. Nach Berechnungen aus ihrer Abteilung sei lediglich mit Mehrkosten „von fünf- bis zehntausend Euro“ zu rechnen – Beschaffung und Planung bereits inklusive. Die mögliche Zeitverzö- gerung konnte Felix Bredschneijder (SPD) nach vorheriger Recherche in der Verwal- tung ebenfalls benennen: „zwei bis vier Wochen.“

Hans-Jürgen Schulmeister (LLM) zeigte sich angesichts der Debatte „irritiert über das bisherige Prozedere“ und gab zu Protokoll: „Es werden hier Mehrkosten vorgerechnet, die entstehen würden, weil die Verwaltung eine Planung gemacht hat, die so zuvor überhaupt noch nicht beschlossen worden ist. Und wir sollen jetzt dafür verantwortlich sein.“

Totes Kapital?

Auch weitere Zahlen aus der bisherigen Debatte kamen ins Wanken. „Wir verschenken ja die eingelagerten Steine nicht, sondern können die an anderer Stelle zum Einsatz bringen“, gab Wolfgang Neumeier (UBV) zu bedenken und rechnete vor: „Für die Herzog-Ernst-Straße hätten die 23000 Euro gekostet. Das kleinteilige Pflaster kostet nach Auskunft aus dem Bauamt rund 13000 Euro. Wenn ich höre, dass die Gestaltung in Richtung Hellmair-Platz ähnlich weitergehen soll, haben wir da ja sogar einen erheblichen geldwerten Vorteil.“ Dem wollte Petra Kohler-Ettner (CSU) nicht folgen. „Das ist doch kein geldwerter Vorteil, sondern einfach nur totes Kapital, das irgendwo herumliegt.“

Eine weitere Überraschung präsentierte Annegret Michler dann dem Gremium auf Nachfrage von Jost Handtrack (Grüne). „Wenn uns die Pflasterung 107000 Euro kostet, wie hoch ist überhaupt der Anteil der wirklich förderfähigen Kosten, für den wir Städtebauförderung bekommen?“ Die uner­- wartete Antwort der Stadtbaumeisterin: „Wir müssen zuerst die Ausbaubeiträge von den Anwohnern erheben, das ist so festgelegt. Es könnte sein, dass die Restsumme danach so gering ist, dass wir überhaupt keine Förderung bekommen“, so Michler, die als Vorbehalt aber anführte, „dass das jetzt in der Kürze der Zeit nicht genau festzustellen war.“ Bislang war stets eine rund 60-prozentige Förderung durch den Freistaat in den Raum gestellt worden, sollte die Straße „barrierefrei“ hergestellt werden.

Zum Schluss ging es von ursprünglich vier Varianten nur noch um zwei: Kleines Pflaster (wie in der Salzgasse) oder großformatiges (Verwendung des „Hauptplatz-Pflasters“)? Für letztere Lösung votierten neben der CSU (geschlossen) auch OB Mathias Neuner, Reinhard Skobrinsky (BAL), Stefan Meiser (ÖDP), Jost Handtrack (Grüne) und Axel Flörke (LLM) – eine Stimme zu wenig für die vom Oberbürgermeister favorisierte Variante. Auch die Wiederholung der Abstimmung auf Bitte von Stadtjustiziarin Petra Mayr-Endhart („Bei einem so knappen Ergebnis müssen wir schon sichergehen.“) erbrachte das selbe Ergebnis.

Christoph Kruse

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