Ein Storch mit einem Vogel?

+
Das Storchenpaar auf dem Klosterdach hat derzeit noch zwei Eier in seinem Nest – ursprünglich waren es wohl einmal fünf.

St. Ottilien – Es herrscht wieder Leben im Storchennest auf dem Klosterdach von St. Ottilien. Ein Storchenpaar hat sich dort niedergelassen und brütet zwei Eier aus. Doch die Harmonie täuscht. Die beiden Eier sind alles, was von einem größeren Gelege übrig geblieben ist.

Ursprünglich seien es fünf Eier gewesen, wird aus dem Kloster berichtet. Drei davon hat der Storchenmann aus dem Nest geworfen. Eins landete auf dem Klosterdach, ein anderes liegt noch gut sichtbar auf dem mit Reisig beflochtenen Nistradl. „Möglicherweise ist das Männchen verhaltensgestört“, sagt Pater Theophil Gaus. Ein Storch, der einen Vogel hat? Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die der Pater nicht ausschließen will: Infantizid, das Töten der Nachkommen eines fremden Männchens. Möglicherweise stammten die ersten Eier des Geleges nicht vom jetzigen Hausherrn im Horst. Denn zu Beginn der Saison ging es hoch her auf dem Klosterdach. 

Umgezogen 

„Die Storchenszene ist sehr im Fluß“, ließ Pater Theophil Mitte April die Vogelbeobachter der Region wissen. Er habe den Überblick darüber verloren, „wer mit wem da oben auf dem Horst sitzt und welche Gäste sich einstellen“. Dabei sind Störche eigentlich monogam, oft über Jahre hinweg. Doch das Pärchen, das die letzten beiden Jahre in St. Ottilien brütete, hat sich heuer anderswo niedergelassen. Die beiden Vögel sind in Raisting gesichtet worden. Das Phänomen Infantizid kenne man von einigen Säugetierarten, zum Beispiel Löwen, so der Pater, der am Gymnasium St. Ottilien Biologie unterrichtet. Die Männchen wollen, dass sich ihre eigenen Gene weiter vererben und nicht die eines anderen. Bei Störchen sei dieses Verhalten ungewöhnlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, meint Reinhard Grießmeyer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Ammersee. Inzwischen habe der Storchenmann sich beruhigt, berichtet Theophil Gaus. 

Die übrig gebliebenen Eier dürften also sicher sein. Ob gesunde Küken daraus schlüpfen, bleibt abzuwarten, denn eines der Eier sei „seltsam braun“. Dafür hat bisher niemand eine Erklärung. „Storcheneier sind normalerweise weiß“, sagt Grießmeyer. Doch selbst wenn die Küken geschlüpft sind, ist ihr Überleben keineswegs garantiert. Die kleinen Störche sind empfindlich. Seit im Jahr 2003 der Horst auf dem Klosterdach errichtet wurde, sind alle Jungvögel plötzlichen Kälteeinbrüchen oder Unwettern zum Opfer gefallen.

Ulrike Osman

Meistgelesene Artikel

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Landsberg – Er ist zweifellos der vielseitigste aber auch streitbarste Schauspieler und Filmemacher Deutschlands: Til Schweiger. Mit rund 50 …
Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Kommentare