Steinpilze sind seine Passion

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Da strahlt der Vater mit der Tochter um die Wette: Stefan und Amelie Filgertshofer sind im „Ochsenfilz“ fündig geworden, die Steinpilzsaison ist eingeläutet.

Rott – Es ist Samstagmorgen, sehr früh. Man hat noch nicht einmal das Siebenuhrläuten vernommen, da sind Stefan Filgertshofer und Tochter Amelie bereits in einem Waldstück zwischen Rott und Dießen unterwegs. Sie sind auf der Suche nach dem „König der Pilze“, dem Steinpilz – und werden fündig.

„Sein Geschmack ist einzigartig“, schwärmt Filgertshofer, „und wenn ich einen finde, freue ich mich noch immer wie ein kleines Kind.“ Tochter Amelie nickt bestätigend und verschwindet bereits wieder im nächsten Unterholz. So findet der 42-Jährige Zeit, zu erzählen: „Ich bin bereits als Dreijähriger mit meinem Vater in die Schwammerl gegangen, und dieser schon mit seinem Vater. Und noch heute fängt es bereits Ende Juli an, zu kribbeln. Wenn ich dann Urlaub habe, bin ich jeden Tag unterwegs, und meistens ist Amelie mit von der Partie. Sie hat sich auch schon früh mit dem Steinpilzvirus infiziert.“

Kurze Zeit später ist ein lautes Rufen zu vernehmen. Die Tochter scheint etwas gefunden zu haben. Filgertshofer eilt zu seiner Tochter und schneidet eine Marone ab. Steinpilze haben die beiden heuer noch keine gefunden, obgleich die Saison eigentlich schon begonnen hat. Doch der „Boletus edulis“, so der lateinische Name, scheint noch auf sich warten zu lassen.

Spitzenjahr

Das Jahr 2012 war dagegen ein echtes Rekordjahr, wie allenthalben zu lesen war. Auch die beiden Filgertshofers fuhren eine reiche Ernte ein: „Insgesamt 20 Kilo Steinpilze kamen im September zusammen. Dabei lasse ich immer ein paar stehen, so dass sich auch andere Leute noch an deren Schönheit erfreuen können. 2012 war echt ein Spitzenjahr.“ 

Wir ziehen weiter, Stunde um Stunde vergeht. Vater und Tochter suchen den Waldboden akribisch ab, hinter jedem Strauch, unter jedem Baum wird nachgesehen. Doch es ist wie verhext, kein Steinpilz ist zu finden. Wir wechseln mehrmals den Standort und es sind zahlreiche andere Suchende zu sehen, an deren Körben und Minenspiel zu erkennen ist, dass sie ähnlich erfolglos sind. Interessant dabei, anhand der Autokennzeichen abzulesen, von wo die Leute überall herkommen, die in der Umgebung von Rott auf Pilzsuche gehen: mehrere Münchner, ein Tölzer, zahlreiche Weilheimer, Ostallgäuer und ein Garmisch-Partenkirchner. Auf der Heimfahrt am späten Nachmittag entdeckt Amelie schließlich noch einige Wiesenchampignons auf einer Kuhweide. Neben den wenigen kümmerlichen Maronen füllt sich der Pilzkorb wenigstens noch ein etwas. Doch trotz allem ist den beiden die Enttäuschung anzusehen.

Im "Ochsenfilz"

Eine Woche später, wir sind wiederum in einem Waldgebiet in der Rotter Umgebung. Wo genau, das möchte Filgertshofer nicht preisgeben, doch es ist in der Nähe des „Ochsenfilz“ genannten Waldstücks. Hier wurde früher Torf gestochen, entsprechend feucht ist der Boden. „Die alten Rotter erzählen, dass Wanderer, die sich hier verirrt haben, oftmals erst nach Tagen wieder herausgefunden haben. Also Vorsicht“, lacht Filgertshofer. Wiederum suchen die beiden Parzelle für Parzelle präzise ab. Als sie sich bereits auf den Rückweg zum Auto machen, stoppt Filgertshofer schließlich abrupt. Er hat etwas entdeckt, eine ganze Steinpilzfamilie. Sorgsam schneidet er einen nach dem anderen ab, drei lässt er tatsächlich stehen.

Danach bedeckt er die Stelle wieder mit Waldboden. „Das ist wichtig, um das Myzel nicht zu schädigen. Ein Gutteil des Pilzes ist unter der Erde, was wir ernten, ist ja lediglich der Fruchtkörper.“ Mit sechs Steinpilzen treten die beiden an diesem Tag den Heimweg an. Zu Hause angekommen, übergibt er den Fund seiner Frau Renate. „Für das Sammeln bin ich zuständig, für die Zubereitung meine Frau. Sie versteht sich darin, Steinpilze richtig zuzubereiten.“ Er lässt sich in seinen Sessel fallen, lehnt sich zurück und ergänzt zufrieden: „Und nach diesem Einstieg geht die Saison jetzt richtig los!“

Dominik Oppermann

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