Landsberger Tafel feiert Geburtstag

Jubiläum mit Sorgenfalten

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Marlies Klocker (rechts) und Barbara Berke verzeichnen als Vorsitzende der Tafel steigenden Bedarf und nachlassende Spenden. Auch die ungeklärte Standortfrage macht Sorgen.

Landsberg – Seit nunmehr zehn Jahren gibt es sie, die Landsberger Tafel, die am 24. Juni ihr Jubiläum begeht. Bisweilen taucht sie im öffentlichen Bewusstsein auf, vieles läuft aber auch diskret und ohne großen Aufhebens ab. Doch stets ist der Beitrag, den die engagierten Ehrenamtlichen leisten, ein wichtiger. Denn die Zahl derer, die auf die Tafel angewiesen sind, ist hoch und steigt aktuell weiter. Zeit für eine Rückschau, einen Blick auf den Status quo und Aussichten, die nicht nur optimistisch stimmen. Denn wachsender Bedarf, nachlassende Spenden und die Suche nach einem neuen Standort erschweren die Vereinsarbeit.

Die Landsberger Tafel kann seit ihrer ersten Lebensmittel­ausgabe im Januar 2006 auf mehr als zehn bewegte Jahre zurückblicken. In dieser Zeit realisierte der Verein einige Errungenschaften: Umzüge wurden gemeistert und brachten zahlreiche Verbesserungen, die Mitgliederzahl stieg und eigens angeschaffte Fahrzeuge trugen dazu bei, den Transport und die einzuhaltende Kühlkette einfacher zu gestalten. Anfangs noch in der Sozialstation St. Martin untergebracht und anschließend im Jugendzentrum, findet sich die Tafel seit 2012 in der ehemaligen Pflugfabrik.

Zunehmender Bedarf

Dort herrscht vor allem während der Ausgabezeiten dienstags und donnerstags ein reges Kommen und Gehen. Denn die Menge der Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind, ist derzeit groß wie lange nicht. „Die Anzahl an Rentnern und Flüchtlingen steigt ständig“, erklärt Marlies Klocker. Sie ist die Vereinsvorsitzende und von Beginn an dabei. „Die wachsende Altersarmut ist ein großes Thema und generell haben ungefähr zwei Drittel aller Abholer einen Migrationshintergrund.“ Demgegenüber nähme der Anteil bedürftiger Alleinerziehender wieder ab. Insgesamt 7.534 Personen mussten im laufenden Jahr bereits bei ihrer Versorgung auf die Tafel zurückkommen, mit insgesamt 16.200 Personen war 2009 das Jahr mit dem größten Bedarf.

„Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise haben in der Vergangenheit eine spürbare Rolle gespielt“, so Klocker. Und auch die aktuelle Entwicklung und der Zuzug der vielen Flüchtlinge schlage sich natürlich nieder. Andererseits ließe sich beispielsweise die Ansiedlung von Unternehmen wie Amazon und Edeka an den Abholerzahlen ablesen. Sie sorgten für etwas Entspannung.

Berechtigt, sich in die Schlangen der Ausgabe zu stellen, sind all Jene, deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt. Das festzustellen übernimmt meistens das Landratsamt, doch auch der Verein selbst ist hier bürokratisch gefordert. Die eingeführte Sozialkarte sorgte hier für spürbare Entlastung.

Seit ihrer Gründung hat die Landsberger Tafel 840 Verteiltage abgehalten und dabei ungefähr 260 Tonnen gespendeter oder zugekaufter Lebensmittel an insgesamt 157.651 Abholer ausgegeben. Ungefähr 69.000 Einsatzstunden der fleißigen Mitarbeiter flossen ein. Doch trotz aller erzielten Fortschritte, dem großen Einsatz und den vielen Menschen, denen die Tafel eine wichtige Stütze darstellt, zeichnen sich auch Probleme ab.

Weniger Spenden

Denn entgegen des steigenden Bedarfs sinkt aktuell das Spendenaufkommen. „An und für sich ist es ja richtig, dass die Discounter anders disponieren und mittlerweile weniger, noch gute Lebensmittel entsorgen. Für uns ist es aber ungünstig“, bedauert Klocker. Frisches und Gemüse sei mittlerweile Mangel­ware. „Bei nachlassenden Spenden und steigendem Bedarf stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen. Wenn es so weiter geht, müssen wir die Leute womöglich auf die Verteiltage splitten“, befürchtet Barbara Berke, die 2. Vorsitzende. An einen Aufnahmestop, der schlimmstenfalls als darauffolgender Schritt drohen könnte, mag sie noch gar nicht denken.

Wohin mit der Tafel?

Sorgen macht indes auch, dass im Rahmen des Projekts „Urbanes Leben am Papierbach“ die Kündigung der jetzigen Räumlichkeiten in der ehemaligen Pflugfabrik erfolgte. „Der Vertrag lief Ende Mai aus, uns wurde von Investor ehret+klein aber zugesichert, dass wir noch bis nächstes Jahr bleiben dürfen“, erklärt Klocker. Doch die Suche nach einem neuen Standort gestaltet sich schwierig: Er müsse gut erreichbar sein, dürfe aber nicht mitten in der Stadt liegen. Denn viele Abholer bevorzugen aus Scham eine diskrete Lage. „Außerdem sind wir mancherorts leider unerwünscht“, wirft Berke ein. Auch Parkplätze für die Helfer seien ein Kriterium.

Deren Zahl ist konstant hoch. Mit 50 Mitgliedern startete der Verein, heute zählt er 156. „Seit fünf Jahren pendeln wir uns bei ungefähr 150 Leuten ein“, so Klocker. Neben der Motivation, Lebensmittel vor der Tonne zu retten und Bedürftigen zu helfen, sei ihr Team ein großer Antrieb für beide, erklären die Vorsitzenden. „Wir haben viele fleißige Helfer, Sponsoren und Vorstandsmitglieder“. Die Jubiläumsfeier am 24. Juni ab 10 Uhr sei deshalb als Dankeschön gedacht.

Rasso Schorer

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