Symbolisches Fest zur Halbzeit

Ob fertig oder nicht – traumhaftes Wetter lockte am Samstag viele Lechstädter und Besucher in die Altstadt zum Einkaufen und zum Halbzeitfest „Tischlein deck Dich!“. Foto: Kruse

Seit über einem Jahr war klar: Spätestens am 31. Oktober 2012 sollte „Bauabschnitt 1“ auf dem Hauptplatz abgeschlossen sein – immer unter dem Vorbehalt, dass im Sommer nicht wegen schlechten Wetters die Arbeiten wochenlang ruhen müssten. Bis zur Salzgasse wäre gepflastert, die Baustelle würde winterfest gemacht und der Platz für den Durchgangsverkehr bis März wieder geöffnet. Die Schlecht­- wetterperiode im Sommer blieb aus, der Termin wird sich trotzdem nicht halten lassen, das ist jetzt bestätigt.

Das Datum hatte sich in den vergangenen Monaten bereits „schleichend“ verschoben. In einem Faltplan war der Hauptplatz im November plötzlich sowohl auf als auch zu. Bei der Stadt ging man in der vergangenen Woche sogar von einer Fertigstellung und Öffnung der Fahrbahn „frühestens Ende November“ aus (der KREISBOTE berichtete). Eine bittere Pille für die Einzelhändler in der Innenstadt, denen zugesichert worden war, dass der Hauptplatz zumindest in dem für sie so wichtigen Vorweihnachtsgeschäft ab 1. November von beiden Seiten befahrbar wäre. Beim „Halbzeit-Fest“ am vergangenen Samstag revidierte OB Mathias Neuner (CSU) dieses Datum erneut: Er gehe davon aus, dass der Platz „in drei bis vier Wochen“ wieder offen sein werde. Auf Nachfrage konkretisiert das Stadtoberhaupt: „Wir wollen vielleicht sogar etwas weiter pflastern, bevor es schneit, da kann man kein Datum nennen.“ Definitiv solle der Hauptplatz aber vor dem Beginn des Christkindlmarktes (30. November) geöffnet werden. Die CSU favorisiert dabei offenbar eine Einbahnstraßen-Lösung – von der wiederum vorher noch nie die Rede war (siehe Bericht unten). Die Ungereimtheiten fügen sich in ein Gesamtbild, das die Kommunikation der Stadt gegenüber ihren Einzelhändlern und Bürgern nicht gut aussehen lässt. Stadt-Pressesprecherin Eva Schatz bekräftigte ge­- gen­über dem landsbergblog in der vergangenen Woche, man gehe von „Ende November“ aus. Dies sei aber „schon immer so geplant und den Einzelhändlern und Anwohnern nie anders mitgeteilt worden“. Das ist nachweislich nicht korrekt. Zum einen sagten sowohl der damalige OB Ingo Lehmann (SPD) und Tiefbauamts-Chef Hans Huttenloher persön­- lich in einer nicht öffentlichen „Infoveranstaltung" am 24. Oktober 2011 gegenüber Anwohnern und Einzelhändlern zu, dass der Hauptplatz ab 31. Oktober 2012 „sicher, falls es das Wetter erlaubt“, wieder geöffnet werden solle. Dieselbe Info wurde auch in den stadteigenen „Hauptplatz-Nach­richten“ in Druckversion und im Internet veröffentlicht (siehe Ausriss). Das entsprechende Dokument wurde allerdings inzwischen sowohl von der Internet-Seite der Stadt Landsberg als auch von www.hauptplatz-landsberg.de entfernt. In den vergangenen Monaten blieb man dabei, dass man „dem Zeitplan voraus“ sei oder zumindest „davon ausgeht, dass man den Zeitplan halten kann“. Auch Lehmanns Nachfolger sagte auf Nachfrage noch im Juli, es spreche „aus jetziger Sicht nichts gegen die Öffnung Ende Oktober“. Zahlreiche Lechstädter, die ihren Tag zumindest teilweise auf der Hauptplatzbaustelle verbringen, zweifeln längst daran - offenbar zurecht. „Die Pflasterar­- beiten sind nicht im Soll, da es in den vergangenen Wochen einige Regentage gab“, räumt Eva Schatz auf Anfrage des KREISBOTEN ein. Sie gibt auch weiter, was Huttenloher zur Bürgerkritik – „Da waren nie sechs Pflasterer-Trupps, wie versprochen, im Einsatz!“ – sagt: „Man muss natürlich Urlaubs- und Krankheitstage sowie Schlechtwetter einkalkulieren. … Es ist nicht ganz einfach, die Trupps gegeneinander auszutauschen, weil jeder seine Arbeitsweise hat. Wenn an einer Stelle gerade nicht gearbeitet werden kann, macht es teilweise keinen Sinn, an anderer Stelle fortzufahren, weil das Arbeitsergebnis verschlechtert würde.“ Beim Pflastern hinkt man dem Zeitplan also hinterher, dafür hat man andere Arbeiten Richtung Sparkasse vorgezogen, die für 2013 geplant waren und will auch den Kanal an der Nordseite noch in Angriff nehmen. Insofern habe man „ein gewisses Polster“. Damit wird allerdings die Fahrbahn nicht früher fertig. Auf der Broschüre, mit der zum Fest am vergangenen Samstag geladen wurde, bleibt die Stadt trotzdem dabei: „Der halbe Umbau ist geschafft!“ Dass dem bei genauer Betrachtung nicht so ist, erklärt man in der Stadtverwaltung auf Nachfrage so: „Das Halbzeitfest ist symbolisch zu sehen.“ Der Termin sei aus Wettergründen vom Einzelhandel so früh gewünscht worden. Den zahlreichen Besuchern des Festes waren die Terminsorgen ohnehin egal: Bei über 20 Grad gab es vom Soundlaster am Klostereck ein Gratis-Konzert und OB Neuner spendierte 30 Liter Freibier – die Stimmung war bestens. Bestmögliche Erreichbarkeit Landsberg – Die CSU-Fraktion im Stadtrat wagt einen Vorstoß, der bereits erregt diskutiert wird, bevor er überhaupt im Stadtrat angekommen ist: Wie im KREISBOTEN berichtet, soll der Hauptplatz nur noch einspurig von West nach Ost befahren werden dürfen – zu­nächst während der anstehenden Baupause im Winter. In der Gegenrichtung sollen die Verkehrsteilnehmer weiterhin über Schlossergasse, Hinteranger, Sandauer Brücke und Von-Kühlmann- beziehungsweise Augsburger Straße fahren. Auf den Weg gebracht hatte den Antrag im Namen seiner Fraktion Helmut Weber. In seinem Schreiben vom 8. Oktober an OB Mathias Neuner, deutet der Fraktionschef an, dass diese Lösung auch dauerhaft vorstellbar sei. Nach der ersten Umbauphase, während der das prognostizierte Verkehrschaos ausgeblieben ist, sollte nach Ansicht der Christsozialen der „Testlauf eines innerstädtischen Ringverkehrs“ durchgeführt werden. Das sehen nicht nur etliche Anwohner des Hinterangers, die über stundenlangen Kolonnenverkehr in den Stoßzeiten und am Samstag klagen, anders. Auch die „AG Innenstadt“, die seit Beginn des Hauptplatzumbaus die Einzelhändler bei der Stadt Landsberg vertritt, hält nichts von den CSU-Plänen. Sie spricht sich „klar für die ursprünglich geplante Öffnung der Durchfahrt in beide Richtungen aus.“ Die Belastung des Hinterangers während des Sommers sei „maximal“ gewesen, so die fünf Unterzeichner des AG-Papiers, zudem sei das Pflaster dort deutlich lauter als jetzt am Hauptplatz. Die Öffnung des Platzes in beide Richtungen werde zu einer Umverteilung und erheblichen Reduzie­- rung des Verkehrs im Hinter­anger führen. Dies sei auch deshalb nötig, weil der Verkehr jetzt wieder zunehmen werde: „Wir wissen, dass Autofahrer von außerhalb die Stadt gemieden haben und damit insgesamt weniger Durchgangsverkehr verursacht haben und zum anderen viele Landsberger im Sommerhalbjahr mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren sind.“ Einige CSU-Ratsmitglieder sehen den Antrag ihrer Fraktion auch durch das Verkehrsgutachten von Prof. Hermann Knoflacher gedeckt. Der Verkehrsexperte aus Wien taugt in diesem Fall allerdings als Referenz nicht wirklich. In seinem Gutachten empfiehlt Knoflacher ausdrücklich, den Verkehr nach wie vor in beide Richtungen über den Hauptplatz zu führen. Das will auch die AG Innenstadt: „In den für viele Einzelhändler umsatzstärksten Wochen des Jahres muss die bestmögliche Erreichbarkeit der Altstadt gewährleistet sein“, schreiben Michael Vivell und seine Mitstreiter in ihrer jüngsten Stellungnahme. Im Moment ist noch nicht einmal klar, wann der Antrag im Stadtrat beraten wird. Auf der Tagesordnung für den heutigen Mittwoch steht er nicht, die nächste Sitzung ist erst Ende November.

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Breitband, Straßen, Seeanlagen

Dießen – Kaum Anlass zu Rückfragen und Diskussionen hat der Haushaltsplan 2017 gegeben, den Kämmerer Max Steigenberger am Montag erneut im …
Breitband, Straßen, Seeanlagen

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Kommentare