Fünf Euro pro Kind und Stunde

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19 Tagesmütter betreuen ungefähr 100 Kinder im Landkreis: Die Tagesmütter fordern jetzt eine leistungsgerechte Bezahlung für ihre Arbeit.

Landkreis – Tagesmütter sind begehrt: Sie bieten den Eltern mehr Flexibilität als Kindertagesstätten. Das Kinderbüro in Landsberg vermittelt im Landkreis 19 Tagesmütter, die insgesamt ungefähr 100 Kinder betreuen. Aber die Bezahlung ist im Vergleich zu anderen Landkreisen gering. Das soll sich ab Januar ändern, aber ob die Forderungen der Tagesmütter im vollen Umfang erhört werden, ist fraglich.

Der Vorteil liegt in der Flexibilität: Wenn es bei den Eltern abends mal länger dauert, kann eine Tagesmutter diese Zusatzzeit abdecken. Ein weiterer Grund, warum viele Eltern Tagesmütter in Anspruch nehmen, ist die Einbindung des betreuten Kindes in eine familiäre Situation – das Zuhause der Betreuerinnen. Insgesamt kann eine Tagesmutter bis zu acht Kinder betreuen, allerdings dürfen nie mehr als fünf gleichzeitig anwesend sein. Bei Iris Bihlmaier, die in Landsberg Ost ihre Arbeit anbietet, kommt das erste Kind bereits um 6 Uhr morgens. Über den Tag verteilt hat sie manchmal fünf, manchmal nur zwei Kinder: „Im Durchschnitt sind es bei mir 3,17 Kinder pro Stunde.“ 

Die Bezahlung der selbstständig arbeitenden Tagesmütter ist kompliziert. Jede erhält pro Kind eine Grundpauschale von knapp 327 Euro, dazu kommen bei entsprechender Qualifizierung ein Zuschlag von zehn oder 20 Prozent sowie ein Sachaufwandszuschlag von 240 Euro, der für Essen und sonstige Verpflegung des Kindes gedacht ist. Rechnet man den Stundenlohn inklusive des Sachaufwandszuschlags für ein Kind aus, das 40 Stunden pro Woche betreut wird, kommt man auf 3,65 Euro. „Davon ist es nahezu unmöglich, Rücklagen für Krankheit oder Alter zu bilden“, urteilt Tagesmutter Heike Müller-Syhre. Zudem ginge die Anzahl der Tagesmütter immer weiter zurück, da viele nicht bereit seien, für diesen Betrag zu arbeiten. 

Gesetzlich gibt es keine konkreten Beträge: Das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz sieht nur eine „leistungsgerechte Zahlung“ der Tagesmütter vor. Dass diese im Landkreis zu niedrig sei, sehe auch das Jugendamt, berichtet Rose Hochschwarzer von der Frau & Beruf GmbH: „Mit der Absicht, die Pauschale zu erhöhen, sind die schon auf dem richtigen Weg.“ 

Die Tagesmütter erhoffen sich im Endeffekt einen Stundenlohn pro Kind von fünf Euro. So könne neben einer Erhöhung der Grundpauschale zum Beispiel der Sachaufwandszuschlag auf 300 Euro pro Kind aufgestockt werden, der Qualifizierungszuschlag im Landkreis bei den jetzt gültigen 20 Prozent bleiben, also dem einer pädagogischen Fachkraft. Hochschwarzer stimmt zu: „Eine Unterscheidung zwischen Erzieherin und Tagesmutter ist im Landkreis nicht angebracht, da die Anforderungen an die Tagesmütter hier mit mindestens 160 Stunden Ausbildung sehr hoch sind.“ 

Auf den Landkreis kämen laut Rose Hochschwarzers Schätzung Mehrkosten von ungefähr 80000 Euro zu. Allerdings müsse man sehen, dass es den Landkreis teurer zu stehen käme, wenn die betreuten 100 Kinder in Tagesstätten untergebracht werden müssten. Kreistagsmitglied Josef Loy äußerste sich im Gespräch mit den Tagesmüttern nicht konkret zu deren Forderungen. An seiner Miene war jedoch eine gewisse Skepsis abzulesen. 

Der Bürgermeister der Gemeinde Fuchstal Erwin Karg, Mitglied im Jugendhilfeausschuss, der dem Kreistag eine Empfehlung zur Bezahlung der Tagesmütter aussprechen wird, stand den Wünschen der Tagesmütter positiv gegenüber: „Diese Forderungen sehe ich als eine leistungsgerechte Bezahlung, das müssten wir doch hinkriegen.“ Sachgebietsleiter des Jugendamtes in Landsberg Peter Rasch, ebenfalls Mitglied im Jugendhilfeausschuss, ist anderer Meinung: „Zum Beispiel die Gleichsetzung von Erzieherin und Tagesmutter: Da ist doch ein gewisser Unterschied zwischen 160 Stunden Qualifizierung und der Ausbildung zur Erzieherin.“ Bei der Berechnung des Stundenlohnes müsse man auch berücksichtigen, dass Tagesmütter noch Zuschüsse zur Sozialversicherung erhielten. 

Der Jugendhilfeausschuss habe bereits Zahlen von allen Landkreisen im weiteren Umfeld Münchens eingeholt und eine Durschnittspauschale errechnet, die man als Empfehlung weitergeben werde. Na- türlich werde er den errechneten Betrag vor der Ausschusssitzung Mitte November nicht nennen, sagt Rasch, „aber ich wünsche mir Weltfrieden.“ Auf die Frage, ob die Empfehlung den Forderungen der Tagesmütter gerecht werde, antwortet Rasch ebenso kryptisch: „Dann hätte ich mir ein Steckerleis gewünscht.“ Um schließlich doch ein wenig exakter zu werden: „Die fünf Euro werden es wohl nicht ganz.“

Susanne Greiner

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