Zoff in der Obdachlosenunterkunft

"Ich wollte in die Luft schießen!"

+
Weil er seinen Nachbarn mit einer Schreckschusspistole (Symbolbild) bedrohte, wurde ein 62-jähriger Landsberger jetzt zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Landkreis – Weil ein Nachbar seiner Meinung nach zu laut Musik hörte, hat ihn ein 62-jähriger Landsberger mit einer Schreckschusspistole bedroht. Deshalb stand er jetzt wegen Nötigung und unerlaubten Führens einer Schusswaffe vor dem Amtsgericht.

Der Vorfall ereignete sich vor zwei Monaten vor den Obdachlosenunterkünften in der Jahnstraße. Ein Bewohner saß mit zwei Bekannten draußen, man unterhielt sich und hörte Musik. Der Angeklagte fühlte sich gestört und stürmte kurz nach 22 Uhr mit einer Schreckschuss­pistole aus seiner Wohnung. Er soll den Nachbarn mit einer Taschenlampe geblendet, die Waffe auf dessen Kopf gerichtet und ihn angeschrien haben, er solle sich „verpissen“.

Diesen Teil der Anklage bestritt der 62-Jährige. Dass er mit der Pistole bewaffnet gewesen war, gab er allerdings zu. „Ich wollte in die Luft schießen.“ Das misslang, weil er mit seinen rheuma­tischen Fingern den Hahn nicht habe spannen können – „ich hatte nicht die Kraft zum Abdrücken“.

Der Nachbar mache „Stress“, seit er dort wohne. „Der schlägt sofort zu. Ich hatte Angst, verletzt zu werden“, beteuerte der Angeklagte. Das Trio habe Alkohol getrunken – der 62-Jährige aber wohl auch, denn die hinzugerufene Polizei ließ ihn später in der Ausnüchterungszelle übernachten.

„Es war mir bewusst, dass ich die Waffe außerhalb meiner Wohnung nicht führen darf.“ Das räumte der Angeklagte im Zuge seiner weitschweifigen Aussage ein. Zwischendurch berichtete er, dass ihm allerlei Ungerechtigkeiten widerfahren seien und er sich bedroht fühle. „Hier bei uns sind Sie in Sicherheit“, beruhigte Kessler den ehemaligen Speditionskaufmann.

Dass das Mitführen der Waffe dem Mann auch zur Selbstverteidigung verboten war, betonte Staatsanwältin Alexandra Krug in ihrem Plädoyer. Sie riet dem Landsberger, nicht immer davon auszugehen, „dass ihm jeder etwas Schlechtes will“. Ihrem Antrag – sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung – folgte Richter Kessler unter anderem deshalb, weil der 62-Jährige bereits wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft war. Er soll in der nächsten Zeit Unterstützung von einem Bewährungshelfer bekommen.

"Ja, weil Sie‘s sind"

Der Angeklagte dachte zunächst noch laut darüber nach, ob er gegen die Entscheidung bis „vor das oberste amerikanische Bundesgericht“ ziehen solle. Auf Kesslers Frage, ob er mit dem Urteil einverstanden sei, entgegnete er dann aber: „Eigentlich nicht, aber ich sag‘ ja, weil Sie‘s sind.“ Seine Schreckschusswaffe bekommt er nicht zurück, und die Platzpatronen, die er noch zu Hause hat, will er bei den Behörden abgeben.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Ulrike Osman

Meistgelesene Artikel

Vier Etagen und viel Licht

Landkreis – Es sei lediglich eine „graphische Umsetzung des Flächenbedarfs; kein Plan, keine Lösung“, betont Hochbauamtschef Christian Kusch mit …
Vier Etagen und viel Licht

Ein Londoner Architekt formt den Lechsteg

Landsberg – Der aus Deutschland stammende Architekt Dirk Krolikowski vom Londoner Architekturbüro DKFS wird gemeinsam mit dem Münchener Ingenieurbüro …
Ein Londoner Architekt formt den Lechsteg

Keine "Blutmahlzeiten" mehr

Eching – Im letzten Sommer, geprägt von starken Regenfällen und Hochwasser, war es besonders schlimm mit der Mückenplage rund um den Ammersee. …
Keine "Blutmahlzeiten" mehr

Kommentare