Auf dem Steg ins Schutzgebiet

Die Naturbeobachtungsstation am Südende des Ammersees ist am Freitag er­- öffnet worden. Das dortige Areal ist Teil des rund 600 Hektar großen Naturschutzgebietes „Vogelfreistätte Am­mer­see Süd“. Es ist für Besu­- cher aus Gründen des Vogelschutzes nicht frei zugänglich und ist Teil des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“. Um den Menschen trotzdem einen freien Blick auf die dortige Vogelwelt zu ermöglichen, zugleich aber das Biotop zu schonen, wurde die Anlage errichtet.

„Wachtelkönig und Bekassine vertragen den Menschen nur in bestimmten Dosen“, betonte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Die Naturbe­obach­tungsstation ist für ihn ein „Pilotprojekt und erster Baustein“, um Naturschutz und Tourismus in Einklang zu bringen. Die damit einhergehende positive Besucherlenkung sei besser als die Situation zuvor. Zudem sollten weitere Bausteine folgen – etwa Ruhezonen und Schutz­maßnahmen. Richtige Entscheidung Laut Landrat Walter Eichner dürfen Besucher jetzt auch während des Betretungsverbotes vom 1. März bis 31. August über den Steg zum Beobachtungsturm in das Naturschutzgebiet gehen. Natürlich bringe solch ein Projekt auch Beeinträchtigungen in diesen sensiblen Bereich mit sich, so Eichner. Dennoch ist sich der Land­- rat sicher, dass diese deutlich geringer sind, als ungelenkte Besucherströme. Auch für Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch war es die richtige Entscheidung, die Naturbeobachtungsstation zu errichten. Jetzt hofft er auf die Akzeptanz der Bevölkerung und der Kritiker, die vor allem das Betreten des Schutzraumes in den Sperrzeiten monieren. Als Gastredner sprach der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Ludwig Sothmann. Er bezeichnete den Ammersee als artenreichstes Gebiet unserer Heimat. „Mit der Maßnahme wird eines der Top-Naturschutzgebiete, ein Hot­spot der Biodiversität in einem ausgesuchten Teilbereich erschlossen, damit die Menschen die Faszination der Schöpfung live erleben können.“ Im Jahr der Biodiversität geht es ihm darum, „die natürliche Vielfalt als zentrales Immunsystem des blauen Planeten zu erhalten“. Dazu müssten möglichst viel Menschen mit auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein genommen werden. Die Anlage in Dießen sei ein Schritt in diese Richtung. „Es ist wichtig, dass die Menschen die Natur als gemeinsames Erbe und Schatz begreifen“, betonte Sothmann. Vielfältige Infos Und so können sich nun Besucher entlang des Steges durch Informationstafeln bilden und seltene Pflanzen- und Tierarten erleben. Dazu gehören unter anderem 14 Orchideenarten und seltene Vögel wie Blaukehlchen und Schwarzmilan. Den kirchlichen Segen erhielt die Naturbeobachtungsstation durch die Pfarrer Manfred Mayr und Christoph Jokisch. Blick in die Natur Die Naturbeobachtungsstation ist behindertengerecht und besteht aus einem 200 Meter langen und 1,60 Meter breiten Steg, der in das Naturschutzgebiet führt, sowie einer zweistöckigen, etwa sieben Meter hohen Aussichtsplattform. Besonders der Witterung ausgesetzte Teile bestehen aus Lärchenholz, die Gründungspfähle sind aus Eiche, der Rest besteht aus Fichtenholz. Die Kosten belaufen sich auf 170000 Euro. Der Freistaat und die EU fördern das Projekt mit rund 100000 Euro, die Sparkasse Landsberg-Dießen steuert 30000 Euro bei, 6000 Euro gibt’s vom Erholungsgebietsverein Augsburg und 14000 Euro bezahlt der Landkreis Lands­- berg. Die Marktgemeinde Dießen übernimmt den Unterhalt der Anlage.

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