Immer mehr und immer grauer

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Statistisch gesehen wird der Landkreis-Bürger immer älter, das geht aus dem Zahlenwerk „Statistik kommunal 2015“ nun hervor. „Oldie“ ist dabei Dießen – hier die Seniorenwohnanlage Färbergaßl.

Landkreis – Wir, die Bevölkerung des Landkreises Landsberg, werden immer mehr und immer älter. Das ist nur eine Erkenntnis, die sich mit einem Blick in das Zahlenwerk von „Statistik kommunal 2015“ gewinnen lässt, das das Bayerische Landesamt für Statistik vergangene Woche veröffentlicht hat. Insgesamt 2.300 Eckdaten aus den verschiedensten Bereichen bereitet die Sammlung auf. Unter anderem mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Verkehr, Politik oder Bildung. Und eben in Hinblick auf die Bevölkerung, die zwar stetig zunimmt, aber auch, zumindest zahlenmäßig, ergraut. Ein kleiner Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Landkreises.

„Stirb an einem anderen Tag“, dieser Titel eines James-Bond-Streifens könnte gleichzeitig als das Motto des Deutschen durchgehen, denkt er an die demographische Entwicklung seines Landes. Er könnte sich als aussterbende Spezies betrachten, hört er die wiederkehrenden Meldungen, dass die Geburtenraten niedrig und die Alterung der Gesellschaft rasant sind. Dass sich die Parteien immer mehr den Interessen der wachsenden älteren Wählerschaft zuwenden müssen, um nicht an Stimmen zu verlieren, machte zuletzt vermehrt die Runde. Der Begriff des Demographischen Wandels ist allgegenwärtig. Und natürlich lässt sich nicht leugnen, dass die Gesellschaft überall altert und vielerorts abnimmt. Soweit, so klar, doch wie stellt sich die Situation im Landkreis dar? In seiner jüngsten Veröffentlichung „Statistik kommunal 2015“ wirft das Bayerische Landesamt für Statistik schlaglichtartig den Fokus auf einige Bereiche. Rund 2.300 ausgewählte statistische Kenngrößen mehrerer Themenkomplexe werden für die bayerischen Landkreise erörtert. So auch die jeweilige demographische Lage.

Der Statistiker unterscheidet zwischen zwei großen Faktoren, die die Bevölkerungsentwicklung prägen: Da gibt es die sogenannte Natürliche Bevölkerungsbewegung, also den Saldo aus Geburten und Sterbefällen – und andererseits die Wanderungen. Also Zu- und Fortzüge im jeweils betrachteten Gebiet.

Dass im Jahr 2014, für das die neuesten Zahlen vorliegen, mehr Menschen in den Landkreis kamen als umgekehrt, dürfte keine Überraschung darstellen. 8.586 zugezogenen Personen standen 7.416 gegenüber, die die entgegengesetzte Richtung einschlugen. Der Saldo ist mit 1.181 Menschen positiv. Das war er auch schon in den Vorgängerjahren, doch seine Größe ist beispielsweise gegenüber 2013 (692) bemerkenswert.

Mehr Geburten

Auch auf natürlichem Wege nahm die Bevölkerung im Jahr 2014 zu. Genau 964 neue Erdenbürger erblickten das Licht der Welt, 953 Personen im Landkreis verstarben. Einen leicht positiven Saldo hatte es zuletzt 2012 gegeben. Man darf auf die Zahlen für 2015 gespannt sein. Denn dieses Jahr gilt als geburtenstärkstes in ganz Deutschland seit der Jahrtausendwende. Und der Landkreis liegt anscheinend voll im Trend: So hatte beispielsweise Wilhelm Böhm, Bürgermeister der im Vergleich außerordentlich jungen Gemeinde Hurlach, sein Dorf Ende Juli auf neuem „Rekordkurs“ gewähnt. Woher der aktuelle Kindersegen kommt, darüber herrscht in der Wissenschaft noch keine abschließende Einigkeit. Klar ist aber, dass die geburtenstarken Jahrgänge 1981 bis 1991 in ein Alter kommen, in dem man sich vermehrt zur Familiengründung oder -vergrößerung entschließt.

Deren Eltern, die „Babyboomer“ der Jahrgänge 1955 bis 1965 tragen derweil ihren Teil dazu bei, dass die Alterung der Gesellschaft auch im Landkreis deutlich zutage tritt. Lag das Durchschnittsalter hier im Jahr 2005 noch bei 40,4 Jahren, steigt es seitdem stetig an auf heute 43,0. Und ein Ende ist dabei nicht in Sicht, wie eine andere Datensammlung, das „Demographische Profil“ des Landesamts aus dem Jahr 2015 verdeutlicht: Bis 2034 steigt das hiesige Durschnittsalter auf 46,6 Jahre an, so die Prognose. Dabei baut man den „Vorsprung“ zu Oberbayern deutlich aus und überholt gar den Durchschnittswert des gesamten Freistaats.

Oldies und Jungspunde

Das verdeutlicht: Der Landkreis altert nicht nur in großem Maße, sondern auch außerordentlich schnell. „Oldie“ ist derzeit Dießen (46,8), „Jungspund“ Hurlach (38,6). Landsberg rangiert bei 42,8 Jahren im Durchschnitt, Kaufering bei 44,1. Bis 2034 altern Landsberg, Dießen und Kaufering voraussichtlich auf 46,6 Jahre, sowie 50,5 und 47,3.

Daran ändern auch die erwähnten, möglicherweise wieder steigenden, Geburtenzahlen nichts. Bis 2034 nimmt die Anzahl der Über-65-Jährigen um 56,5 Prozent zu.

Richtet man den Blick auf die Entwicklung der Bevölkerungszahlen zeigt sich, dass der Landkreis stetig wächst. Ende des Jahres 2014 lebten hier 116.118 Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr ein satter Zuwachs um 1.192 Personen beziehungsweise ein Prozent. Ende 2005 waren es noch 112.080 Landkreisbürger gewesen. An dieser Stelle unternimmt „Statistik kommunal“ übrigens einen historischen Ausflug und nennt beispielsweise die Bevölkerungsgrößen der Jahre 1840 (28.571), 1900 (36.358) oder 1939 (45.528). Eine Prognose, wie es diesbezüglich weitergehen könnte, hält derweil wieder das „Demographische Profil“ parat: Im Jahr 2034 wohnen ihm zufolge 126.200 Personen im Landkreis. Dabei dürften 34 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt sein. Heute sind es mit 25 Prozent bei 116.100 Einwohnern rund ein Viertel.

Rasso Schorer

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